Niederndorf
Spendenaktion

Franken helfen Franken: Gemeinsam für Jakob im Kampf gegen Leukämie

Der elfjährige Leukämie-Patient Jakob Conrads aus Niederndorf hofft nach einer Stammzellen-Transplantation, den Blutkrebs besiegen zu können.
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Jakob  und sein Vater Daniel hoffen, dass der Alptraum bald beendet ist.  Die Mediengruppe Oberfranken unterstützt die Familie mit ihrer Spendenaktion "Franken helfen Franken."  privat
Jakob und sein Vater Daniel hoffen, dass der Alptraum bald beendet ist. Die Mediengruppe Oberfranken unterstützt die Familie mit ihrer Spendenaktion "Franken helfen Franken." privat
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Bruce, die Fledermaus, darf nicht mit. Das Kuscheltier muss noch ein paar Wochen auf Jakob warten. Denn der Bub ist in der Kinderkrebsklinik in Erlangen. Dort, auf der Isolierstation, dürfen ihn nur ausgewählte Personen besuchen. Die Ärzte und Pfleger selbstverständlich sowie seine Eltern und der Opa. Bruce muss zuhause bleiben. So ein Kuscheltier ist Bakterienträger.

Der elfjährige Junge aus Niederndorf hat Leukämie. Seit Sommer 2016 wissen es die Eltern und seither kämpft der tapfere junge Mann gemeinsam mit seiner Familie und den Ärzten gegen den Blutkrebs. Eine monatelange Chemotherapie schien zunächst Erfolge zu zeigen."Wir hatten uns schon auf die Reha eingestellt", sagt Jakobs Vater Daniel Conrads, aber dann kam der Tiefschlag. Die Behandlung hatte nicht geholfen, der Familie wurde abgeraten, das Kind einer weiteren Chemo-Tortur zu unterziehen.

Was blieb, war die Hoffnung. Die Hoffnung, einen Menschen zu finden, der als Spender von Knochenmark in Frage kommt. Denn gerade bei jungen Menschen ist die Chance groß, dass eine Stammzellenspende anspricht und der Patient geheilt werden kann. Und jetzt hatte die Familie Conrads Glück im Unglück. Dieser Spender wurde tatsächlich gefunden, jemand der sich in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS eingetragen hatte. Und der die Voraussetzungen erfüllte, Jakob helfen zu können. Die Werte passten, es gab eine sehr hohe Übereinstimmung, sagt Papa Daniel erleichtert. Alle hofften nun auf die Transplantation. Der Spender indes ist unbekannt, seine Herkunft bleibt geheim.


Am 28. November

Die Übertragung hat inzwischen stattgefunden. Am 28. November wurde Jakobs Körper per Infusion mit der Lösung versorgt, die die Stammzellen des Spenders enthielt. Drei Beutel waren es, berichtet der Vater. Jeder brauchte vier Stunden, eine ganze Nacht lief die Prozedur. "Er hat das ganz gut vertragen", sagt Daniel. Zumindest in den ersten Tagen. Dann setzten Abwehrreaktionen ein, die Schleimhäute sind betroffen, der Bub kann nur noch unter Schmerzen schlucken, mag nichts essen. "Wir haben es mit Suppe versucht", schildert Daniel. Vergeblich. Der Patient muss aber nicht essen, wird über Infusionen mit allen Nährstoffen versorgt. Wünschenswert wäre es dennoch, wenn er isst, sagt der 40-Jährige.

Diese Abwehrreaktionen seien normal, ergänzt Daniel. "Man sieht, dass der Körper arbeitet." Vier bis sechs Wochen werde es dauern, bis sich der Körper wieder aufgebaut hat. Nach drei bis vier Wochen erhalte man über die Blutwerte eine erste Tendenz. Doch erst nach einhundert Tagen könne man durch eine Punktion des Knochenmarks nähere Erkenntnisse gewinnen. Nämlich darüber, ob es die gewünschten Zellen sind, die sich durchsetzen. Das erste Ziel sei es zunächst, dass der Körper Signale zeigt. Dann will die Familie weitersehen. Es ist ein Hoffen von Etappe zu Etappe.

Seit August liefen die Vorbereitungen auf die Transplantation. Da war Jakob schon fast durchgehend im Krankenhaus, wurde stabil gehalten, damit er sich keinen Infekt zuzog. Eine Woche vor dem Termin begann eine abschließende Chemotherapie. Jeden Tag, eine ganze Woche lang, musste Jakob einen heftigen Prozess über sich ergehen lassen. Schließlich ging es darum, das schlechte Knochenmark zu zerstören. Damit sich neues gesundes bilden kann. Daniel Conrads erinnert sich an jede Minute. "Es wurden die Tage heruntergezählt", sagt er. "Von minus sieben bis zum Tag null, dem Zeitpunkt der Transplantation."

Auf der Isolierstation ist alles steril. Jakobs Krankenzimmer muss durch zwei Schleusentüren betreten werden. Alles, was rein soll, wie Bücher oder DVDs, muss abwischbar sein und desinfiziert werden. Die Personen tragen Mundschutz und Kittel. Der Patient darf sich nichts einfangen, solange er keine Abwehrkräfte hat. Sobald seine normalen Blutwerte stabil sind, berichtet Vater Daniel weiter, könne die Isolation beendet werden. Da muss sich dann schon neues Knochenmark gebildet haben.


Eltern wechseln mit dem Opa ab

Bis dahin sind die Eltern jeden Tag bei ihrem Sohn, von frühmorgens bis spätabends, nur die Nacht dürfen sie nicht bei ihm in der Klinik verbringen. Daniel wechselt sich mit seiner Frau Birgit ab, und sein Vater, also Jakobs Opa, unterstützt das Paar. Schließlich sind beide Eltern berufstätig. Daniel kann seinen Beruf als Heilerziehungspfleger im Schichtdienst ganz gut mit den Zeiten im Krankenhaus kombinieren, sagt er. Seine Frau ist krankgeschrieben, zu groß ist die seelische Belastung für die Mutter. Doch irgendwann ist das Krankengeld zu Ende, aber die Familie muss den Alltag finanzieren. Und weiterhin die Schulden fürs Haus abbezahlen. Von täglichen Kosten abgesehen, die durch die Betreuung des Sohnes entstehen, was sicherlich noch eine lange Zeit dauert.

Und wenn alles überstanden ist, muss die Familie wieder zusammenfinden. Größter Wunsch der Eltern wäre es, gemeinsam mit Jakob und seiner Schwester Lena (8) eine Reise zu machen. Dorthin, wo die Kinder möchten. Jakob selbst wünscht sich ein Notebook, damit er mit den Freunden in Kontakt bleiben kann.

Da will "Franken helfen Franken" unterstützen. Partner unserer Aktion ist die katholische Kirche respektive Pfarrer Helmut Hetzel. Er wird die gesammelten Spenden dann an die Familie übergeben. Aktive Unterstützung bekommt die Familie seit Wochen von Freunden, viele Herzogenauracher bangen mit. So haben drei Frauen eine Typisierungsaktion gestartet, um möglichst viele Menschen zu bewegen, sich in die Spenderdatei aufnehmen zu lassen. Und um Jakob und anderen Leukämie-Kranken helfen zu können. Die Resonanz war überwältigend, 1283 Menschen haben sich typisieren lassen, 130 Helfer waren im Einsatz, die DKMS erhielt Spenden in Höhe von 48 000 Euro.


Kleine Feier für die Helfer

Am 6. Dezember hat Daniel Conrads die Helfer der Aktion zu einer kleinen Feier eingeladen, um Dankeschön zu sagen. Im Bischofskostüm überbrachte er den Gruß seines Sohnes. "Jakob hat den Nikolaus geschickt, um sich zu bedanken", sagte er den Helfern. Und diese waren dankbar, bei all der Anspannung, die die Familie hat, gemeinsam fröhlich zu sein, sagt Christine Schieb, eine Organisatorin der Typisierung. Und: "Ich musste weinen."

Für den Herzogenauracher Pfarrer Helmut Hetzel ist es wichtig zu zeigen, "dass die Familie spürt, sie ist nicht allein gelassen und dass Jakob seine Lebensfreude nicht verliert". Der Geistliche denkt oft an den Buben. Am Tag der Transplantation "habe ich die Osterkerze auf meinem Schreibtisch den ganzen Tag brennen lassen."


Spendenverein Mit ihrem Spendenverein "Franken helfen Franken" unterstützt die Mediengruppe Oberfranken (MGO) gemeinnützige Vereine, Initiativen und Projekte in Franken. Jeder gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die MGO.

Idee Die MGO erreicht über ihre Zeitungen Fränkischer Tag, Bayerische Rundschau, Coburger Tageblatt, Saale-Zeitung und Die Kitzinger sowie ihre Internetangebote (unter anderem das Zeitungsportal inFranken.de) viele Menschen. Das will sie nutzen, um mit Hilfe des Spendenvereins Hilfsbedürftige in ganz Franken zu unterstützen.

Spendenkonto Spenden kann man per Überweisung auf das Konto 302194501 der Mediengruppe Oberfranken — Franken helfen Franken e.V. bei der Sparkasse Bamberg (IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01). Verwendungszweck "Jakob Conrads" angeben.

Erfolge Seit 2009 wurden über 326 000 Euro Spendengelder gesammelt. Jeder für "Franken Helfen Franken" gespendete Euro geht zu 100 Prozent an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe Oberfranken. Alle Spenden sind steuerlich absetzbar.

Information Wer sich über den Verein und seine Arbeit informieren möchte, kann dies tun auf der Homepage unter der Adresse www.franken-helfen-franken.de.


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