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Herzogenaurach
Austausch

Fränkische Einzelhändler nehmen Produzenten und Konsumenten mit in die Pflicht

Der Bundestagsabgeordnete Stefan Müller hörte sich die Sorgen von zwei Lebensmittel-Einzelhändlern an.
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Pascal Bächmann (l.) schilderte Stefan Müller die Sicht der Lebensmittelhändler auf die derzeitigen Proteste der Landwirte.    Foto: privat
Pascal Bächmann (l.) schilderte Stefan Müller die Sicht der Lebensmittelhändler auf die derzeitigen Proteste der Landwirte. Foto: privat
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"Sind mehr regionale Produkte und auskömmliche(re) Preise für die Landwirtschaft im Einzelhandel möglich?" Diese Frage diskutierte MdB Stefan Müller angesichts der anhaltenden Proteste aus der Landwirtschaft jetzt im Rahmen von Besuchen bei zwei großen Lebensmitteleinzelhändlern in seinem Wahlkreis. Sein vorläufiges Fazit: Es gibt durchaus Möglichkeiten, aber alle müssen sich bewegen. Nicht zuletzt auch die Verbraucher.

Debatten über den Wert von Lebensmitteln und Kritik aus der Landwirtschaft über mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit gibt es schon lange und immer wieder. Laut einer Pressemitteilung seines Büros war das für den Erlanger Wahlkreisabgeordneten im Deutschen Bundestag, Stefan Müller (CSU), Grund genug, sich nach vielen Gesprächen mit Landwirten auch die Meinung zweier großer Lebensmitteleinzelhändler aus seinem Wahlkreis anzuhören. Mit Matthias Zwingel, Betreiber von neun Rewe-Märkten in der Region, und Pascal Bächmann, Betreiber zweier großer Edeka-Märkte in Erlangen und Herzogenaurach, diskutierte der Abgeordnete bei Besuchen in ihren Geschäften intensiv über diese Fragen.

Dabei wurde deutlich, dass es bei den Einzelhändlern einerseits großes Verständnis für die Problemlagen der regionalen Landwirte gibt, andererseits aber auch die Frage gestellt wird, ob alle Höfe die unbedingte Notwendigkeit, viel stärker betriebswirtschaftlich zu denken, schon erkannt hätten. Aufgabe des Handels sei es von jeher, zwischen Endkunden und Produzenten zu vermitteln. Dabei erlebe man es immer wieder, dass Kunden von den Bedingungen der landwirtschaftlichen Produktion zu wenig wüssten und umgekehrt viele Landwirte das Konsumverhalten der Bevölkerung nicht richtig einschätzten.

Preisdiktat soll ein Mythos sein

Mehr Regionalität im Angebot und auskömmlichere Preise für die Produzenten seien durchaus auch in ihrem Sinn, so die beiden Kaufleute übereinstimmend. Dass der Handel Preise diktiere und sich auf Kosten der Landwirte die Taschen vollmache, verweisen sie dagegen ins Reich der Mythen. Das entspreche nicht der Realität, die ihren Alltag bestimmt. Vielmehr erlebe man laufend mangelnde Kenntnisse von Qualitäten und Lieferwegen der Lebensmittel.

Zwingel fordert in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels deshalb ein Bildungsangebot "Alltagskompetenz" in den Schulen von der ersten bis zur zwölften beziehungsweise zur 13. Jahrgangsstufe. Nur so könnten auf gesellschaftlicher Ebene langfristig Verhaltensänderungen angestoßen werden. Es gäbe, so ein Ergebnis des Austauschs, durchaus auch Wege, wie mehr Regionalität und auskömmlichere Preise für die Produzenten zu erreichen wären - vorausgesetzt, alle tragen ihren Teil dazu bei: die Produzenten selbst, der Handel, und auch die Konsumenten.

Müllers Fazit: "Es gibt in der Marktwirtschaft nicht die - für manche offenbar wieder verführerische - Option eines politischen Preisdiktats. Das ist auch richtig so. Genauso richtig ist es aber, unsere regionalen Produzenten zu stärken. Wir als Konsumenten haben es in der Hand. Wenn wir diese Produkte verstärkt nachfragen, obwohl sie etwas teurer sind, werden Produzenten und Handel sich ziemlich schnell darauf einstellen."

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