Schlechte Generalprobe, hervorragende Premiere - diese Künstlerweisheit widerlegte die Theater AG der Realschule bei der Premiere des Stückes "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry. In der ausverkauften Aula der Schule brillierte die Truppe rund um ihren Lehrer Markus Bedruna.

Für leichte Aufregung sorgte "Fuchs" Kassandra Kölmel (13 Jahre). "Ich habe mir das Knie verletzt und weil im Herbst Auftritte mit der Ballettschule anstehen, wollte ich keine Probe verpassen", erklärt die von allen nur liebevoll Keks genannte Schülerin. Tapfer krabbelte sie auf allen Vieren über die Bühne und ließ sich vom kleinen Prinz zähmen.


Flugzeug kam wie gerufen


Rektor Ulrich Langer lobte den großen Enthusiasmus der Schüler.
"Die Theatergruppe ist ein wichtiger Schulbaustein und es ist beeindruckend mit wie viel Aufwand Bühne und Spiel Jahr für Jahr gestaltet werde." Ebenso attestiert er Bedruna ein gutes Händchen bei der Wahl der Schauspieler. "Manch einen Schüler erkannt man auf der Bühne kaum wieder", schmunzelt Langer.

Noch bevor die Schulband den ersten Ton spielte, flog eine kleine Propellermaschine über das Gebäude - einen passenderen Prolog für das Stück um einen in der Wüste abgestürzten Piloten, der auf einen reisenden Außerirdischen trifft, hätte auch Bedruna nicht einplanen können. Durch den Mittelgang der Stuhlreihen läuft Fabian Schlund, Darsteller des Piloten, sechs Jahre nach dem Absturz, und nimmt das Publikum als Erzähler mit auf seine Gedankenreise in die Wüste. Aufmerksam lauschen die Zuschauer den Worten des 17-jährigen Schülers, der die einzelnen Stationen der Reise des kleinen Prinzen durch das Weltall und die Erinnerungen an seine Begegnung mit dem wundersamen Wesen so ergreifend wiedergibt, als wäre er wirklich dabei gewesen.

"Es ist schon ziemlich komisch, zu zweit eine Person darzustellen, vor allem, weil wir am Ende ja sogar zusammen auf der Bühne stehen und gleichzeitig eine Textpassage sprechen", beschreibt Fabian seine Rolle. Den jungen Piloten spielt sein gleichaltriger Freund Dennis Hessek.


Pillen für das Publikum


Auf drei Bühnenebenen vor selbst gemalten Kulissen und gebastelter Bühnendekoration agieren die Schauspieler. Eine große Stütze ist in diesem Jahr die Refendarin Claudia Reuther in ihrer Funktion als Regieassistenz. Bedruna selbst zeichnet wieder für die Gesamtleitung, also auch für die Schulband verantwortlich. Musik und Texte der ergänzenden Lieder hat er selbst verfasst. Doch auch der "Mann für alle Fälle" vor und hinter der Bühne, Felix Preckur (17 Jahre), ist ein wichtiges Teil im Gesamtpuzzle. So steht er bei der Szene des Nachtwächters mit dem Feuerlöscher bereit, da hier mit echtem Feuer hantiert wird. Er dient dem aufgeregten Alkoholiker und Pillenverkäufer, gespielt vom 15-jährigen Rezon Krasniq, vor dessen Auftritt als Punchingball und greift wo immer nötig beherzt ein. Rezon verteilte auf seinem Weg durch das Publikum bis zur Bühne großzügig Traubenzuckerdrops.

Der kleine Prinz wird dargestellt von der 13-jährigen Katrin Hupfer. Er tritt ganz in unschuldigem Weiß auf die Bühne. Lediglich der bunte Schal deutet auf die bunte Fantasie des Weltraumreisenden hin. Den Applaus nach der Premiere konnte Katrin jedoch nicht voll auskosten, da sie aufgrund der Aufregung und Wärme der Scheinwerfer schon zu Beginn der letzten Szene Nasenbluten bekam.

"Eigentlich bin ich nicht sehr aufgeregt, da ich leicht auswendig lernen kann und daher textsicher bin", erzählt die Siebtklässlerin, deren großes Vorbild der ehemalige Schüler der Realschule, Tim Steinheimer, ist. Die Rolle des kleinen Prinzen ist für Katrin ein großes Glück, da er wie sie kindlich und fantasievoll ist. Kritisch bewertet sie Auftritte mancher Stars: "Viele spielen gar nicht richtig. Dabei ist Schauspiel so viel mehr als nur Text aufsagen, es geht viel mehr um das Gefühl und sich in die Rolle reinzuversetzen."


Bezaubernde Blume


Besonders angetan war das Publikum vom kurzen Auftritt der erst elfjährigen und somit jüngsten Schülerin, Franziska Korn. Das jüngste Mitglied des Ensembles spielte die Blume des kleinen Prinzen und bezauberte durch ihre kindlich charmante Ausstrahlung.

"Es ist aufregend und macht viel Spaß in dieser netten Truppe", strahlt sie begeistert und lacht: "Nächstes Jahr möchte ich eine größere Rolle, aber keine Hauptrolle, da müsste ich dann zu viel lernen."