Es war damals nicht nur für die Leute im Ort ein Schlag ins Gesicht. Auch Wachenroths Bürgermeister Friedrich Gleitsmann (CSU) fühlte sich vor den Kopf gestoßen, als Anfang 2014 die ersten Flüchtlinge nach Wachenroth gebracht wurden, ohne dass er vorher informiert worden wäre. Der ehemalige Gasthof Linsner war kurzerhand in eine Asylbewerberunterkunft umfunktioniert worden. Inzwischen sind die Flüchtlinge abgezogen und aus dem früheren Gasthof ist ein schmuckes Drei-Sterne-Hotel geworden.

Carlos Castillo, ein Hotelier aus dem Raum Nürnberg, hatte das Anwesen mit 35 Zimmern im Januar 2014 erworben. Mehrmals sei er von Mitarbeitern der Regierung damals gefragt worden, ob er in dem Gasthof nicht Asylbewerber unterbringen möchte. Schließlich ließ er sich vom damaligen Landrat Eberhard Irlinger (SPD) überzeugen.


Vorher nicht informiert

Der Gasthof Linsner sei eines der ersten Häuser im Kreis gewesen, die Flüchtlinge in größerer Zahl unterbrachten, erinnert sich Bürgermeister Gleitsmann. Damals musste der Landkreis jede Woche zehn neue Flüchtlinge aufnehmen. Gleitsmann ärgerte sich nur darüber, dass die Gemeinde vorher nicht informiert wurde. Das Landratsamt habe sich dafür aber später entschuldigt und die Sache sei für den Bürgermeister inzwischen erledigt.

Anfangs wohnten laut Gleitsmann 30 bis 35 Flüchtlinge in dem Gasthof, zu Hochzeiten wurde die Belegung auf über 80 aufgestockt. Die ersten Bewohner kamen aus Syrien, später folgten Iraker, Somalis und Menschen aus der Ukraine und dem Kosovo. Größere Probleme habe es nicht gegeben.
Das lag auch an der Arbeit der ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer. Eine von ihnen ist Petra Kleineisel. Sie berichtet von den "verschiedenen Besiedlungsphasen" des Gasthofs, in denen auch der Helferkreis immer wieder neu gefordert war. Das ging von Fahrdiensten, über die Bekämpfung von Frustration bis zu Problemen in der Küche, wo Moslems und Westbalkan-Flüchtlinge gemeinsam ihre Speisen zubereiteten.

Aktuell leben laut dem Bürgermeister noch fünf bis sechs Flüchtlingsfamilien über die Gemeinde verteilt, die sich gut integrieren. Im März zogen die letzten Bewohner aus dem Gasthof Linsner aus.


Gute Nachfrage

Schon vorher hatte Carlos Castillo damit begonnen, das Anwesen von Grund auf zu sanieren. Das sei auch von Anfang an sein Ziel gewesen, sagte er dem FT. Alle Zimmer wurden vom Bodenbelag bis unter die Decke renoviert und auch die Bäder neu gestaltet. Aus seinem aufgegebenen Nürnberger Haus hat er viele Bilder und andere Deko-Artikel mit nach Wachenroth gebracht. Mit den Buchungen in den ersten Wochen ist er voll zufrieden. Messen in Nürnberg bringen ihm ebenso Übernachtungsgäste wie Reisebusse. "Die Zimmer sind ruhig, neu und nicht zu teuer", begründet der Hotelier die gute Nachfrage.

Und dann hat er auch wieder das Lokal eröffnet, in dem mediterrane Küche serviert wird. Dass in die Gastwirtschaft neues Leben einzieht, freut den Bürgermeister besonders: "Der Gasthof Linsner ist wichtig für die Gemeinde."

Die Ära Flüchtlingsunterkunft in dem Gasthof ist Vergangenheit. Wie eine Nachbarin dem FT versicherte, ist diese Zeit auch gut gelaufen. Anfängliche Bedenken hatten sich als unbegründet herausgestellt. Mit dem jetzt wieder auflebenden Hotel- und Gaststättenbetrieb könne sie aber auch gut leben.