Dechsendorf
Wald

Flatterulme: Baum des Jahres und der Zukunft?

Die Flatterulme ist der Baum des Jahres 2019. In der Mönau bei Dechsendorf lassen sich alte und bald auch neue Exemplare finden.
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Diese 130 Jahre alte Flatterulme fällt durch ihre ausgeprägten Brettwurzeln auf. Benedikt Herzig
Diese 130 Jahre alte Flatterulme fällt durch ihre ausgeprägten Brettwurzeln auf. Benedikt Herzig
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In der Mönau außerhalb Dechsendorfs in Richtung Kosbach lassen sich noch wahre Schätze finden. Oft unwissend trifft man hier auf den Baum des Jahres 2019, die Flatterulme. Heutzutage seien nicht mehr viele alte Flatterulmen in Bayern zu finden, berichtet Simon Hösch, Forstreferendar beim Forstbetrieb Forchheim der Bayerischen Staatsforsten.

Das Kuratorium Baum des Jahres hat für das Jahr 2019 die Flatterulme zum Baum des Jahres ernannt. Die Flatterulme (Ulmus laevis) fühlt sich vor allem auf Grundwasserböden und feuchten Auenwäldern wohl, wie in der Mönau im Forstrevier Erlangen. Wegen der umliegenden Weiher und einer Tonschicht in 60 Zentimeter Tiefe, auf der sich Wasser ansammelt, ist das Gebiet mit den Flatterulmen fast ganzjährlich sehr feucht.

Beim gelegentlichen Waldspaziergang könne man die Flatterulme an den stark ausgeprägten Brettwurzeln erkennen. Dadurch ist es den Bäumen möglich, auch bei langandauernden Überschwemmungen zu überleben. Die Blätter seien unregelmäßig und asymmetrisch, erklärt Forstbetriebsleiter Stephan Keilholz.

Früher war das Holz der Flatterulme bei Schreinern beliebt. Doch durch den Bestandsrückgang der Ulmen wird mittlerweile nur noch wenig des Holzes, das als "Rüster" bezeichnet wird, gehandelt. An alten Alleen lassen sich die Bäume noch finden.

Pilzkrankheit in den 70er Jahren

Die Geschwister der Flatterulme, die Berg- und die Feldulme, sind vor allem in den 70er Jahren einer Pilzkrankheit zum Opfer gefallen. Der Schlauchpilz wurde über den Ulmensplintkäfer aus ostasiatischen Regionen eingeschleppt und von den Niederlanden aus in die bayerischen Wälder transportiert, weshalb auch von der Holländischen Ulmenkrankheit gesprochen wird. Die Flatterulme hingegen ist resistent gegen den Pilz und stelle in Zeiten, in denen andere Baumarten sterben (Erlensterben, Eschentriebsterben) eine lokale Alternative dar.

In der Mönau wurden Fichten, die vom Borkenkäfer befallen waren, gefällt. Die entstandene Freifläche soll jetzt nach Angaben des Revierleiters Matthias Breuer mit Flatterulmen bepflanzt werden, da der Käfer diese Baumart nicht befällt.

Diese Flatterulmen unterstehen keiner forstwirtschaftlichen Nutzung, sondern dienen der "Diversifizierung des Waldes", so Hösch. Denn nur, wenn ein Wald aus vielen verschiedenen Baumarten besteht, könne er den modernen Herausforderungen wie Niederschlagsknappheit, Temperaturanstieg und erhöhtem Waldbrandrisiko gerecht werden.

Um dem langsamen Verschwinden der Flatterulme entgegenzuwirken, erntet der Pflanzgarten des Forstbetriebs Forchheim die Samen der Flatterulmen in der Mönau. Außerhalb des Waldes werden die jungen Bäume aufgezogen, bis sie in Gruppen versetzt werden, sobald sie mit anderen Baumarten konkurrieren können.

Die Aufforstung mit Flatterulmen hat einen weiteren Grund: Die robuste Baumart bietet wichtige Rückzugsorte für verschiedene Insektenarten. Der Ulmen-Blattfloh und der Ulmen-Zipfelfalter seien speziell auf die Flatterulme angewiesen, da die anderen Ulmenarten stark dezimiert sind.

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