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Höchstadt a. d. Aisch
Verkehr

Fahrtraining in Höchstadt: Auch im Alter sicher Auto fahren

Nach Unfällen, an denen ältere Fahrer beteiligt sind, kommt schnell die Debatte über eine verpflichtende Wiederholung der Führerscheinprüfung für Senioren auf. Eine Fahrlehrerin, ein Autofahrer und der Vorsitzende der Verkehrswacht erklären, warum das nicht die Lösung des Problems ist.
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Rudolf Weißmann fährt gerne Auto. Im vergangenen Jahr hat er an einem Fahrtraining teilgenommen.  Foto: Franziska Rieger
Rudolf Weißmann fährt gerne Auto. Im vergangenen Jahr hat er an einem Fahrtraining teilgenommen. Foto: Franziska Rieger

Die Augen werden schlechter, die Reaktion war schon mal schneller und beim Blick über die Schulter ziept es gewaltig im Gelenk: Mit gehobenem Alter fällt das Autofahren schwerer. Senioren hinterm Steuer können so schnell zur Gefahr werden - so oder so ähnlich fällt das Fazit mancher Diskussionen unter Autofahrern aus. Erst kürzlich hat eine 78-jährige Seniorin in Adelsdorf beim Abbiegen auf die B 470 die Vorfahrt missachtet, sechs Personen waren in den Unfall verwickelt.

Das Polizeipräsidium Mittelfranken dokumentiert in der Verkehrsstatistik genau, an wie vielen Unfällen im Landkreis Erlangen-Höchstadt tatsächlich Senioren (Definition: ab 65 Jahre) beteiligt waren (siehe Grafik). Das Fazit: Im Vergleich zu Fahranfängern sind Senioren nicht öfter in Unfälle verwickelt. Wenn sie es aber sind, dann meist als Unfallverursacher. Von den 306 Unfällen, die sich im Jahr 2018 mit Beteiligung von Senioren ereignet haben, waren rund zwei Drittel (206 Senioren) Unfallverursacher. Ähnlich ist es in den vorangegangenen Jahren.

Die häufigsten Unfallursachen seien Vorfahrtsfehler und Fehler beim Wenden, "an Stellen, an denen man nicht wenden sollte", sagt Rainer Seebauer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums.

Sich nicht mehr hinters Steuer zu setzen, das kommt aber für die wenigsten in Frage. "Der Führerschein ist die letzte Unabhängigkeit, die Senioren haben", sagt Siegfried Nürnberger, Vorsitzender der Gebietsverkehrswacht Höchstadt.

Deshalb sei es schwierig, Senioren zu freiwilligen Fahrtrainings zu animieren, wie sie die Verkehrswacht regelmäßig veranstaltet (siehe oben). Zwölf Teilnehmer nehmen pro Training teil. Getestet wird dabei theoretisches Wissen und Praxisfahrten.

Möchte ein älteres Familienmitglied partout weiter Auto fahren, obwohl das zu gefährlich geworden ist, sollten die Angehörigen nicht davon reden, gleich den Führerschein abzugeben. Sondern animieren, etwas zu tun, etwa ein Fahrtraining zu besuchen, rät Nürnberger. Im Notfall müsse Polizei oder Führerscheinstelle eingreifen.

Oft wird nach Unfällen mit Senioren die Forderung nach einer verpflichtenden Wiederholung der Führerscheinprüfung laut. Das sei aber nicht die Lösung, meint Heike Striegel, Fahrschullehrerin in Höchstadt. Sinnvoll könnte es allerdings sein, regelmäßige Seh- und Hörtests einzuführen. Ebenso mache eine regelmäßige Wiederholung des Erste-Hilfe-Kurses Sinn - nicht nur für Senioren, sondern für alle Autofahrer.

Freiwilliges Training ohne Angst

Striegel rät außerdem allen Senioren zu Fahrtrainings. Denn die sind freiwillig, ohne Druck und der Führerschein wird keinesfalls entzogen. "Macht es doch freiwillig, damit es nicht irgendwann verpflichtend wird", betont sie. Allerdings, und dessen sind sich sowohl Striegel als auch Nürnberger bewusst: "Die, die nicht kommen, sind die, die es am nötigsten hätten." Die Angst, dass der Führerschein abgenommen wird, sei bei vielen einfach zu groß.

Wie wichtig ein solches Fahrtraining ist, weiß Rudolf Weißmann. Der Höchstadter fährt gerne Auto. Rund 5000 Kilometer kommen bei dem 71-Jährigen jährlich noch zusammen. Vor 52 Jahren hat er seinen Führerschein gemacht, war seitdem viel auf den Straßen unterwegs.

Wissen auffrischen

Obwohl Weißmann ein geübter Autofahrer ist, wollte er sein Wissen auffrischen - im vergangenen Jahr hat er bei einem Fahrtraining der Verkehrswacht teilgenommen. Nach so vielen Jahren gebe es schließlich "Dinge, die man nicht mehr auf dem Schirm hat", sagt er. Beispielsweise, dass in einer 30er-Zone Rechts-vor-Links gelte.

Im Praxisteil haben die Teilnehmer Slalomfahren, Einparken und Vollbremsung geübt. "Das war sehr ungewohnt für alle", sagt Weißmann. Außerdem stand eine Fahrt durch die Straßen der Region an. Weißmann betont jedoch: Andere Autofahrer sollten tolerant sein und sich bewusst machen, dass auch sie einmal älter werden und dann noch Auto fahren möchten.