Höchstadt a. d. Aisch
40 Jahre

Fachakademie gibt Antworten auf Kinder-Fragen

An der Höchstadter Fachakademie für Sozialpädagogik steht heute das Trainieren von Handlungskompetenz vor dem reinen Pauken von Wissen. Die Einrichtung feiert heuer Jubiläum.
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Johannes Zenk leitet seit Jahren die Fachakademie für Sozialpädagogik in Höchstadt. Foto: Andreas Dorsch
Johannes Zenk leitet seit Jahren die Fachakademie für Sozialpädagogik in Höchstadt. Foto: Andreas Dorsch
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Hat früher in einem Höchstadter Kindergarten ein Sprössling die Frage gestellt, warum der Mond immer verschieden groß ist, musste er sich von den Kindergärtnerinnen anhören, dass er das noch nicht verstehe. Heute bekommt der Fünfjährige von seinen Erzieherinnen auf diese Frage eine wissenschaftliche Erklärung, die er in seinem kindlichen Alter sogar nachvollziehen kann.

Dass Kinder heute auf solche Fragen Antworten bekommen, ist auch ein Verdienst der Fachakademie für Sozialpädagogik in Höchstadt. Hier werden Erzieherinnen ausgebildet, und das schon genau seit 40 Jahren.

In dem bald beginnenden Studienjahr feiert die Fachakademie Jubiläum. Geplant sind eine Reihe von überwiegend internen Veranstaltungen und Fachtagungen.
Auf einen Tag der offenen Tür und andere werbewirksame Events für die Öffentlichkeit habe man aber bewusst verzichtet, verrät Akademieleiter Johannes Zenk. "Wir brauchen derzeit keine Werbung", sagt er. Mit 220 Studierenden sei die Einrichtung voll ausgelastet. "Seitdem klar ist, dass Erzieherinnen gesucht werden, gibt es sogar eine Warteliste."

Für angehobene Berufslaufbahn

Ein mittlerer Bildungsabschluss oder eine so genannte Erstberufsausbildung öffnet jungen Menschen die Tür zur Fachakademie. Hier wartet ein dreijähriges Studium, das durch eine vertiefte berufliche und allgemeine Bildung auf den Eintritt in eine "angehobene Berufslaufbahn" vorbereitet. Durch Zusatzprüfungen kann auch die allgemeine oder fachgebundene Fachhochschulreife erworben werden.

Theoretisch stünden den Leuten alle Möglichkeiten offen, sagt Fachakademieleiter Zenk. Ziel sei es aber, Erzieher auszubilden. Die Berufsaussichten für die Abgänger waren nicht immer so rosig wie heute. In den 80er Jahren hatten nur 20 Prozent eine Stelle bekommen, "da war der Gang zum Arbeitsamt normal". Seid 2007 finden die Leute Stellen.

Mit einer Ausbildung an der vom Landkreis getragenen Fachakademie in Höchstadt können Kinder und Jugendliche von 0 bis 27 Jahren professionell betreut werden. In Kinderkrippen ebenso wie in speziellen Einrichtungen für ältere Jugendliche. Problematisch sieht es Johannes Zenk, dass immer noch der Großteil der Studierenden weiblich ist. Im vergangenen Studienjahr waren von den 215 Studierenden 187 Frauen.

Weil auch an den Grundschulen der überwiegende Teil der Lehrer weiblich ist, haben vor allem Kinder allein erziehender Mütter von der Kinderkrippe bis zum Ende der Grundschule häufig nur weibliche Bezugspersonen. Zenk bezeichnet es aber als äußerst schwierig, den Anteil der Männer zu erhöhen, was auch an der relativ schlechten Bezahlung der Erzieher liegen dürfte.

Aufklärung über den Regenbogen

Die Ausbildung heute umfasst an der Höchstadter Fachakademie auch Gebiete wie Chemie und Physik. "Schließlich müssen die Erzieher den Kindern erklären können, warum es beispielsweise einen Regenbogen gibt", sagt der Akademieleiter.

Bis ins Jahr 2000 war die Wissensvermittlung, die dann auch abgefragt wurde, oberstes Ziel im Lehrplan der Fachakademie. Dabei habe man sich wenig darum gekümmert, ob die Studenten mit dem Wissen auch etwas anfangen konnten. Seit 2000 stehen konkrete Situationen und Handlungen im Vordergrund. Es gelte, Situationen zu analysieren und dann zu entscheiden, was zu tun ist.

Die jungen Menschen müssen nicht mehr nur in Psychologie und Pädagogik fit sein, sondern alle Fragen von Kindern beantworten können.

Das Einzugsgebiet der Höchstadter Fachakademie geht weit über den Landkreis hinaus. Im vergangenen Jahr kamen 85 Studenten aus Erlangen-Höchstadt, 44 aus dem Kreis Neustadt, 39 aus Forchheim, 15 aus Bamberg und 17 aus Erlangen.

Wegen des damals akuten Mangels an Erziehern beschloss der Kreistag 1973 die Gründung der Fachakademie in Höchstadt. In dem inzwischen längst abgerissenen Berufsschulgebäude in der Kerschensteiner Straße wurde der Betrieb aufgenommen. Als diese Räume nicht mehr reichten, bezog die Fachakademie Ausweichquartiere in den Autobahn-Baracken und sogar in Privathäusern.

1975 siedelte die Akademie in das von Grund auf renovierte Finanzamtsgebäude am Marktplatz um, dem heutigen Rathaus. 1989 ging es in ein kreiseigenes Haus in der Kerschensteiner Straße, ehe 1996 der Neubau bezogen wurde.
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