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Höchstadt a. d. Aisch
Bildung

Es läuft anders, aber es läuft: Schule in Corona-Zeiten

Grundreinigung, Renovierungen, Aufräumen, Aussortieren. In den Schulen läuft trotz der Schließung so einiges. Und auch der Unterricht geht weiter.
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Ein trauriger Anblick: das leere Klassenzimmer der 3b der Anton-Wölker-Grundschule.  Fotos: Schulen
Ein trauriger Anblick: das leere Klassenzimmer der 3b der Anton-Wölker-Grundschule. Fotos: Schulen
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Es wird gehämmert und gewerkelt, Putzmannschaften machen sich über jeden noch so kleinen Fleck her. Trotzdem ist es merkwürdig still. Kein Stühlerücken, Stimmengewirr, Kindergeschrei. Über die Schulen scheint eine Glocke gestülpt. Die Schließung vor mehr als zwei Wochen brach relativ unvorbereitet über Lehrer, Schüler und Eltern herein. Inzwischen jedoch scheint sich alles etwas eingespielt zu haben.

Schließung aus den Medien erfahren

"Am Anfang hätte ich mir eine schnellere Reaktion des Ministeriums gewünscht", sagt Andreas Marquardt, stellvertretender Schulleiter der Höchstadter Realschule. Es sei schade, wenn die Schulen so gravierende Informationen aus den Medien schneller erhalten als über die offiziellen Kanäle. Inzwischen gebe es jedoch täglich Kontakt mit München, so dass man immer auf dem aktuellen Stand sei.

Digitalisierung wird zum Muss

Aber nicht nur das läuft inzwischen gut: Innerhäuslich tauscht sich die Belegschaft über Videokonferenzen aus, Sekretariat und Direktorat sind immer besetzt sowie natürlich die Notbetreuung - wie übrigens in allen anderen Schulen auch. Ansonsten arbeiten die Lehrer vorwiegend von zu Hause. "Natürlich ist immer mal jemand da, um etwas vorzubereiten oder zu kopieren. Aber es dürfen ja gar nicht alle anwesend sein", so Marquardt.

Im Kontakt mit den Schülern sind aber alle - besonders intensiv natürlich die Lehrer der Abschlussklassen. "Wenn in den niedrigeren Stufen nicht ganz so viel läuft, dann lässt sich das wieder aufholen. Aber für die Großen ist das jetzt eine ganz intensive Zeit der Vorbereitung." Und zwar trotz Corona. Die Prüfungen wurden schließlich nur verschoben, nicht abgesagt.

Schüler sollen keine Nachteile haben

"Das ist unser Stand und mit dem planen wir", sagt auch Roland Deinzer. Der Chef des Höchstadter Gymnasiums möchte ein geordnetes Abitur ohne Nachteile für die Schüler. "Und wenn es Aufgabenstellungen gibt, die die Schüler aufgrund der Situation gar nicht bewältigen können, dann werden wir auch dafür Wege finden."

Ihre Wege zu den Schülern haben die Lehrkräfte inzwischen auch gefunden: Sei es über E-Mails, WhatsApp, ganz analoge, liebevoll gepackte Wundertüten, Mebis (das digitale Portal des Kultusministeriums) oder andere Plattformen. "Das kommt auch auf die Jahrgangsstufe an, die unterrichtet wird", erklärt Herlinde Jäkel, Konrektorin der Don-Bosco-Schule. "Es ist spannend zu sehen, was sich die Kollegen alles ausdenken - da tritt sehr viel Kreativität und Engagement zu Tage."

Live-Chats, Erklärvideos mit Praxisbeispielen, Arbeitsblätter, Kisten mit Anschauungsmaterial, Pflicht- und Küraufgaben, Anregungen für Musik und Sport - je nach Schulart und Klassenstufe probieren die Lehrer die unterschiedlichsten Modelle aus. Mehrarbeit inklusive, schließlich muss manchen hinterher telefoniert werden oder Dinge doppelt und dreifach erklärt, anstatt einmal an der Tafel, berichten die Schulleiter. Aber es seien alle mit viel Einsatzbereitschaft dabei - auch die Schüler. "Das ist wie immer: manche machen von sich aus, andere muss man antreiben", meint Marquardt.

Rosi Wagner, Rektorin der Anton-Wölker-Grundschule, plädiert außerdem dafür, die Zeit auch als Chance zu begreifen. "Gerade bei den Kleinen sollte man nicht so viel Druck machen. Zusammensein, Geduld, sich gegenseitig stützen - das sind Werte, die jetzt intensiv gelebt werden können." Wegen schulischer Dinge sollte es in den Familien möglichst nicht zu Konflikten kommen, meint sie.

Eigene Plattform für die Schulfamilie

Besonders innovativ kommt die Ritter-von-Spix-Schule daher. "Wir treiben die digitale Weiterentwicklung jetzt schneller voran", erklärt Rektor Michael Ulbrich stolz. Mit Edupage hat die Schule schon länger eine digitale Kommunikationsplattform. Nun wurde fieberhaft daran gearbeitet, dass alle Lehrer, Schüler und Eltern einen Account erhalten. "Das erfordert einiges an Einarbeitungszeit. Aber wenn es mal läuft, ist das super." Konferenzen, Planung, Unterricht - alles ist über dieses Modul möglich. "Das wollten wir ohnehin ausbauen. Jetzt haben wir das eben vorgezogen."

Alles bestens?

Die Kommunikation stimmt also, die Vorbereitung auf Prüfungen laufen und durch eine abgespeckt Version sind auch die Übertrittszeugnisse der Grundschüler gesichert. Nebenbei werden die Schulhäuser auf Vordermann gebracht. Also alles bestens?

Nicht ganz. Was vor allem Michael Ulbrich ärgert, ist die Ignoranz, mit der die Politik anfangs agiert habe. "Es ging nur um den Übertritt und ums Abitur." Von den jungen Leuten, die auf Mittlere Reife oder Quali zugehen, sei keine Rede gewesen. "Dabei haben alleine wir 150 Abschlussschüler. Unser Prüfungszeitraum geht normalerweise von vor Fasching bis Ende Juli. Wir haben ein Riesenproblem!" Vor allem praktische und Projektprüfungen bergen einen hohen Organisationsaufwand. "Es hat lange gedauert, bis bemerkt wurde, dass es neben dem Abi noch was gibt."

Gestaffelt wieder beginnen

Seine Idee: Sollte der Schulbetrieb nach den Osterferien wieder anlaufen, dann zunächst mit den Prüfungsklassen. So könne man sich auf diese Schüler konzentrieren, durch den vielen Platz trotzdem auf Abstand bleiben und müsste nicht den kompletten Ablauf auf einmal wieder hochfahren. "Das Ministerium sollte es in die Verantwortung der Schulen legen, das zu organisieren." Dann, so der Mittelschulleiter, sei alles noch irgendwie hinzukriegen.