Herzogenaurach
Leserbrief

Es ist noch nicht zu spät, den Rathausbau hinter dem Schloss zu stoppen

Zur Diskussion über den Rathaus-Neubau in Herzogenaurach erreichte uns folgende Lesermeinung: Der geplante Neubau des Rathauses in Herzogenaurach bewegt die Bürger der Stadt und löst vielfache Diskuss...
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Zur Diskussion über den Rathaus-Neubau in Herzogenaurach erreichte uns folgende Lesermeinung: Der geplante Neubau des Rathauses in Herzogenaurach bewegt die Bürger der Stadt und löst vielfache Diskussionen aus.

Dabei wird immer mehr deutlich, dass sich eine Mehrheit wünschen würde, den Platz hinter dem Schloss als Park zu gestalten.

Insbesondere deshalb, da nun durchaus interessante, geschichtlich bedeutsame und optisch ansprechende Ausgrabungen ein gestalterisches Highlight dieser Anlage werden könnten. Nach den jetzigen Planungen sollen die Fundamente des alten Bergfrieds nicht nur unter Beton verschwinden, sondern vollständig entfernt werden. Dies stellt einen Akt der Geschichtsvergessenheit dar. Die Fehler der vergangenen Abrissorgien sollten nicht wiederholt werden. Die Stadt ist ansonsten ja zu Recht besonders stolz auf ihre erhaltenen mittelalterlichen Bauwerke.

Der Bauteil des bisherigen Rathauses aus den 60er Jahren stellte sicherlich keine städtebauliche Glanztat dar und ist zu Recht abgerissen worden. Der geplante Neubau entspricht mit seiner glanzlosen Brutalität und architektonischen Einfalt noch weniger einer mittelalterlichen Innenstadt, die ansonsten das Ausstellungsstück der Stadt sein sollte.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Rathausneubaus sind die exorbitanten Baukosten. Es kursieren Kostenschätzungen in Höhe von 60 Millionen Euro, wobei schon bei den ersten Ausschreibungen laut Presse entweder überhaupt keine Angebote oder solche mit massiven Kostenüberschreitungen eingegangen sein sollen. Unkalkulierbare Kostensteigerungen und erwartbar rückläufige Steuereinnahmen sind zwei apokalyptische Reiter für eine solide Finanzpolitik.

Als Hauptargument für die derzeitige Planung wird vorgetragen, ein Rathaus gehöre in die Mitte der Stadt, angemessen der Bedeutung ihres Bürgermeisters und ihrer Räte. Außerdem belebe ein Rathaus die Innenstadt. Was spricht eigentlich dagegen, die Ämter mit Publikumsverkehr wie das Bürgerbüro, das Fundbüro, das Tourismusbüro, das Standesamt oder die Bibliothek im Alten Schloss unterzubringen und die rein verwaltungstechnischen Ämter in ein Verwaltungsgebäude auszugliedern? Ob das nun das Pumagebäude oder ein anderswo zu errichtender Verwaltungsbau wäre, ist für die Repräsentation der Stadt unerheblich. Wie gute, moderne Industrie- oder Büroarchitektur ausschauen kann, ist bei unseren großen Firmen in nächster Nähe zu sehen.

Schließlich wird in Zukunft mit zunehmender Digitalisierung der persönliche Gang zum Rathaus immer seltener nötig werden und werden die meisten Verwaltungsangelegenheiten zwischen Bürgern und Stadt online zu erledigen sein, wie kürzlich bei einer Änderung der Hundesteuer: O-Ton Steueramt: "Schicken Sie uns doch eine Mail."

Ein weiteres Argument gegen die Umplanung wird sein, es sei zu spät, um noch etwas zu ändern. Das ist das Hauptargument aller Bürokratien gegenüber Änderungsvorschlägen und wird deshalb nicht richtiger. Wenn der politische Wille dem der Bevölkerungsmehrheit folgt, lässt sich alles ändern. Wenn Bürgermeister und Räte fürchten, nicht wieder gewählt zu werden, dann lässt sich alles ändern. Fragen Sie also Ihnen bekannte Stadträte, wie sie zum Rathausneubau stehen und machen Sie Ihre Wahlentscheidung bei den kommenden Kommunalwahlen von der Antwort abhängig.

Stellen Sie sich zum Abschluss nun noch einmal einen schön gestalteten Innenstadtpark mit originell präsentierten Ausgrabungen vor. Dazu eine Hochzeit mit Gästen im Park oder ein Musikereignis mit dem Schloss als Kulisse, ein Vereinsfest oder eine kirchliche Veranstaltung. Würden Sie nicht gerne mitfeiern ?

Heinrich Bucher, Leo Hildel

91074 Herzogenaurach

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