Mühlhausen
Tag der offenen Tür

"Es gibt noch einige Geheimnisse"

Der Verein "Forum Alte Synagoge" präsentierte das Gebäude in Mühlhausen jetzt der Öffentlichkeit. Wie es künftig genutzt wird, ist noch unklar.
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Christian Plätzer (Mitte) im Gespräch mit Besuchern. Rechts Rudi Schmidt, Vorsitzender des Heimatvereins Reicher Ebrachgrund.  Foto: Evi Seeger
Christian Plätzer (Mitte) im Gespräch mit Besuchern. Rechts Rudi Schmidt, Vorsitzender des Heimatvereins Reicher Ebrachgrund. Foto: Evi Seeger
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Es war genau der 81. Jahrestag: Am Morgen nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 wurde die Synagoge in Mühlhausen ein Opfer der Nazi-Schergen. Von Forchheim kommend, drangen SA-Leute in die Synagoge ein und verwüsteten sie. Die Einrichtung trugen sie auf den Marktplatz und machten damit "ein großes Feuer". Die Synagoge selbst blieb erhalten. Vermutlich weil eine Brandschatzung wegen der dichten Bebauung zu gefährlich gewesen wäre.

Was Christian Plätzer , Vorsitzender des Vereins "Forum Alte Synagoge", berichtet, ist belegt. Jetzt hat der Verein das jüdische Gotteshaus erworben. Ein Lern- und Erinnerungsort, eine Begegnungsstätte mit einem kleinen Museum und Archiv zur Geschichte der jüdischen Landgemeinden soll darin entstehen. Das hat sich der Verein zur Aufgabe gemacht.

Zahl der Mitglieder steigt

Mit dem Kauf ist das erste Ziel des Vereins, das ehemalige Gebets- und Schulhaus noch in diesem Jahr in Eigentum zu nehmen, erreicht. Am 17. Oktober sei der Vertrag unterzeichnet worden, berichtet Irina Gerschmann, die zusammen mit Christian Plätzer den Verein leitet. Der Kaufpreis sei über Spenden, vor allem aber durch Privatdarlehen der Vereinsmitglieder aufgebracht worden, so Gerschmann. Rund 50 Mitglieder zählte der junge Verein bislang. "Ab heute sind es etliche mehr", sagten Gerschmann und Plätzer wie aus einem Munde.

Am Sonntag, dem Jahrestag der Schändung, öffneten sie mit einem "Tag der offenen Tür" die Synagoge für die Öffentlichkeit. Bislang hatte das Denkmal ein Schattendasein geführt und wurde als Lagerhalle genutzt. Die Besucher - ortsansässige und Geschichtsinteressierte aus der ganzen Umgebung - kamen in Scharen.

Christian Plätzer musste den ganzen Tag über Fragen beantworten, erklären, aufzeigen. Beeindruckt waren die Besucher von der gut erhaltenen Stuckdecke und den Malereien. Auch der einstige Schulraum und das Obergeschoss, in dem sich die ehemalige Rabbiner- und Lehrerwohnung befand, waren zugänglich.

Bau wird gründlich untersucht

Von 1755 bis 1756 war die Synagoge in nur einjähriger Bauzeit errichtet worden. Die jüdische Gemeinde von Mühlhausen hatte einen Höchstadter Maurermeister mit der Ausführung beauftragt. Als Maßgabe war ihm vorgegeben, dass sie größer und schöner werden müsse als die Synagoge von Baiersdorf. Am Ende seien die Auftraggeber wohl nicht ganz zufrieden gewesen. Denn es habe einen Prozess gegeben, weiß Georg Leyh. Der Architekt aus Höchstadt ist nicht nur Vereinsmitglied, er unterstützt den Verein auch bei vielen Fachfragen. Der nächste Schritt werde eine gründliche Bauuntersuchung sein, so Leyh. Neben Denkmalpflegern und Restauratoren werde auch die Uni Bamberg mit Studenten und Dozenten dabei sein.

Als nächste Schritte müsse ein Finanzierungskonzept und ein detailliertes Nutzungskonzept entwickelt werden, sagt Plätzer. Das kann noch spannend werden. Denn vieles liegt noch im Dunkel der Geschichte. So müsse der für die Lagernutzung eingebaute Fußboden entfernt werden. Niemand weiß, was dabei zutage kommt. Plätzer ist sich sicher: "Es gibt noch einige Geheimnisse!"

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