LKR Erlangen-Höchstadt
Bildung

Erneuerung außen und innen

Die Leiter der Gymnasien im Landkreis Erlangen-Höchstadt begrüßen die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. Das G8 beurteilen sie jedoch unterschiedlich.
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Symbolisch passend zur Schulreform: Die Erneuerung des Schulhauses des Höchstadter Gymnasiums ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber schon deutlich zu sehen. Foto: Karina Brock
Symbolisch passend zur Schulreform: Die Erneuerung des Schulhauses des Höchstadter Gymnasiums ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber schon deutlich zu sehen. Foto: Karina Brock
Bernd Lohneiß hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er ein Verfechter des neunjährigen Gymnasiums ist. "Für viele - nicht alle - Schüler war der Druck im G8 zu groß." Der Direktor des Höchstadter Gymnasiums freut sich deshalb, dass das G9 zurückkehrt, wenn auch mit neuen Rahmenbedingungen.

Alleine die Planung sei völlig anders gelaufen als bei der G8-Einführung vor rund 14 Jahren. "Es alles besser geplant, es wurde nicht der gleiche Fehler gemacht", so Lohneiß. Sämtliche Gremien und Verbände - von Lehrern über Eltern bis zu den Schülern - wurden mit ins Boot geholt. "Und auch wirklich gehört", betont Norbert Schell, Schulleiter am Herzogenauracher Gymnasium. Natürlich seien nicht sämtliche Wünsche erfüllt worden - aber es gebe eine zufriedenstellende Lösung.


Kein aufgewärmtes altes System

Beiden Schulleitern ist wichtig, dass es sich bei der Wiedereinführung nicht um ein aufgewärmtes "altes G9" handelt. "Das wäre auch nicht sinnvoll. Man muss auf Entwicklungen reagieren", findet Schell. Darum werden neue Schwerpunkte gesetzt. Zum Beispiel ist in der 9. Jahrgangsstufe ein Modul zur beruflichen Orientierung geplant, die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) werden gestärkt - Informatik ist künftig ein Pflichtfach - und Sozialkunde wird zum Fach "Politische Bildung" umgestaltet. Norbert Schell: "In der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je, das Demokratiebewusstsein zu stärken."


Intensivierungsstunden bleiben

Aus dem G8 übernommen werden unter anderem die Intensivierungsstunden, in denen bereits Gelerntes vertieft werden kann. Trotzdem soll künftig wieder mehr Zeit sein für außerschulische Aktivitäten sowie für Neigungsgruppen wie Sport, Theater, Orchester oder Chor. Wobei Schell hier betont, dass diese in Herzogenaurach auch während des G8 immer gut besucht waren.
Schell hätte auch mit dem G8 leben können. Zumal bei ihm an der Schule die Resonanz auf das Flexijahr (siehe Kasten) überschaubar gewesen sei.

Trotzdem heißt er die Rückkehr zum G9 gut. Es gebe durchaus Schüler, die mit 17 ein Studium beginnen können. "Vom Intellekt her auf jeden Fall. Überzogen sage ich immer: Aber mancher verhungert dann, weil er die Mensa nicht findet." Will heißen: Ein Jahr mehr Schonraum, mehr Festigung, mehr Reife mache für die meisten schon Sinn. Alle anderen könnten sich ja für die Überholspur entscheiden.


"Mittelstufe Plus" wird gut angenommen

Was die Entscheidung für ein zusätzliches Jahr angeht, hat Bernd Lohneiß ganz andere Erfahrungen gemacht. Das Pilotprojekt "Mittelstufe Plus", das seit drei Jahren in Höchstadt läuft, sei sehr gut angenommen worden. Auch damit war es wieder möglich, sich neun Jahre Zeit bis zum Abitur zu nehmen. "Mir hat das jedenfalls gezeigt, dass Eltern und Schüler lieber das G9 wollen", so der Höchstadter Schulleiter.

Bis der letzte G8-Jahrgang Abitur gemacht hat, laufen nun alle Systeme parallel: G8 - mit und ohne Mittelstufe plus - sowie das neue G9. "Das wird mit jedem Jahr komplizierter, weil man jedem Schüler das ermöglichen muss, was er wählt. Auch wenn man am Ende nur noch eine Handvoll G8-Abiturienten hat", erklärt Lohneiß.


Überholspur nur Politikum?

Die geplante Überholspur hält Lohneiß übrigens vor allem für eines: "Ein Politikum. Um sich den G8-Fehler nicht eingestehen zu müssen. Und wir müssen es ausbaden." Denn wie dieser schnellere Weg zum Abitur umgesetzt werden soll, bleibe bei aller Planung noch sehr vage.

Selbstverständlich bedeutet die erneute Änderung wieder einiges an Arbeit für die Schulen. "Aber es ist alles machbar", meint Lohneiß. Zumal es wesentlich besser gelaufen sei, als die G8-Einführung.
Auch Schell ist entspannt: "Wir sind gewohnt, dass die politische Verantwortung etwas festlegt, was wir dann umsetzen müssen", meint er augenzwinkernd. Doch er glaubt auch, dass es diesmal leichter wird, weil man am Entstehungsprozess "stark beteiligt" gewesen sei.



Die verschiedenen Möglichkeiten im G8 und im neuen G 9


Flexijahr: Das Flexibilisierungsjahr ermöglichte es im G8, durch zeitliche Entlastung zusätzliche Förderangebote anzunehmen. Dabei standen zwei Varianten zur Auswahl: 1. Am Ende eines Schuljahres entscheidet sich der Schüler, die bestandene Jahrgangsstufe 8, 9 oder 10 in modifizierter Form zu wiederholen. 2. Am Ende des Schuljahres entscheidet sich der Schüler vorausblickend, die Jahrgangsstufe 8 oder 9 in zwei Jahren zu absolvieren.

Mittelstufe Plus: Sie bietet den G8-Schülern ein Jahr zusätzliche Lernzeit. Kernfächer werden besonders gefördert, der Stoff von drei auf vier Jahre gedehnt und die Inhalte intensiver behandelt. Außerdem gibt es weniger Fächer pro Schuljahr, was weniger Wochenstunden bedeutet und nur einmal verpflichtend Nachmittagsunterricht.

Der G9-Plan: Die aktuellen 5.-Klässler werden im kommenden Schuljahr bereits in das neue G9 überführt. Die Stunden werden dazu neu verteilt. Die jetzige 6. Klasse ist damit der letzte G8-Jahrgang.

Überholspur: Für Schüler, die das wünschen und die geeignet sind, gibt es künftig die Möglichkeit, die 11. Klasse zu überspringen, um trotzdem innerhalb von acht Jahren zum Abitur zu kommen. Nach Möglichkeit soll die Entscheidung dafür schon am Ende des 8. Schuljahres fallen, damit die Schüler in der 9. und 10. Klasse mit zusätzlichen Fördermodulen gezielt vorbereitet werden können. Trotzdem soll es möglich sein, sich auch noch in der 10. Klasse für ein Überspringen zu entscheiden - oder dagegen, selbst wenn man die Fördermodule bereits in Anspruch genommen hat.
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