Erlangen
Jungfernfahrt

Erlanger Römerboot sticht in See

Ein Römerboot, das die Uni Erlangen nachgebaut hat, hat seinen ersten Test bestanden.
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Ein Treffen von Altertum und Moderne: Hochhäuser wie hier am Europakanal als Kulisse für eine Bootsfahrt hat es zur Zeit der Römer wohl eher nicht gegeben. Foto: Pascale Ferry
Ein Treffen von Altertum und Moderne: Hochhäuser wie hier am Europakanal als Kulisse für eine Bootsfahrt hat es zur Zeit der Römer wohl eher nicht gegeben. Foto: Pascale Ferry
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Erlangens neues Wahrzeichen, das römische Patrouillenboot, ist am Samstag im Erlanger Hafen offiziell auf den Namen "Fridericiana Alexandrina (Navis)" - kurz FAN - getauft worden. Der Publikumsandrang war so groß, dass es beinahe zu einem Verkehrschaos in Erlangen-Büchenbach kam. Was ist so besonders an dem knapp 16 Meter langen und etwa drei Meter breiten Ruderboot mit Planken aus Kiefern, einem Kiel aus Eiche und einem Mast aus Fichte, das im April nach einjähriger Bauzeit fertiggestellt wurde?

In den 1980er Jahren wurden in Oberstimm bei Manching die Wracks zweier römischer Militärschiffe aus der Zeit von Kaiser Domitian oder Trajan entdeckt. Sie eigneten sich hervorragend für Kundschafterdienste, Mannschaftstransporte oder als Kurierschiff. 18 bis 20 Ruderer, Rudergänger und Offizier hatten mit ihrer Rüstung und Verpflegung Platz. Vor knapp zweitausend Jahren versunken, sind die Schiffe heutzutage begehrte, fakultätsübergreifende Studienobjekte.

Altertumswissenschaftler, Sportwissenschaftler, Strömungsmechaniker und Informatiker der Friedrich-Alexander Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg, Bootsbauer aus Usedom, Freiwillige und Schulklassen ließen "Wrack II" wiederauferstehen. "Wrack I" wurde bereits von der Universität Hamburg nachgebaut. Ein Kölner Spezialist für antike Bemalung gab dem Schiff seinen Anstrich. Lokale und bayrische Rudervereine begleiteten die praktischen Tests, bei denen sich spannende Fragen stellten: Wie groß muss das Segel sein, wie lang die Ruder? Denn nur der Rumpf beider Wracks ist erhalten.


Begeistertes Publikum

"Das Wetter spricht Bände.", so FAU-Präsident Joachim Hornegger in seiner Begrüßungsansprache. Es sei sowohl beim Markt des Wissens am 5. Mai als auch nun bei der Schiffstaufe hervorragend. Oberbürgermeister Florian Janik (SPD): "Wo das Boot auftaucht, begeistert es das Publikum. Es ist ein Stück Handarbeit, Wissenschaft und Geschichte." Zusammen mit dem Projektleiter Prof. Boris Dreyer und den Sponsoren wurde das Patrouillenboot von Mirena Beck mit einem Schlückchen Sekt getauft.

Unter den Kommandos von Dreyer ruderten ein Sparkassenteam, Hornegger und Janik die Sponsoren einige Runden durch den Hafen, begleitet von DLRG-Booten. Hornegger zeigte sich nach der Fahrt überrascht von der Wendigkeit des Bootes und gestand, dass das Rudern auf Dauer doch anstrengend sei.
Am Nachmittag brach das Römerboot nach Fürth zu einer Dreistädtetour Erlangen-Fürth-Nürnberg auf, begleitet von Ruderern sogar aus Erlangens Partnerstadt Rennes.


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