Uehlfeld

Erlangen-Höchstadt: Das Rätsel um den Fäkalienregen in Uehlfeld

Unappetitliche Kotspritzer in Uehlfelder Gärten: Der Verdacht fällt zunächst auf den Inhalt von Flugzeugtoiletten - doch der Übeltäter kommt aus der Natur.
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Ein Flugzeug? Ein defekter Güllelaster? Das Rätsel um die Fäkalienspritzer in Uehlfeld ist gelöst. Der Übeltäter kommt aus dem Tierreich. Symbolbild: Henrik Larsson/Fotolia.com
Ein Flugzeug? Ein defekter Güllelaster? Das Rätsel um die Fäkalienspritzer in Uehlfeld ist gelöst. Der Übeltäter kommt aus dem Tierreich. Symbolbild: Henrik Larsson/Fotolia.com
Unappetitlich ist wohl noch untertrieben: Wer ohne bösen Gedanken an einem Sonntag auf seine Terrasse tritt und sein ganzes Grundstück mit vermeintlichen Kotspritzern "geschmückt" sieht, würde wohl zu ganz anderen Ausdrücken greifen. So geschehen ist das bereits im Juli in Schornweisach in der Gemeinde Uehlfeld. Schlechter Scherz der Nachbarskinder oder böswillige Attacke von Nebenbuhlern? Der 40-jährige Grundstücksbesitzer alarmierte die Polizei.


Unerfreuliche Luftpost

Schnell lag die Vermutung nahe, das Übel sei von oben gekommen. Die Verteilung der vermeintlichen Fäkalienspritzer ließ darauf schließen, dass sie aus großer Höhe gekommen seien, so der Bericht der Polizei Neustadt im Juli.Hat sich ein Flugzeug, vielleicht auf dem Landeanflug auf den Flughafen Nürnberg, noch schnell eines besonderen Teils seiner Fracht entledigt? Luftpost aus der Flugzeugtoilette?

So einfach ist es wohl nicht: "Flugzeuge verfügen über keine Einrichtung, um Fäkalien abzulassen", heißt es auf Nachfrage beim Luftamt Mittelfranken. "Es ist sehr abwegig zu denken, dass ein Flugzeug dafür verantwortlich wäre." Mitte der 90er hätte es noch einige Flugzeug-Modelle gegeben, bei denen an einer undichten Stelle Flüssigkeit aus dem geschlossenen Toilettensystem nach außen dringen konnte und dann als Eisblock zu Boden fiel. Doch selbst in diesem Fall würde meist nur Nebel an der Erdoberfläche ankommen. Von diesen Flugzeugen sei heute aber keines mehr in Betrieb.

Nach dem dritten derartigen Vorfall innerhalb von vier Wochenwurde die Flugzeug- Theorie auch im Rahmen der Ermittlungen der Polizei immer unwahrscheinlicher, zumal bis dato nur zwei Grundstücke betroffen waren. Dagegen sprach außerdem, dass sich bei der Verwaltungsgemeinschaft Uehlfeld noch ein weiterer Bürger gemeldet hatte, wie Bürgermeister Werner Stöcker (CSU) berichtete.

Doch dieser Anwohner stammt nicht etwa aus Schornweisach, sondern aus Breitenlohe, Ortsteil des Marktes Burghaslach. Zwischen den beiden Orten liegen immerhin etwas mehr als sieben Kilometer. Eine Begehung des "Tatorts" war leider nicht möglich, die Opfer der "Attacke" wollten lieber nicht an die Öffentlichkeit. Wie Stöcker berichtete, gab es auch in Breitenlohe Flecken quer über das Grundstück verteilt. Weiße Flecken seien übriggeblieben, die sich nicht entfernen lassen. Doch wenn es kein Flugzeug war, was war es dann? Ein Güllefass mit beachtlichem Verbreitungsradius?


Gülle als Übeltäter?

Auch diese Theorie konnte schnell ausgeschlossen werden, erklärt Siegfried Archhut von der Polizei in Neustadt. Durch die Optik und die Verteilung der Spritzer - zum Teil auf dem Dach - fiel ein defekter Güllebehälter als Ursache raus. Die Ermittlungen gingen weiter mit Befragungen im Ort: Gibt es jemanden, der es auf die Grundstückseigentümer abgesehen hat? Hat vielleicht jemand was beobachtet? Anzeichen ungewöhnlicher Phänomene?

Das ernüchternde Ergebnis: Fehlanzeige. Da auch kein nennenswerter Sachschaden entstanden ist, galt der Fall in Uehlfeld als erledigt. Doch einen Beamten ließ das Rätsel um die unappetitliche Luftpost nicht los - er recherchierte im Internet und fand prompt einen ähnlichen Fall in Thüringen. Nach Rücksprache mit den Kollegen bekam der Übeltäter nun endlich ein Gesicht, beziehungsweise einen Namen: Chironomidae, besser bekannt als Zuckmücke.

Denn auch bei der Thüringer Polizei gingen 2012 Meldungen über "Fäkalienspritzer" ein. Nach Untersuchungen des Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz konnte menschlicher und tierischer Kot ausgeschlossen werden. Stattdessen wurden in den untersuchten Proben Insekten nachgewiesen. Bestimmung der Art: nicht möglich.

Hier konnte wiederum ein noch älterer Fall aus Usedom zur Aufklärung beitragen: In Mecklenburg-Vorpommern beschäftigte sich die Polizei im Jahr 2011 mit einem Fäkalien-Rätsel, das den Fällen in Thüringen und der Gemeinde Uehlfeld gleicht.


LKA ermittelt

Dort wurde das Landeskriminalamt (LKA) auf das Phänomen angesetzt. Die Verunreinigungen, die auf der Insel festgestellt werden konnten, wurden durch die Zuckmücke verursacht. Diese tritt in großen Schwärmen auf und ist nicht zum ersten Mal in die Schlagzeilen geraten. Anderorts haben Zuckmückenschwärme schon Großeinsätze der Feuerwehr ausgelöst.
Schlüpfen die Insekten und tummeln sich zu Millionen in der Luft, kann man den Schwarm schnell mit Rauchschwaden verwechseln. Ein Naturphänomen, das, auch wenn dort niemand Zeuge davon geworden ist, auch das Rätsel um die "Fäkalienspritzer" in Schornweisach erklärt, so Siegfried Archut. Die Arbeit der Polizei sei abgeschlossen. "Vielleicht verfolgt ein Biologe die Geschichte noch weiter - aber das ist nicht Polizeiaufgabe."
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