Erlangen
Ernährung

Erlangen hat jetzt einen Bauernmarkt mit Onlineshop

Nina Knode und Kristin Kreitlein wollen Stadtmenschen ohne Auto mit ihrer "Marktschwärmerei" den mühsamen Weg zum nächsten Bauernhof abnehmen.
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Kristin Kreitlein (l.) und Nina Knode verteilen die bestellten Bio-Produkte im E-Werk.   Foto: Vincent Schallenberg
Kristin Kreitlein (l.) und Nina Knode verteilen die bestellten Bio-Produkte im E-Werk. Foto: Vincent Schallenberg
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Manche schwärmen für Musik. Andere schwärmen für Lebensmittel aus der Region. Wie die beiden Freundinnen Nina Knode und Kristin Kreitlein aus Erlangen. Gemeinsam haben die Gründerinnen den "Marktschwärmer-Wochenmarkt" in der Hugenottenstadt ins Leben gerufen. Der nächste Bauernmarkt im modernen Outfit findet am Dienstag, 20. November, im Kommunikationszentrum E-Werk statt.

"Für Leute, die kein Auto haben, ist der nächste Hofladen meistens einfach zu weit entfernt", sind sich Nina und Kristin sicher. Die "Marktschwärmerei" soll die Kunden in der City mit den Landwirten zusammenbringen. "Wir wollen den Erzeugern dadurch neue Käuferkreise und faire Bedingungen ermöglichen", erklären Nina und Kristin.

Das moderne Markttreiben basiert auf einer Kombination aus Onlineshop und Bauernmarkt. Im Internet können die Interessenten die Waren aus der regionalen Produktpalette im Vorfeld bestellen. Abholen können die Kunden ihren Einkauf im Kulturzentrum "E-Werk" selber. "Schwärmerei" nennen die Macherinnen den Markttag. Alle zwei Wochen findet eine "Schwärmerei" im E-Werk in Erlangen statt.

Der Clou ist dabei, dass die Erzeuger der regionalen Lebensmittel den Kunden persönlich die Warenkörbe überreichen. Der direkte Kontakt zwischen Hersteller und Verbraucher soll das Vertrauen in die regionalen Lebensmittel stärken. Immer mehr Menschen wollen schließlich wissen, was wirklich im Essen steckt. "Was liegt da näher, als die Erzeuger während des Einkaufs einfach persönlich danach zu fragen?", sind sich Nina und Kristin einig.

Kurze Entfernungen

Die Lebensmittel würden ausschließlich von bäuerlichen Erzeugern, Lebensmittel-Handwerkern und kleineren Manufakturen aus der Region stammen. Im Durchschnitt liegen zwischen dem Herstellungsort und dem Abholtreffpunkt in Erlangen nicht mehr als 27 Kilometer, versprechen die Macherinnen. Wie bei einem Wochenmarkt auf dem Marktplatz gehören Obst und Gemüse, Fleisch und Wurstwaren, Brot, Honig, Käse und Molkereiprodukte sowie ausgewählte Feinkostwaren zum Sortiment. Außerdem wollen Nina und Kristin ausschließlich Bio-Produkte anbieten.

Derzeit 14 Erzeuger dabei

Aus Hemhofen nimmt beispielsweise der Biohof Kerschbaum an der Schwärmerei teil. Aus der Hersbrucker Schweiz bringt ein Ziegenhof seine Spezialitäten mit. Aus Berg bei Neumarkt ist die Bio-Vollwert-Bäckerei "Wehr" neben derzeit 13 weiteren Erzeugern bei der Erlanger Schwärmerei dabei.

Kennengelernt haben sich Nina und Kristin während des Studiums. "Wir haben beide neben der Uni am Fraunhofer Institut im Marketing gearbeitet", erzählt Kristin. Die gemeinsame Vorliebe für Themen wie Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung habe die Freundinnen bei der späteren Jobsuche vereint. Im Internet sind sie schließlich auf die "Marktschwärmer"-Idee aufmerksam geworden.

Das Konzept der Online-Direktvermarktung kommt aus Frankreich. Dort sind unter dem Namen "Der Bienenkorb, der Ja sagt" seit dem Jahr 2011 bereits über 800 Schwärmereien entstanden. In Deutschland ging das soziale Unternehmen vor vier Jahren an den Start. Derzeit haben nach Firmenangaben schon mehr als 45 lokale Märkte in zehn Bundesländern geöffnet. Weitere 50 "Schwärmereien" sollen sich hierzulande bereits im Aufbau befinden.

Alle Schwärmereien funktionieren nach festen Spielregeln. Die Erzeuger können beispielsweise die Preise für ihre Produkte selber bestimmen. Die teilnehmenden Bauern müssen zehn Prozent an die zentrale "Marktschwärmer-Plattform" für die Abwicklung des Bestell- und Bezahlvorgangs bezahlen. Zusätzliche 8,35 Prozent des Nettoumsatzes gehen an Nina und Kristin für die Organisation der lokalen Marktschwärmerei in Erlangen. Mit über 80 Prozent soll der Großteil der Einnahmen in den Hosentaschen der Erzeuger landen.

Auswahl im Internet

Nina und Kristin hoffen, dass alle Seiten von den fairen Preisen und der Transparenz auf dem modernen Wochenmarkt profitieren werden. "Wir wollen dafür sorgen, gute Lebensmittel aus der Region direkt in die Nachbarschaft zu bringen. Die Bauern bringen wir gleich mit", freuen sich die Freundinnen. Der nächste Markttag steigt am 20. November im E-Werk in Erlangen. Die Verteilung der Lebensmittel findet von 18 bis 20 Uhr statt. Über die Internet-Plattform www.marktschwaermer.de können Kunden derzeit aus 158 regionalen Produkte auswählen.



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