Erlangen
Abschieds-Ritual

Mittelfranken: Feuerwehr-Ausbilder kollabiert bei Schaumdusche in Käfig - Urteil ist gefallen

Ehrenvoller Abschied oder traumatisches Erlebnis? Im Prozess um einen Feuerwehr-Ausbilder, der bei einem Verabschiedungs-Ritual in Erlangen kollabiert war, ist das Urteil gefallen. Der Mann war in einen Käfig gesperrt und mit Löschschaum besprüht worden.
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Als ehrenvolle Verabschiedung und Scherz ist einer der Ausbilder für knapp zehn Sekunden von vorne und hinten mit Löschschaum besprüht worden. Symbolbild: Josef Hofbauer
Als ehrenvolle Verabschiedung und Scherz ist einer der Ausbilder für knapp zehn Sekunden von vorne und hinten mit Löschschaum besprüht worden. Symbolbild: Josef Hofbauer

Um einen Ausbilder bei einer Schulung zu verabschieden, haben Feuerwehrleute ihn in einen Käfig gesperrt und mit Löschschaum besprüht:Zwei Jahre nach der Tat wurden am Mittwoch, 12. 06. 2019, einer der Beteiligten und der Ausbildungsleiter wegen gefährlicher Körperverletzung in einem minder schweren Fall beziehungsweise Anstiftung verurteilt.

Mildes Urteil nach Schaumdusche: Schadenersatz-Zahlung und Verwarnung

Die Richterin des Amtsgerichts in Erlangen sprach eine Verwarnung gegen die 29 und 56 Jahre alten Männer aus. Die Angeklagten müssen zudem Schadenersatz in Höhe von 1500 und 2500 Euro zahlen und ein Jahr straffrei bleiben. Andererseits droht ihnen eine deutliche höhere Geldstrafe.

Der Vorfall hatte sich im April 2017 während einer Schulung für Nachwuchsfeuerwehrkräfte in Erlangen ereignet. Als ehrenvolle Verabschiedung und Scherz sei einer der Ausbilder demnach für knapp zehn Sekunden von vorne und hinten mit Löschschaum besprüht worden.

"Dann lass' ich euch euren Spaß!"

Der 50-Jährige habe sich nach eigener Aussage zwar zunächst dagegen gewehrt, in den Gitterwagen gesperrt zu werden, habe dann aber gesagt: "Dann lass' ich euch euren Spaß!" Die Richterin schloss deshalb eine Freiheitsberaubung und Nötigung aus, betonte aber gleichzeitig, dass die Situation aufgrund des Gruppenzwangs für den Mann "quasi alternativlos" gewesen sei.

Während der Ausbilder mit dem Schaum besprüht wurde, war er laut eigener Aussage in Panik geraten und schluckte daher auch etwas Löschflüssigkeit. Der langjährige Feuerwehrmann erlitt Hautreizungen und eine posttraumatische Belastungsstörung. Acht Monate lang konnte er nicht arbeiten.

Neben den beiden Angeklagten waren acht weitere Feuerwehrleute an der Aktion beteiligt. Weil sie dem Opfer eine Entschädigung von jeweils 1000 Euro zahlten, wurde das Verfahren gegen sie eingestellt.

Sind Schaumduschen üblich?

Im Verlauf des Prozesses gab es rege Diskussionen darüber, wie üblich Schaumduschen und ähnliche Scherze als Verabschiedungsriten bei der Feuerwehr seien. Zeugen hatten sich unterschiedlich dazu geäußert. An das Publikum, in dem sich auch viele Kollegen der Verurteilten befanden, gewannt, betonte die Richterin: "Nur weil es ein Ritual gibt, befreit das nicht von Schuldbarkeit."

In Unterfranken ist es zu einem Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst gekommen, nachdem ein 12-Jähriger seinen Hund vom Dach retten wollte - und dann selbst gerettet werden musste.

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