Höchstadt a. d. Aisch
Aufschub

Eisstadion geht in die Verlängerung

Der Höchstadter Stadtrat vertagt die Entscheidung, ob die 41 Jahre alte Sportstätte saniert oder gleich erneuert werden soll.
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Die massive, unnachgiebige hölzerne Bande im Höchstadter Eisstadion wird auf jeden Fall nach dieser Saison erneuert. Foto: Andreas Dorsch
Die massive, unnachgiebige hölzerne Bande im Höchstadter Eisstadion wird auf jeden Fall nach dieser Saison erneuert. Foto: Andreas Dorsch

Seit 41 Jahren ist Höchstadt eine Eissportstadt und die will es auch in den nächsten Jahrzehnten bleiben. Dass dafür investiert werden muss, darüber waren sich in der Stadtratssitzung am Montagabend alle einig. Was aber mit dem inzwischen 41 Jahre alten Eisstadion passieren soll, ist noch offen. Nach ausführlicher und teilweise recht kontrovers geführter Diskussion vertagten die Räte die Entscheidung darüber, ob das alte Stadion am Kieferndorfer Weg für 9,5 Millionen Euro saniert oder durch einen auf 13,6 Millionen Euro kalkulierten Neubau ersetzt werden soll.

Einig war man sich aber quer durch alle Fraktionen, die Bande im Eisstadion nach der aktuellen Saison auszutauschen. Dieser auf 300 000 Euro veranschlagte Bauabschnitt sei notwendig, egal ob Sanierung oder Neubau kommt. Die an der alten Eisfläche installierte neue Bande könnte später problemlos auch in eine neue Eishalle umziehen.

Schutz vor Verletzungen

Klaus Meyer, geschäftsführender Gesellschafter des Ingenieurbüros Möller und Meyer in Gotha, präsentierte den Stadträten die Sanierungs- und Neubaupläne. Dringend notwendig ist für ihn als erster Schritt die Erneuerung der massiven Holzbande. Die nicht nachgebende Konstruktion, die so alt ist wie die Halle, muss durch eine elastische Bande ersetzt werden, um Eishockeyspieler vor schweren Verletzungen zu schützen.

Meyers Büro plant und baut seit 20 Jahren Eishallen und Schwimmbäder, darunter in den vergangenen Jahren auch neue Eisstadien in Bietigheim-Bissingen, Ilmenau, Kaufbeuren und das Eis- und Schwimmstadion Köln. Das Stadion in Höchstadt haben Meyers Experten genau unter die Lupe genommen und einen Sanierungsplan erstellt.

Demnach sind in Höchstadt die Halle und die Technik über 40 Jahre alt. Die Tore erfüllen den Brandschutz nicht mehr, die über das Dach verlegten Ammoniakleitungen sind nicht mehr zulässig. Das Dach muss erneuert und die alten Leimbinder sollten durch eine Stahlkonstruktion ersetzt werden. Auch eine neue Beleuchtung der Halle ist nötig. Eispiste und Kältetechnik sind ebenfalls schon 40 Jahre alt. Eine Betriebsgenehmigung vom TÜV hat man vorerst nur bis 2020.

Falls sich der Stadtrat für eine Sanierung entscheidet, schlägt Meyer einzelne Bauabschnitte vor, die sich bis 2023 hinziehen würden. Die Kosten für all die Maßnahmen, einschließlich einiger baulichen Verbesserungen, veranschlagt Meyer auf 9,5 Millionen Euro.

Als Alternative sieht er den Neubau einer Eishalle für 1800 Zuschauer auf städtischem Grund nebenan. Den veranschlagt das Ingenieurbüro auf 13,6 Millionen Euro. Der Betrieb in der alten Halle könnte dabei bis zur Fertigstellung des Neubaus weiterlaufen.

Sanierung nur scheibchenweise

Vom FT nach seiner persönlichen Einschätzung gefragt, sagte Meyer, "die Halle ist marode, Bausubstanz und Technik sind hin". Zudem laufe die Technik aus dem Jahr 1977 total unwirtschaftlich. Trotzdem wäre die Halle für den Experten zu sanieren. Allerdings nur scheibchenweise von jeweils Mitte April bis Mitte September, wenn kein Eisbetrieb herrscht.

Begonnen werden müsste dabei mit dem Dach, dann käme die Kältetechnik und in einem weiteren Abschnitt erst die Eispiste selbst. Laut Meyer würde aber ein Neubau mehr Sinn machen als eine Sanierung. Zudem berge diese Kostenrisiken, die bei 10 bis 20 Prozent liegen.

Mit einer Minimal-Sanierung, deren Kosten SPD-Sprecher Andreas Hänjes wissen wollte, käme man laut Meyer "nicht unter sechs Millionen weg, hätte dann aber nur eine halbe Lösung".

Vor diesem Hintergrund gebe es für Bürgermeister Gerald Brehm (JL) nur die Lösung Neubau. Er möchte keine 9,5 Millionen Euro auf die alte Halle und die alten Betonstützen setzen, von denen man nicht wisse, wie lange sie noch halten. Bei nur vier Millionen Differenz zum Neubau sei für ihn die Entscheidung klar. Selbst bei 15 Millionen Kosten und wenn man sich nicht in anderen Bereichen einschränken will, könne es sich die Stadt leisten, das Eisstadion bei null Zinsen über 30 Jahre abzuschreiben.

Die Junge Liste sei dafür, dass sich Höchstadt weiterhin ein Eisstadion leistet, erklärte Sprecher Michael Ulbrich. Und dabei plädiere man einstimmig für einen Neubau.

CSU-Sprecher Alexander Schulz warf die Frage auf, ob sich die Stadt die vier Millionen Mehrkosten für den Neubau leisten könne, seien doch von 15 Millionen Rücklagen bereits neun Millionen verplant. Ute Salzner (CSU) fand es nicht fair, dass der Stadtrat jetzt so schnell entscheiden sollte, habe man doch die Unterlagen mit dem Neubau-Vorschlag erst vor wenigen Tagen bekommen. Franz Rabl (CSU) war "ausnahmsweise einmal" mit SPD-Sprecher Andreas Hänjes einer Meinung, man solle nicht so schnell darüber entscheiden, neun oder 13 Millionen Euro zu investieren.

Hänjes hielte es für wichtiger, in den Breitensport zu investieren, "als die Voraussetzungen für den Ligabetrieb einer semiprofessionellen Eishockeymannschaft zu schaffen". Mit Hallenbad und Aischtalhalle habe man auch noch andere Sportstätten, die ebenfalls renovierungsbedürftig sind. Für die Eishalle fordert er eine genauere Aufstellung der Kosten und vergleichbare Modelle. Seinem Antrag, die Entscheidung zu verschieben, stimmten alle Räte zu.

Die zahlreichen Funktionäre, Aktiven und Mitglieder des HEC, die die Stadtratssitzung verfolgten, waren enttäuscht, dass die Neubau-Entscheidung nicht gleich gefallen ist. Für Dominik Rogner und Christian Götz aus der Vereinsführung macht eine Sanierung keinen Sinn. Ein Neubau würde für beide Vereine, HEC und ESC, einen Aufschwung bringen, sind sie überzeugt.

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