Höchstadt a. d. Aisch
Engagement

"Einfach etwas zurück geben"

Es gehört Mut dazu, fremde Menschen an sich heran zu lassen. Um so mehr, wenn sie an Demenz erkrankt und ihre Angehörigen auf Hilfe angewiesen sind.
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Demenzhelferin Martina Dresel und Rosi Schmitt berichten, dass es zwar Mut erfordert, aber sich mit fremden Demenzerkrankten auseinander zu setzen. Aber dass man als ehrenamtlicher Helfer von den Patienten auch viel zurück bekomme. Foto: Evi Seeger
Demenzhelferin Martina Dresel und Rosi Schmitt berichten, dass es zwar Mut erfordert, aber sich mit fremden Demenzerkrankten auseinander zu setzen. Aber dass man als ehrenamtlicher Helfer von den Patienten auch viel zurück bekomme. Foto: Evi Seeger

Das Wetter ist herrlich. 30 Grad im Schatten. Martina Dresel könnte jetzt ins Freibad gehen und den Sommer genießen. Tut sie aber nicht. Vielmehr holt sie eine demenzkranke Dame aus ihrer WG ab und besucht mit ihr den Engelgarten.

"Sie strahlt übers ganze Gesicht, wenn sie mich sieht", sagt Martina Dresel. Denn die Besucherin ist für die alte Dame eine vertraute Person, ein bekanntes Gesicht. Wenn sie auch keine Verwandte ist. Denn Dresel kümmert sich ehrenamtlich um Demenz-Erkrankte, um Angehörige zu entlasten. Manchmal gehen die beiden auch in den nahen Supermarkt. "Das findet sie total spannend. Sie wird richtig lebhaft", erzählt Martina Dresel. "Mir macht es Freude, sie so zu erleben."

Martina Dresel ist eine von insgesamt 24 ehrenamtlichen Demenzhelfern des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Viele der ehrenamtlichen Helfer hätten das Gefühl, "dass sie ganz viel zurück bekommen", sagt dazu Rosi Schmitt, die Leiterin der Fachstelle für pflegende Angehörige im ASB. Schmitt war maßgeblich an der Gründung des Vereins "Lebensfreude ERHalten" beteiligt. 2010 wurde dann die Demenz-WG auf dem Höchstadter Schlossberg ins Leben gerufen.

Erster Kontakt mit Demenz

Beim Eintritt in den Verein kam Martina Dresel erstmals mit Demenz-Kranken in Kontakt. "Ich habe als kleines Kind meine Großeltern verloren, als junges Mädchen meine Mutter und als junge Frau meinen Vater", berichtet sie aus ihrem Leben. Sie habe also "keinerlei Erfahrung mit Omas und Opas gehabt". Trotzdem - oder genau deswegen - hat sie den Mut bewiesen, sich gerade hier einzubringen. Und sie hat es nie bereut.

2014 habe sie beim ASB dann eine Helferschulung absolviert. Dies sei im Umgang mit den Kranken ganz wichtig. Außerdem ist die Schulung Voraussetzung dafür, dass die Pflegekasse die Demenzhelfer anerkennt und eine Erstattung leistet. Rosi Schmitt hält jährlich drei Schulungen, in denen viel über die Krankheit und die damit einhergehende Verhaltensänderung informiert wird. Für die pflegenden Angehörigen sei das jedes Mal ein Aha-Erlebnis. "Hätte ich das früher schon gewusst", bekommt Schmitt immer wieder zu hören.

Der richtige Umgang ist wichtig

Martina Dresel hat gelernt "dass man Demenz-Kranken nie widerspricht". Sagt ein Patient "ich geh' jetzt heim zu meiner Mama", dann lebe er halt in dieser Zeit. Einmal habe sie einer kranken Dame geantwortet, die Mama sei doch schon 30 Jahre tot. "Die wollte das nicht akzeptieren und ist mit Fäusten auf mich losgegangen."

Die Kranken bräuchten ganz viel Verständnis und die Helfer das nötige Wissen, um mit der Krankheit umgehen zu können. Für die Angehörigen sei das Helfer-Angebot oft die einzige Möglichkeit, einmal ein paar Stunden für sich zu haben. Wenn jedoch die Krankheit fortschreite, die Verantwortung zu groß werde, müsse professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Zum Beispiel, wenn der Betreute immer wieder mal hinfalle, sei das für die Helfer nicht mehr zu schultern. Nein, psychisch belaste sie die Arbeit nicht, antwortet Dresel auf die Frage. "Im Prinzip sind unsere WG-Bewohner alle glücklich." Bei diesem Grad der Erkrankung laufe meist alles entspannt und friedlich. Doch der Weg bis dahin - so lange sie selbst noch merken, dass etwas nicht stimmt - sei grausam.

Für Martina Dresel ist der Helferdienst "eine sehr erfüllende Aufgabe". Man könne so viel Gutes tun, wenn man sich für ein solches Ehrenamt entscheide, findet sie. Für sich selbst handelt sie aus großer Dankbarkeit: "Mir geht es so gut. Ich musste einfach etwas zurück geben."

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