"Im Prinzip geht es darum, Eltern miteinander ins Gespräch zu bringen", erklärt Regionalbeauftragte Gabriele Heller. Erfahrungen sollen weitergegeben werden, ohne dass das Treffen in Belehrung ausartet. Deshalb kommen die Interessenten auch in Privathaushalten zusammen und nicht in einem Amt oder einer Beratungsstelle. Als Gastgeberin fungiert eine Mutter, die Gesprächsführung übernimmt eine Moderatorin des Kinderschutzbundes.
Auch Hanne Alici aus Dormitz hat sich für diese Tätigkeit ausbilden lassen. "Ich war so begeistert von diesem Projekt, dass ich unbedingt mitmachen wollte", betont die gelernte Bauzeichnerin. "Wir möchten, dass Eltern als Experten angesprochen und anerkannt werden. Sie sollen ihre Kompetenz bewahren und weitergeben können", ergänzt Gabriele Heller.

Finanzierung ist gesichert

Elterntalk ist eine bayernweites Präventionsinitiative der Aktion Jugendschutz/Landesarbeitsstelle Bayern e.V.. Standortpartner in Erlangen ist seit fünf Jahren der Kinderschutzbund. Der Landkreis Erlangen-Höchstadt plant, auf Grund der gestiegenen Nachfrage seinen Zuschuss von 2000 auf 3000 Euro zu erhöhen. Eingebunden sind u. a. auch Gesundheits- und Stadtjugendamt. "Wir sind froh, dass bei uns die Finanzierung gesichert ist. Andernorts - zum Beispiel in Bamberg und Bayreuth - sind Regionalgruppen wieder geschlossen worden", berichtet Gabriele Heller.
Die Initiative Elterntalk richtet sich an Familien mit Kindern bis zu 14 Jahren. Die Themen sind vielfältig. Wie viel Fernsehen ist sinnvoll, wie viel Taschengeld angemessen, wie viel Computer erlaubt? Und wie schützt man sein Kind vor Alkohol und Drogen? Alles Fragen, die Familien bewegen. Auch über Nationalitäten hinaus, denn: "Die Probleme sind überall gleich. Und die Ziele ebenso. Alle wollen gute Eltern sein, ihr Kind stark machen und schützen", weiß Gabriele Heller. So seien 2011 die Bereiche Medien, Konsum und Suchtvorbeugung Topthemen gewesen.

68 Elterntalks im letzten Jahr

Insgesamt haben nach Angaben der Regionalbeauftragten letztes Jahr 68 Elterntalks in Stadt und Landkreis stattgefunden. Die Teilnehmer entstammten folgenden Nationalitäten: Türken 77 Prozent, Araber elf, Deutsche sieben und Inder drei Prozent; zwei Prozent gehörten anderen Nationalitäten an. Dass Elterntalk vorwiegend von Familien mit Migrationshintergrund genutzt wird, ist nicht zwingend notwendig. Gabriele Heller vermutet, dass es in diesen Kulturkreisen einfach selbstverständlicher ist, sich in privater Atmosphäre zu treffen und auszutauschen. "Aber gerade durch dieses Angebot erreichen wir Menschen, die sich sonst keine Hilfe von außen suchen würden."
Um das Gespräch beim Elterntalk in Gang zu bringen, hilft Kartenmaterial, das es zu jedem Thema in verschiedenen Sprachen gibt. Bilder, Leitsätze und provokante Thesen bringen den Dialog in Fluss. Wenn es hakt, springt die Moderatorin ein. Auch Hanne Alicis jüngere Schwester Demet Ögünc besuchte schon einen Elterntalk. Sie hat ihren Neffen mit erzogen und ist jetzt selbst im dritten Monat schwanger. "Ich möchte eine gute Mutter sein", sagt die 32-Jährige und bereitet sich intensiv darauf vor.

Eine andere Generation

Natürlich sind es aber nicht nur Mütter, die am Elterntalk teilnehmen. Auch die jungen Väter engagieren sich. Hanne und Demet sind froh, dass bei den türkischen Familien ein Bewusstseinswandel eingeleitet ist. "Früher waren die Männer die reinen Respektspersonen und für die Verbote zuständig. Die heutigen Väter sind ganz anders", freut sich Hanne.
Männer können sich auch als Moderatoren einbringen. "Im Zehnerteam ist derzeit leider nur ein Mann vertreten", bedauert Gabriele Heller. Im Frühsommer wird sie wieder einen Schulungstermin für diese Aufgabe anbieten. Die Teilnahme ist kostenlos. Pro Einsatz im Elterntalk erhalten die Moderatoren eine Aufwandsentschädigung von 30 Euro.


Ansprechpartner Die Regionalbeauftragte für Elterntalk im Kinderschutzbund Erlangen heißt Gabriele Heller und ist erreichbar in der Strümpelstraße 10 in 91052 Erlangen (Tel. 09131/9333556 bzw. 0176/24746524 oder per Email elterntalk.dksb-er@gmx.de). Sprechstunde ist montags von 14 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung.

Procedere Die Teilnahme am Elterntalk ist kostenlos. Neue Moderatoren werden im Frühsommer geschult.