Bankgeschäfte sind etwas ganz Alltägliches. Abheben, einzahlen, überweisen und manchmal wird etwas gespendet. Das kennt jeder, das macht jeder. Drüber reden tut eigentlich keiner groß.

Dann gibt es noch andere Banken, die im Bewusstsein fest verankert sind. Zum Beispiel die Blutbanken. Deren Währung ist nicht Gold und Silber, sondern der blanke, rote Lebenssaft. Wer dort "abheben" muss, ist auf die Solidarität seiner Mitmenschen angewiesen. Viele sind seit Jahren regelmäßige Spender, werden vom Roten Kreuz dafür öffentlich geehrt und belobigt. Eine rundum prima Sache ist das Spenden.

Und dann gibt es da in Erlangen seit 2003 noch eine Bank mit "Abhebern" und Spendern. Doch über diese Spender wird oft nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Dabei hilft ihre Gabe ebenfalls Menschen in Not. Dabei schenken auch sie etwas von sich selbst, um ihren Mitmenschen zu helfen. Eine rundum prima Sache ist das Spenden. Reich werden diese Spender genauso wenig wie ihr Pendant bei der Blutbank.

Bei der Erlanger Samenbank ruhen rund 4000 tiefgefrorene Samenproben, die ungewollt kinderlose Paare zu glücklichen Eltern machen sollen. "Die künstliche Befruchtung ist oft noch ein Tabubereich", bedauert Andreas Hammel. Der promovierte Arzt ist Reproduktionsmediziner und der Gründer der Erlanger Samenbank. Seiner Erfahrung nach fällt es immer noch vielen Menschen schwer, über diesen Bereich zu reden.

Vor zehn Jahren, vor der Gründung der Samenbank, waren Hammel und seine Kollegen in ihrer Gemeinschaftspraxis auf Samenproben auswärtiger Samenbanken angewiesen. "Das Problem dabei war", erklärt Hammel, "dass wir immer nur wenige Informationen über den jeweiligen Spender hatten." Um Kinderlosen gezielter einen besonders gut passenden Spender aussuchen zu können, waren mehr Informationen nötig.

Außerdem konnten die Erlanger Mediziner mit der Gründung einer eigenen Samenbank auch eigene Standards für deren Betrieb setzen. Die selbstgestellten Ansprüche der Erlanger Samenbank an die Qualität der Proben sind höher als die gesetzlich vorgeschriebenen. Die Erlanger Samenbank war daher auch die erste Samenbank in Deutschlands, die Proben nach Prüfung der Regierungsbehörde offiziell weitergeben durfte.

Ein ausgeklügeltes System sorgt dafür, dass die Samenproben von höchstmöglicher Qualität sind. Gleichzeitig werden die Spender rechtlich weitestgehend dagegen abgesichert, später einmal finanzielle Forderungen der mit ihrer Spende gezeugten Kinder erfüllen zu müssen.

Bevor ein Mann als Spender infrage kommt, durchläuft er als erstes ein Gespräch mit einem Arzt. Meinen die Mediziner, dass es dem Kandidaten an der nötigen geistigen Reife fehlt, wird er nicht zur gründlichen, körperlichen Untersuchung eingeladen. "Das kommt aber sehr selten vor", betont Hammel. Die Spendewilligen hätten sich praktisch immer schon vorher sehr gut überlegt, was sie tun.

"Viele Spender leben in einer festen Beziehung, viele sind verheiratet und haben selbst Familie", skizziert Hammel den typischen Spender. Aber nicht alle könnten mit ihrer Partnerin über ihre Spende reden. Auch hier herrscht noch ein Tabu.

Am einfachsten kann man die Abläufe von der Entscheidung bis zur künstlichen Befruchtung erklären, wenn man einen virtuellen Spender auf seinem Weg begleitet. Der Mann ist 34 Jahre alt. In der Spanne zwischen 20 und 40 Jahren kann man in Erlangen spenden. Diese Einschränkung gilt, weil der Samen in dieser Zeit die beste Qualität aufweist.

Insgesamt sechs Samenproben wird der Mann in einem Spendezyklus abgeben. Ist bei einer die Qualität nicht ausreichend, werden weitere Besuche in der Samenbank nötig. In einem kleinen Raum masturbiert der Spender und übergibt sein Ejakulat in einem Plastikbecher nebenan im Labor zur Untersuchung.

Eine Probe wird tiefgefroren und dann wieder aufgetaut. Nur wenn das Sperma dann immer noch optimal ist, geht das Verfahren weiter. "Nur einer von sieben Männern, die spenden möchten, kommt danach noch infrage", sagt Hammel. Verliere Samen durch das Einfrieren an Qualität, sage das nichts aus über die Fähigkeit eines Mannes, auf natürliche Weise ein Kind zu zeugen. Diese Befürchtung sei ganz unbegründet.

Bevor die Spenden verwendet werden, vergehen mindestens sechs Monate. Dann muss der Spender noch einmal zu einer Untersuchung in die Praxis.

Wartefrist zur Sicherheit

Nach dieser Wartefrist kann erst geklärt werden, ob er an Aids, Hepatitis oder einer anderen durch Körperflüssigkeiten übertragbaren Krankheit leidet. Die Wartefrist dient der Sicherheit der Frau mit Kinderwunsch. "Ich bin sehr froh, dass ich noch niemand nach der letzten Untersuchung sagen musste, dass er an einer schlimmen Krankheit leidet", gibt Hammel zu.

In der Spenderakte ist auch ein Porträt und der Mann hat seine Hobbys genannt. Bei der Suche nach dem am besten geeigneten Spender achten die Erlanger Reproduktionsmediziner auf mögliche Ähnlichkeiten des Erzeugers mit dem Vater des Wunschkinds.
Jedes Kind kann später, wenn es volljährig wird und das wünscht, Kontakt zum Spender aufnehmen. Die Eltern und der Spender bleiben gegenseitig anonym. "Für die meisten Spender ist das kein Problem", sagt Hammel. Manchem der Männer gehe schon einmal der Gedanke "ist das von mir" durch den Kopf. In aller Regel dann, wenn sie ein Kind sehen, das ihnen ähnelt.
"Im Interesse des Kindes ist es", betont Hammel, "frühzeitig zu erfahren, wie es gezeugt wurde." Der beste Zeitpunkt dafür sei das Kindergartenalter, das hätten Wissenschaftler herausgefunden. "Da haben die Kinder eine rein emotionale Beziehung zu ihren Eltern. Wenn sie sich geliebt wissen, ist das für sie die Hauptsache."
Um den Eltern- verheirateten wie unverheirateten Paaren - dieses Gespräch zu erleichtern, bekommen sie ein Bilderbuch bei der Behandlung mit. "In das können sie eigene Fotos ihrer persönlichen Familiengeschichte einkleben", ergänzt Hammel. Das Konzept für dieses Büchlein hat eine Psychologin erarbeitet.
Eltern müssten keine Angst haben, dass diese kleinen Kinder ihren persönlichen Hintergrund ausplappern. "Kinder wissen erstaunlich genau, was nur für die Familie bestimmt ist."
Wenn die sensible Natur einer Samenbank im Vergleich zu anderen Banken auch viele Unterschiede nötig macht, eines hat sie besonders mit der Blutbank gemeinsam: Es gibt immer noch viel zu wenige Spender

Hier geht es zum Artikel "Spende soll man selbstbewusst durchziehen"

Weitere Infos zu Samenspenden in der Erlanger Samenbank: http://www.erlanger-samenbank.de/samen-spenden