Erlangen

Eine CD zur Erinnerungen an den Bergkönig Pinsl

Wenn der Pinsl kein Geld mehr hatte, bezahlte er mit Bildern. Wenn er trunken war, träumte er von Ruhm und Ehre. Nun lebt er nicht mehr - aber Ruhm und Ehre werden dem "König vom Berg" nun zuteil - Dank Wulli.
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Sonja am Mikrofon(links) und Wulli an der Gitarre. Foto: Archiv
Sonja am Mikrofon(links) und Wulli an der Gitarre. Foto: Archiv
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"Der König ist tot, es lebe der König", ist die Heroldsformel, mit der in Frankreich der Tod des alten Königs bekannt gegeben und gleichzeitig der neue ausgerufen wurde. Wenn dieser Spruch angewandt wird auf einen König namens "Pinsl", dann geht es allerdings um eine ganz andere Bedeutung.

"Der Pinsl ist schon immer in meinem Gehirn", meint Wulli Wullschläger, "den habe ich als Kind schon auf dem Berg kennengelernt und wir sind uns immer wieder freundschaftlich begegnet." Diese Begegnungen haben ihn geprägt. Denn es waren immer wieder Situationen, die von der Normalität weggingen, die besonders waren. "Ich kenne die Momente, wo er mit Bildern bezahlt hat, weil er kein Geld mehr hatte."



Er kennt einen Pinsl, der sich noch vernünftig artikulieren konnte, der zeigte, dass er ein unglaubliches Wissen hatte, der in dieser Zeit bewusst gemacht hat, warum man ihn nach seinem Tod im Jahr 2009 vermissen werde. In Wikipedia steht ganz nüchtern: "Der Pinsl, mit bürgerlichem Namen Erhard Königsreuther, war ein deutscher Maler." Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. "Er war der Bergkönig", sagt Wulli. Er war ein Lebenskünstler und ein Stadtoriginal, das nach seinem Tod sogar durch Oberbürgermeister Siegfried Balleis bei der Eröffnung der Bergkerwa, gewürdigt wurde. Wulli sagt: "Er war ein Gaukler."


CD mit viel Gefühl
Und so sei diese Sammlung an Liedern entstanden. Das tragende Lied ist natürlich "Der Gaukler". Das ist gleich nach dem Tod entstanden, erklärt Wulli. Dann kam irgendwann die Idee eine deutschsprachige CD zu machen. "Das hatten wir schon länger im Kopf", und verweist auf seine musikalische Partnerin Sonja Tonn. Bei der Überlegung wie man die CD nennen sollte, kam man an Pinsl einfach nicht vorbei, die Idee des "Gauklers" war geboren. Es ist eine CD mit viel Gefühl, es war eben auch das Lied dabei, das Wulli für die Aussegnungsfeier geschrieben hatte. Ein Lied, das in der Schockstarre über den Tod des Gauklers entstanden ist.



Es spielt sicher auch eine Rolle, das in diesem Jahr viel an Pinsl gedacht wurde. "Es gab eine Ausstellung, es gab eine Pappmache-Figur, die auf dem Berg stand", erinnert sich Wulli. Es gab einen Bierkrug mit dem Konterfei des Künstlers, eine Postkarte. "Es ist mir eine persönliche Freude, auch musikalisch an ihn zu erinnern." Derselber wird im Himmel mit seinem typischen "Rarr, rarr, rarr, rarr" lachen, da sind sich Wulli und Sonja sicher. "Die Wichtigkeit, die er in seinem Leben immer haben wollte, das was nie geklappt hat, das wird ihm nun zuteil. Der freut sich einen Ast!" Heute zählt nicht mehr, dass ein Trinker war, es zählen seine Werke.


Musik die einen fordert
Dabei ist Wulli selber alles andere als ein Gaukler - "Ich bin ein Künstler - ein Gaukler kann mehr", gibt er anerkennend zu. Dabei ist Wulli selbst ein Tausendsassa - vielleicht ein wenig bodenständiger als der Pinsl. Der war auf dem Berg, um seine Getränke zu schnorren, Wulli hat seine eigene Kneipe: den Strohalm - ja richtig - mit nur einem "H".

Doch seine Liebe gehört der Musik - aber "nicht diesem Andrea-Berg_Gesang", dem kommerziellen Gesang, der nur darauf angelegt ist, die Massen zur Kasse zu bitten. Er bietet Musik an, die einen fordert - nur still zuhören klappt irgendwie nicht. Das wird er am heutigen Freitag beweisen, wenn er seine CD zusammen mit Sonja im Strohalm vorstellt, das wird er im Saturn in den Arcaden am Samstag beweisen, wenn er die eigenen CDs signiert.

"Ein Gaukler ist ein Künstler für alle. Ein Maler ist oft nur ein Künstler für Leute, die das verstehen, ein Jazzmusiker spricht nur gewisse Leute an - ein Gaukler spricht alle Leute an." Wulli ist wieder beim Thema. Und so ist das Stück "Der Gaukler", der der CD den Namen gibt, das bewegendste Stück. Eine Hommage an den Pinsl wie sie schöner nicht sein kann. Die anderen Lieder sind ebenso hörenswert: Ein Song über Facebook offeriert das, was alle wissen, aber sich keiner zu sagen traut. Es ist ein Lied, das dem König sicher auch gefallen hätte, obwohl der bestimmt nie dieses soziale Netzwerk im Internet gebraucht hätte. Denn das hatte er woanders: Auf dem Erlanger Berg. "Rarr, rarr,, rarr!"

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