Herzogenaurach
Broschüre

Eine Ausstellung über die Geschichte des ASB

Im Rathausfoyer sind Texte und Fotos über neun Jahrzehnte ASB in Herzogenaurach zu sehen. Eine 19-Jährige und ihr Vater haben recherchiert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bis zum 2. November präsentiert das Rathausfoyer eine Ausstellung über die Geschichte des ASB in Herzogenaurach. Auch Konrad Eitel war bei der Eröffnung ein interessierter Betrachter.  Fotos: Bernhard Panzer
Bis zum 2. November präsentiert das Rathausfoyer eine Ausstellung über die Geschichte des ASB in Herzogenaurach. Auch Konrad Eitel war bei der Eröffnung ein interessierter Betrachter. Fotos: Bernhard Panzer
+17 Bilder

Hoher Besuch beim Arbeiter-Samariter- Bund (ASB) am Mittwoch in Herzogenaurach: Zur Eröffnung einer Ausstellung über die Geschichte des Verbandes kam auch Wilhelm Müller, der frühere langjährige Bundesgeschäftsführer, aus Köln angereist. Er gilt als "das wandelnde Geschichtsbuch" des ASB und war schon deshalb sehr angetan davon, was Reinhard Heuer und vor allem seine Tochter Carolina über die Jahrzehnte seit der Gründung zusammengetragen haben. In der Broschüre "Die Geschichte der Arbeiter-Samariter in Herzogenaurach und Erlangen" sind die Erkenntnisse auf 36 Seiten zusammengefasst.

Die 19-jährige Carolina hat bis August dieses Jahres ein Freiwilliges Soziales Jahr beim ASB Erlangen abgeleistet und hatte die Aufgabe, die Geschichte des ASB in Herzogenaurach zu dokumentieren. Ziel war es, eine Ausstellung im ASB-Teil der neuen Rettungswache in der Heisenbergstraße zu installieren. Die Wache soll zum Jahresende fertig gestellt sein. Vorab gibt es die Ausstellung seit Mittwoch im Herzogenauracher Rathaus-Foyer (bis 2. November).

Vater Heuer ist zeitgeschichtlich interessiert und hat seine Tochter maßgeblich unterstützt. Beide haben, wie er sagt, in mehreren Archiven recherchiert und etliche Zeitzeugen befragt. Sein Dank galt bei der Ausstellungseröffnung unter anderem Christian Hoyer vom Stadtmuseum und Gotthard Lohmaier für die Unterstützung.

Es ist gewissermaßen ein dreifaches Jubiläum, das der Ausstellung zugrunde liegt. 1888, also vor 130 Jahren, wurde der ASB als erste Selbsthilfe-Organisation in Deutschland gegründet. In Herzogenaurach gab es, nach der ersten Erwähnung 1912, dann vor 90 Jahren, also 1928, eine Neugründung. Nach dem Verbot des Verbandes durch die Nazis ab dem 30. Juni 1933 erfolgte die erneute Wiedergründung erst lange nach dem Krieg im Jahre 1958, also vor 60 Jahren.

Wilhelm Müller, der von 1974 bis 2011 der Geschäftsführer des Bundesverbandes gewesen ist, hatte sehr lobende Worte für die beiden Autoren parat. Sie hätten nämlich "genau das herausgearbeitet, was den ASB ausmacht." Und diese Werte liegen in der schnellen Hilfe. "Die Samariter warten nicht auf den Staat oder auf Zuschüsse", sagte Müller. "Der ASB packt an und fragt nicht lange".

Bürgermeister German Hacker erinnerte in seiner Begrüßung an die Zeit, als sich in Herzogenaurach verschiedene Organisationen gegründet haben. Diese Selbsthilfe sei damals aus der Notwendigkeit heraus entstanden. Der ASB sei in der Stadt verwurzelt und habe auch immer eine enge Verbindung zum Rathaus gehabt. Auch im großen Spital hatte der ASB einst eine Station, und die Rettungswache war mal direkt am Schlossgebäude.

Die Zeit des Untergangs

Landesgeschäftsführer Thomas Klüpfel hoffte, dass das jahrzehntelange Engagement der Samariter beispielgebend sein möge. Der Blick in die Geschichte sei gerade in einer Zeit wichtig, da erneut radikales Gedankengut aufkeime. Im Zweiten Weltkrieg war der ASB von den Nazis verboten worden.

Auch diese Phase, "die Zeit des Untergangs", sei in der 36 Seiten starken Broschüre gut herausgearbeitet, bescheinigte Geschichtsexperte Wilhelm Müller. Der Verfasser vieler Bücher will für seine neue Veröffentlichung über diese Schicksalszeit ein paar von den Heuers genannten Beispiele verwenden, wie er sagte. "Der ASB kann auch heute nicht neutral bleiben."

Auch Christian Stöcker vom Regionalverband Erlangen-Höchstadt betonte das. Er hob das Engagement des Verbands in der Flüchtlingskrise hervor und sagte: "Hilfe ist das, was zählt." Stöcker ging auf die Zeit des Verbotes ein. Der spätere SPD-Bürgermeister Hans Maier, selbst ASB-Mitglied, sei von den Nazis zwei Monate in Schutzhaft genommen worden. Auch der heute amtierende Bürgermeister German Hacker sei ASB-Mitglied. Stöcker gab einen Abriss über die wichtigsten Daten aus Herzogenauracher Sicht und bescheinigte: "Herzogenaurach ist und bleibt ein wichtiger Standort für den ASB".

Eine Reihe von Mitgliedern fand sich zur Ausstellungseröffnung ein, darunter auch ein paar Altsamariter, was Wilhelm Müller besonders freute. Da habe einer seinen Schwiegervater auf einem Bild aus den 20-er Jahren entdeckt. Und auch der Gründer von ASB und Lebenshilfe, Heinrich Müller, ist auf mehreren Fotos zu finden. Bürgermeister Hacker hatte eingangs "den geballten ASB aus verschiedenen Generationen" im Rathausfoyer begrüßt.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren