Vestenbergsgreuth
Interview

Ein Rapper aus dem Steigerwald

Der junge Vestenbergsgreuther Sebastian Möhring ist der lebende Beweis dafür, dass Rapper nicht unbedingt aus dem Großstadt-Ghetto stammen müssen.
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Sebastian Möhring ist auf dem Weg nach oben.     Foto: Yannick Hupfer
Sebastian Möhring ist auf dem Weg nach oben. Foto: Yannick Hupfer

Sebastian Möhring ist noch nicht ganz 19 Jahre alt - und doch schon gut im Geschäft. Der Rapper, der sich "Cheater" nennt, konnte den bei Jugendlichen berühmten Musiker "B-Tight" von seinem Talent überzeugen. Nun erscheint "Cheater" mit vier eigenen Liedern auf dem neuen Album von "B-Tight", das am 22. Februar veröffentlicht wird. Der FT hat den jungen Rapper interviewt, der Gelassenheit und Freude ausstrahlt.

Berlin oder Vestenbergsgreuth? Wo würdest du lieber wohnen?

Sebastian Möhring: Schwer zu sagen. Ich glaube, als junger Mensch ist es auf jeden Fall interessant, die Großstadt zu erleben - vor allem wenn man vom Land kommt wie ich. Aber man fühlt sich doch trotzdem sehr heimatverbunden. Alles ist sehr familiär, ich habe hier auch viele Freunde. Ich glaube, es ist wichtig, eine gute Balance zu finden. Ich könnte mir nicht vorstellen, mein ganzes Leben nur in Berlin oder einer anderen Großstadt zu verbringen. Früher oder später werde ich aber wohl nicht drum herum kommen, Vestenbergsgreuth mal zu verlassen - zumindest für eine gewisse Zeit.

Warum?

Ich habe mir überlegt, vielleicht in Berlin zu studieren. Als junger Mensch ist das schon interessant, viel von der Welt und Deutschland zu sehen.

Du bist auf der Platte von Rapper "B-Tight" vertreten, der in Berlin wohnt. Wie bist du zu ihm gekommen?

Ich war von Klein auf sehr großer "Sido"-Fan. Mein erstes Hip-Hop-Album, das ich mir gekauft habe, war "Ich und meine Maske" von "Sido", auf dem "B-Tight" auch vertreten ist. Musikalisch kam ich deshalb schon sehr früh auf ihn. Ich habe vor einiger Zeit ein paar Rapper und Musiker angeschrieben und ihnen was von mir gezeigt. Ich wollte in erster Linie Resonanz, weil es für mich schwer war, hier aus der Gegend eine professionelle Meinung darüber zu bekommen. Ich habe dann von ihm mehr oder weniger aus Glück eine Antwort bekommen. Er war dann recht begeistert und wir haben über Instagram geschrieben. "B-Tight" hat mich dann zu einem Tour-Auftritt von ihm in Weiden eingeladen. Da haben wir uns mehrere Stunden unterhalten - über die Musik und über Persönliches. Ich hatte das Gefühl, dass er musikalisch schon relativ früh von mir überzeugt war und Talent gesehen hat. Wir haben uns persönlich und musikalisch gut verstanden.

Das heißt, du hast Lieder schon vorproduziert?

Seit ich zwölf bin, habe ich hobbymäßig Lieder geschrieben. Irgendwann habe ich dann angefangen, Texte auf YouTube-Beats zu schreiben. Ich habe das nicht professionell aufgenommen, einfach nur mit dem Handy, und das habe ich ihm dann geschickt.

Viele Rapper singen über Erlebnisse in ihrem Block, ihrem Viertel. Du wohnst in Vestenbergsgreuth, hier gibt es keine Hochhäuser. Woher nimmst du die Themen für deine Texte?

(lacht) Ich finde, Hip-Hop und Rap kann man nicht darauf reduzieren, dass es nur um die Straße geht oder um härtere Inhalte. Darüber brauche ich nicht viel zu sagen, das wäre nicht authentisch. Bei mir geht es um mein eigenes Leben - teilweise tiefgründig, manchmal ist es auch einfach nur Spaß und "auf die Kacke hauen". Alles, was in meinem Leben abläuft, verarbeite ich in meinen Texten. Das sind Sachen, die nicht so schön sind, aber auch gute Laune, die man versucht, an andere Menschen weiterzugeben.

Nimmst du in deinen Texten auch Bezug zu Vestenbergsgreuth, zu deiner Heimat?

Ich spreche es nicht direkt an. Wohl aber, dass ich aus dem Süden Deutschlands komme. Der Süden war in Sachen Rap noch nie wirklich auf der Landkarte. Meistens waren es Städte wie Berlin, Hamburg, Frankfurt, die sehr präsent waren. Richtig bekannte Rapper aus Süddeutschland gibt es eigentlich nicht. Ich hoffe, dass sich in Bayern und hier in der Umgebung etwas aufbauen lässt, denn ich glaube schon, dass das auch hier Anklang findet. Es ist aber kein riesiger Teil meiner Musik, zu sagen, wo ich herkomme.

Macht es das für dich schwieriger, ins Rap-Business einzusteigen, weil du in Süddeutschland lebst?

Das macht es auf jeden Fall nicht leichter. Wenn ich etwas mit "B-Tight" mache, muss ich immer nach Berlin fahren. Diese Anlaufstellen habe ich hier nicht. Hier gibt es keine großen Labels oder Künstler, an die ich mich wenden könnte. Von daher ist es schon nicht so einfach. Vor allem, weil Bayern im Rest von Deutschland ein bisschen belächelt wird. Die meisten würden es nicht mit Rap assoziieren. Wenn man aus München kommt, kann man sich vielleicht noch für ein paar Stunden in ein Studio einbuchen, weil es dort überhaupt welche gibt. Da ich aber richtig vom Land komme, geht das bei mir auch nicht, denn nach München zu fahren kostet mich auch wieder ein paar Stunden Zeit.

Warum hast du dich für den Künstlernamen "Cheater" entschieden?

Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich hätte gerne etwas richtig, richtig durchdachtes gehabt. Ich habe auch ewig gesucht, aber irgendwie war ich so anspruchsvoll, dass ich nie etwas anderes gefunden habe. (lacht) Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich da überhaupt drauf gekommen bin. Ich fand das klingt cool, auch ein bisschen frech. Den Namen hatte ich zuerst für den Übergang, mittlerweile könnte ich mir aber gar nichts mehr anderes vorstellen. Hat aber keinen durchdachten Plan.

Wie geht es nach dem Album-Release für dich persönlich weiter?

Ich mache jetzt mein Abitur. Danach habe ich Luft und würde ich mich sehr gerne mehr der Musik widmen. Es ist natürlich interessant, zu gucken, wie die Musik ankommt bei den Leuten. Es kann sein, dass es komplett untergeht. Es kann sein, dass es auf Leute stößt, die das sehr interessant finden. Ist halt schwer zu sagen. Da warte ich aber einfach ab. Es ist noch nichts Weiteres geplant, erst einmal eins nach dem anderen.

Das heißt, du weißt noch nicht, wann deine erste eigene Platte erscheint?

Nein. (lacht) Aber ich hoffe natürlich, dass es so schnell wie möglich funktioniert. Aber man sollte da auch nichts überstürzen.

Was sind deine persönlichen Ziele als Rapper?

(überlegt) Unabhängig von der Musik war es mir immer wichtig, dass ich etwas mache, mit dem ich Leute begeistern, sie aktiv beeinflussen kann. Genauso wie es Rap mit mir auch gemacht hat. Dass man es sich anhören kann, egal, ob es einem gerade gut geht oder eben nicht. Das ist mein Hauptziel, ich will Leute catchen. Je mehr, desto besser. Auch wenn es mit der Musik nichts werden sollte, will ich irgendetwas machen, das dem gerecht werden würde. Musikalisch ist es nicht so, dass ich mir zum Ziel gesetzt habe, in den nächsten fünf Jahren drei goldene Platten zu haben oder so und so viele CDs zu verkaufen. Ich will einfach so viel mitnehmen, wie es geht, weil es für mich gerade eine richtig coole Momentaufnahme ist. Ich durfte ja auch schon einige Erfahrungen machen.

Welche genau?

Der Prozess, Songs aufzunehmen. Zu gucken, wie es in der Produktion und hinter den Kulissen abläuft. Ich war auch schon bei ein paar Shows von "B-Tight" dabei, bei denen ich selbst auf die Bühne durfte. Letztes Jahr war ich mit ihm auf dem Helene Beach Festival, habe da auch einige Künstler kennengelernt. Unter anderem auch "Sido", was für mich natürlich als Fan eine sehr emotionale Erfahrung war. Es kommt jetzt Tag für Tag etwas Neues hinzu, auch wenn man zum Beispiel Resonanz hört.

Wie ist die bei dir bisher?

Bisher war sie durchgehend positiv. Es ist aber auch noch nicht so viel veröffentlicht worden. Am 28. Dezember war ich auf dem "Birthday-Bash" von "B-Tight" in Berlin an dessen Geburtstag. Da kamen nach der Show ein paar Leute zu mir, die positive Sachen gesagt haben, aber auch, dass ich unbedingt dranbleiben soll. Auch die Resonanz von Freunden war bisher sehr gut. Ich denke aber, je mehr es hören, desto mehr werden auch dabei sein, denen es nicht gefällt. Aber bisher ist die Resonanz wirklich gut.

Aber dein erstes eigenes Konzert findet in Vestenbergsgreuth statt?

(lacht) Das steht natürlich noch in den Sternen, lässt sich aber sicher einrichten. Alle knapp 500 Einwohner sind dann herzlich eingeladen. Das Gespräch führte Yannick Hupfer.

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