Adelsdorf
Musikalische Lesung

Ein Mannweib mit Courage

Ulrike Bergmann lässt in Adelsdorf Courasche aufleben: eine Frau, die zur Zeit des 30-jährigen Krieges gelebt und viel gelitten hat.
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Ulrike Bergmann mit ihrer Bassdrehleier war Gast in Adelsdorf.  Foto: Johanna Blum
Ulrike Bergmann mit ihrer Bassdrehleier war Gast in Adelsdorf. Foto: Johanna Blum
Freunde der historischen Volksmusik und der Barockdichtung, aber auch begeisterte Fans von Ulrike Bergmann waren zu einer musikalischen Lesung zu Bücher Schmidt nach Adelsdorf gekommen.
Christian Schmidt begrüßte die Künstlerin schon als alte Bekannte, denn sie war zum dritten Mal in dem kleinen Buchladen zu Gast.

Die Courasche stand auf dem Programm und allein der Titel des Abends machte die Gäste neugierig: "Courasche: Ausführliche und wundersame Lebensbeschreibung der Ertzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche von Hans Jakob von Grimmelshausen, um 1670".

"Shades of Grey" verblasse gegen eine Courasche aus dem 17. Jahrhundert, meinte Christian Schmidt am Ende der eindrucksvoll dargestellten Lebensgeschichte einer Frau, die zur Zeit des 30-jährigen Krieges gelebt und viel gelitten hatte.

Ulrike Bergmann ist gebürtige Augsburgerin, lebt und arbeitet aber schon lange im Landkreis
Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Sie unterrichtet an einer Realschule Deutsch und Geschichte - aber nicht Musik. "Als Kind habe ich Blockflöte gelernt, später Violine und spielte dann im Kammerorchester meiner Schule mit", erzählt sie dem FT. Während ihres Studiums hat sie sich dann viel mit Sozialgeschichte, der Geschichte der "kleinen Leute", und in der Germanistik mit Mediävistik (Wissenschaft vom europäischen Mittelalter) befasst. "Fasziniert hat mich da vor allem, dass im Schwäbischen, meiner ursprünglichen Muttersprache, noch so viel aus dem Mittelhochdeutschen und Frühhochdeutschen wie Begriffe, Sprachbilder, die Art, etwas auszudrücken, erhalten ist", schwärmt sie.

Faszinierendes Zeitdokument

Bei ihrer Suche nach Quellen und Nachrichten aus dieser Zeit ist sie auch auf Lieder und Balladen gestoßen und auch auf Grimmelshausens Courasche. "Die Courasche ist für mich, obwohl sie eine Dichtung ist, ein ungemein faszinierendes und äußerst aufregendes Zeitdokument, das das Leben im 17. Jahrhundert vor unseren Augen aufsteigen lässt" erklärt sie. Es wird die Geschichte einer weiblichen Marketenderin erzählt, die im 30-jährigen Krieg mit den Soldaten lebte.

Mit ihrer klaren, weichen Stimme rezitierte und sang sie abwechselnd, begleitet von der ungarischen Bassdrehleier, aus der Geschichte der Marketenderin und Vagabundin (Landstörtzerin), hält sich dabei aber streng an das, was man von alter Musizierpraxis weiß. Mit der eigens für sie 2002 in Ungarn angefertigten Bassdrehleier kann sie zum Tanz aufspielen und entsprechend gespielt hat sie einen mächtigen Ton! Aber sie bietet auch ein wunderbares weiches, warmes Tonfundament für ihren Gesang. Die Zuhörer erlebten ein buntes, ungeschöntes Bild der Lebenswirklichkeit der Fahrenden, der Unbehausten mit einer Frau als Hauptperson: als einzige Frau unter Landsknechten und Offizieren, später Marketenderin, zigmal verheiratet, dann Königin der Zigeuner und aller Männer und Frauen, die ausgestoßen und heruntergekommen in den Wäldern leben.

"Mit der Courasche möchte ich ein Originalwerk vorstellen und zum Leben erwecken. Das Echte, Ursprüngliche spricht hier direkt zu uns. Ich möchte zeigen, wie aufregend ein solches Originalwerk sein kann - wenn man sich darauf einlässt", sagt sie. Einmal erklang die Leier allein, dann als Untermalung der Erzählungen von Courasche in der Ich-Form. Sie rezitierte so lebensecht, dass man ab und zu meinen konnte, sie sei persönlich die Courasche! Die Barocksprache selbst ist eine harte Kost und für manchen gewöhnungsbedürftig. Etwas zum Leben erwecken ist ein Hauptanliegen der Künstlerin.

Am 2. März gastiert sie in Herzogenaurach mit Frauenliedern aus sechs Jahrhunderten und am 14. März gibt sie zusammen mit Eberhard Kummer unter dem Motto "Keusch sein ist unmüeglich - Hans Sachs und seine Zeit" ein Konzert im Fembohaus in Nürnberg.

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