Burgstall
Porträt

Ein Macher will weitermachen

Zur Landtagswahl stellt der FT die einzelnen Kandidaten in einem Porträt vor. Der Burgstaller Walter Nussel will für die CSU in den Landtag einziehen.
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Die Natur ist für Walter Nussel wichtig. Sowohl in seinem politischen Wirken, als auch als Rückzugsort in anstrengenden Zeiten.  Foto: Michael Busch
Die Natur ist für Walter Nussel wichtig. Sowohl in seinem politischen Wirken, als auch als Rückzugsort in anstrengenden Zeiten. Foto: Michael Busch
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Man merkt ihm die Unruhe an. Das Sitzen und Reden gehört dazu, aber er will lieber machen. Dinge ändern, verbessern. Der 52-jährige Walter Nussel ist der Direktkandidat für die CSU im Stimmkreis Erlangen-Höchstadt. Und er hat bereits eine Legislaturperiode hinter sich gebracht.

Vielleicht ist diese Unruhe der Grund, warum er vom damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer zum Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für Bürokratieabbau bestimmt wurde. "Es ist eine wichtige Aufgabe", führt er aus. "Dazu gehören viele Gespräche, aber irgendwann muss man halt auch mal anpacken und etwas verändern." Und das eben nicht nur im Theoretischen, sondern eben auch in der Praxis.

"Den Nussel können die nicht überall leiden", lacht er beim Gespräch auf. Das liege daran, ergänzt er, "dass ich eben auch mal unbequem bin, dass ich nachfrage und nachhake". Bis in die Ministerien. Er nimmt seinen Job ernst. Es liegt vielleicht daran, dass er bodenständig ist. Kein Jurist, kein BWLer. Seine Vita liest sich "normal". Auf seiner Homepage kann man nachlesen: Qualifizierender Hauptschulabschluss, Ausbildung zum Mechaniker, Ausbildung zum staatlich geprüften Landwirt, Ausbildung zum staatlich geprüften Forstwirt. Er weiß, wovon er spricht, den Eindruck vermittelt er seinem Gegenüber auch.

Diese Erfahrungen sind einer der Gründe, warum er im Ausschuss für Eingaben und Beschwerden sitzt, im Ausschuss für Wirtschaft und Medien, für Bau und Verkehr, Energie und Technologie. Die Umsetzung im praktischen Bereich ist hilfreich bei der Arbeit in der Datenschutzkommission. "Wir haben da einen bayerischen Weg entwickelt", erklärt er. "So viele Vereine haben sich über die Handhabung beschwert und ich dachte, das muss einfacher gehen."

Ein Praktiker im Landtag

Die Verantwortlichen in den Vereinen und Verbänden erreichen Walter Nussel da auch auf dem richtigen Fuß. Als Aktiver in den unterschiedlichsten Vereinen, aber auch in den Vorständen derselben, weiß er um die Nöte, aber eben auch um die Vorgänge innerhalb dieser Strukturen. Ihm ein X für ein U vorzumachen, fällt schwer.

Als Vorsitzender des Fußballclubs 1. FCH, als langjähriger 1. Feuerwehrkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Burgstall erarbeitet man sich Wissen und Erfahrungen, die es in der "normalen Lehre" oder im Studium so nicht gibt.

Politisch ist er schon lange bei der CSU verortet. 1989 trat er in die Partei ein. Er ist überzeugter CSUler und weist auf die Erfolge dieser Partei in Bayern hin. "Wir haben hier immer Stabilität garantiert", sagt er selbstbewusst. Ergänzt aber auch: "Wir haben sicher auch Fehler gemacht. Doch wir haben aus diesen immer gelernt."

Er schaut skeptisch auf die politischen Entwicklungen in "seinem" Bayern, seiner Region. Die AfD sei keine Lösung und nicht gut für die Gesellschaft. Aber auch mit Blick auf die Grünen warnt er: "Diese wollen eine ganz andere Gesellschaft, mit ganz anderen Ansätzen." Es ginge denen nicht "nur" um die Natur. "Ich habe als CSUler schon mehr Bäume gepflanzt, als es Landtagsabgeordnete gibt." Da ist er wieder der Praktiker.

Die Natur spielt aber an anderer Stelle auch noch eine wichtige Rolle. Es ist der Moment, wen er den politischen Alltag hinter sich lassen will, wenn er nach Hause kommt. Kein Landtag, kein Maximilianeum, keine Landeshauptstadt München. Dann geht es in den Obstgarten. "Ich kann recht schnell abschalten", sagt er. "Ich setze mich dort auf die Bank und genieße die Natur."

Der evangelische Familienvater, verheiratet und zwei Kinder, braucht diese Zeit auch. "Die Natur gibt mir wieder viele Ideen mit", ist ein Grund. Aber sicher auch das Engagement, das er seit Jahren betreibt. 1996 ging es in den Herzogenauracher Stadtrat, zwei Jahre später war er bereits Vorsitzender der Fraktion. 2002 bis 2008 war er zweiter Bürgermeister. Bezirkstag und die vielen Ämter fordern ihren Tribut und die Pausen. Doch: "Dieses Jahr hatte ich noch keinen Urlaub", gibt er zu. Der anstrengende Wahlkampf sei eines, die vielfältigen Aufgaben im Landtag etwas anderes.

Modernes Engagement

Ein "Acht-Stunden-Tag" sieht anders aus. "Büroarbeit, ein Besuch im eigenen Landkreis wegen Gesprächen, dann der Besuch hier bei Ihnen zum Interview, dann geht es nach Volkach, zwischendurch mit dem Büro telefonieren - wieder zurück nach Herzogenaurach, dann wieder nach München." Walter Nussel wirkt nicht gestresst, aber in freudiger Erwartung dieser Aufgaben.

Das zeigt sich auch auf seiner Facebook-Seite. Er nutzt das Medium. Es ist nicht so fein geschliffen, wie von anderen Mandatsträgern. Es wirkt dadurch aber authentischer, ehrlicher. Die politischen Diskurse sind dort eben zu finden, wie die Teilnahme am Tag des Ehrenamtes oder dem Baumaufstellen in Uttenreuth. Der Slogan "Verstehen, anpacken und umsetzen" findet sich immer wieder.

"Abgeordnete sind aus meiner Sicht, neben aller notwendigen Sachkunde in verschiedensten Politikfeldern, vor allem dazu da, nah am Ohr der Bürger zu sein und mögliche Problemlagen frühzeitig zu erkennen. Nur wenn wir uns nicht in unseren Plenar- und Ausschusssälen verschanzen, sondern permanent vor Ort im Gespräch sind, wird das funktionieren."

Und da ist sie wieder. Diese Unruhe. Es muss weitergehen bei Walter Nussel, der nächste Termin steht an. Auch ein Gespräch, aber der Praxisteil kommt noch.



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