Adelsdorf

Ein Deal zu Lasten Adelsdorfs? Bürgermeister kontern Kritik von Olmesdahl

Ralf Olmesdahl, Spitzenkandidat der "Adelsdorfer Bürger", kritisiert, die Abwasser-Vereinbarung mit Hemhofen. Die Bürgermeister sehen ihn im Irrtum.
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Aus dem Rohr rechts fließt neuerdings das Abwasser aus Zeckern in die Adelsdorfer Kläranlage. Für Ralf Olmesdahl, Bürgermeisterkandidat der "Adelsdorfer Bürger" Anlass zur Kritik. Foto: Andreas  Dorsch
Aus dem Rohr rechts fließt neuerdings das Abwasser aus Zeckern in die Adelsdorfer Kläranlage. Für Ralf Olmesdahl, Bürgermeisterkandidat der "Adelsdorfer Bürger" Anlass zur Kritik. Foto: Andreas Dorsch

Rund um Adelsdorfs Kläranlage riecht es - auch nach Wahlkampf. "Hemhofen spart, Adelsdorfer zahlen weiter hohe Abwassergebühren", ist eine Stellungnahme von Ralf Olmesdahl überschrieben, dem Bürgermeisterkandidat der Gruppierung Adelsdorfer Bürger, überschrieben.

Olmesdahl wendet sich darin gegen die Vereinbarung zwischen den Gemeinden Hemhofen und Adelsdorf. Hemhofen leitet aus Effizienzgründen künftig das Abwasser des Ortsteils Zeckern in die Kläranlage nach Adelsdorf.

Olmesdahl sieht bei dem Deal die Adelsdorfer im Nachteil. Hemhofen, so Olmesdahl, spare 80.000 Euro für die Kläranlage. Für den Kubikmeter Abwasser, der nach Adelsdorf geleitet wird, zahle Hemhofen nur 64 Cent. Er vergleicht: In Adelsdorf zahle ein Bürger 3,27 Euro. Mit 2,69 Euro pro Kubikmeter liege Hemhofen 22 Prozent unter dem Adelsdorfer Tarif, rechnet Olmesdahl vor. Wie Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) das als "Win-win-Situation" bezeichnen könne, sei "kaum zu verstehen".

"Wir finanzieren seit Jahren eine üppig ausgebaute Kläranlage. Der Bürgermeister aus Hemhofen hatte in den Verhandlungen also die beste Ausgangslage: Herr Fischkal musste ja die überdimensionierte Kläranlage irgendwie besser auslasten - und Herr Nagel hat den Preis gut nach unten drücken können." Olmesdahl spitzt zu: "In Adelsdorf schauen wir in die Röhre. Oder ins Abwasserrohr."

Bei den Adressaten der Kritik sorgen diese Aussagen für Kopfschütteln. "Ralfs Olmesdahls Rechnung ist nicht vollständig und vergleicht außerdem Äpfel mit Birnen", sagt Fischkal. Die von Olmesdahl genannten 64 Cent bezögen sich lediglich auf die Reinigungskosten des Abwassers, das in der Kläranlage Zeckern bereits vorgereinigt wird.

Adelsdorf verzichtet auf Beiträge

Vor allem vergesse er: Die Gemeinde Adelsdorf verlange seit Jahren lediglich Abwassergebühren, jedoch keine Verbesserungsbeiträge. Fischkal gibt zu: Die Gebühren in Hemhofen seien geringer. Allerdings - und das mache laut Fischkal Olmesdahls Rechnung schief - kämen in Hemhofen noch Verbesserungsbeiträge hinzu.

Bei seinem Kollegen in Hemhofen Ludwig Nagel (CSU) nachgefragt, bestätigt sich dies. Zuletzt wurden zusätzlich zu den Gebühren zweimal Beiträge von den Hemhofenern erhoben. 2008 habe die Gemeinde insgesamt vier Millionen Euro von den Bürgern bekommen, im Zeitraum zwischen 2010 und 2012 1,8 Millionen Euro. Die Kosten pro Haushalt variieren je nach Grundstücksfläche. Für einen Haushalt können, je nach Wohnsituation, bis zu fünfstellige Beträge zusammen kommen.

Fischkal findet, kontinuierliche Gebühren - wenn auch etwas höher als andernorts - seien für die Bürger leichter zu stemmen als große Beitragssummen alle paar Jahre. Der Gemeinderat habe sich auch deshalb entscheiden, lediglich Gebühren zu verlangen, weil somit nur der tatsächliche Verbrauch berechnet werde.

"Eindeutig ein Gewinn"

Auch wenn Hemhofens Bürgermeister in Olmesdahls Darstellung wie der heimliche Gewinner wegkommt, will dieser das so nicht stehen lassen. "Weil es schlicht falsch ist", so Nagel. "Hier liegen nicht alle Fakten auf dem Tisch. Solche Aussagen erschweren die interkommunale Zusammenarbeit, die zum Ziel hat, den Bürgern Geld zu sparen", sagt Nagel.

Die Abwasser-Umleitung sei auch für Adelsdorf "eindeutig ein Gewinn", da sich die Fixkosten der Anlage jetzt auf mehr Schultern verteilen, so Nagel. Hemhofen habe niemanden übervorteilt.

So habe seine Gemeinde rund 800.000 Euro in die Umleitung des Abwassers investiert (Umbau Kläranlage Zeckern plus neue Abwasserleitung).

Fischkal und Nagel bleiben dabei: Es sei eine "Win-win-Situation". Zudem profitiere die Umwelt: In Zeckern habe es keine chemische Phosphatreinigung gegeben, da dies für Anlagen dieser Größe nicht vorgesehen sei. Jetzt könne jedoch das Phosphat aus dem Abwasser herausgefiltert werden.

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