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Höchstadt a. d. Aisch
Sanierung

"Ein Ausblick fast wie im Mittelalter"

Die Arbeiten an dem denkmalgeschützten Anwesen Hauptstraße 1 in Höchstadt liegen in den letzten Zügen. In sechs Wochen soll die Weinstube eröffnen.
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Architekt Georg Leyh und Bauherr Reinhard Grasse (von links) mit dem vom Kreisheimatpfleger geschmiedeten Ausleger. Foto: Andreas Dorsch
Architekt Georg Leyh und Bauherr Reinhard Grasse (von links) mit dem vom Kreisheimatpfleger geschmiedeten Ausleger. Foto: Andreas Dorsch
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Was bisher nur ganz wenige Höchstadter zu Gesicht bekamen, sollen in sechs Wochen alle sehen können, die die "Weinstube zum Zwetschger" besuchen. Dann will Reinhard Grasse die Sanierung seines Anwesens Hauptstraße 1 neben dem Stadtturm abgeschlossen haben. "Ein Ausblick fast wie im Mittelalter", schwärmt der Liebhaber des historischen Gebäudes.

Diesen Ausblick hat er, wenn er im Innenhof seines neuen Anwesens sitzt und auf das Haus schaut, das im Jahr 1668 erbaut wurde. Das alte, aber frisch gestrichene Fachwerk und den wieder frei gelegten Laubengang überragt der angebaute Stadtturm. Wer künftig seinen Schoppen im Innenhof trinkt, kann das Ambiente genießen.

Die Familie Grasse haucht dem Haus, in dem jahrzehntelang die Familie Riegler (Hausname Zwetschger) lebte, neues Leben ein. Das geschieht in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde. Das gesamte Anwesen steht unter Schutz. Erst im Laufe der Sanierungsarbeiten wurde immer deutlicher, welcher Schatz sich hinter der verputzten Fassade verbarg. "Das hätte niemand vermutet", sagt Architekt Georg Leyh, der die weitgehende Wiederherstellung des alten Zustands betreut und der auch schon der Kultkneipe Töpfla zu neuem Glanz verholfen hat.

An dem Anwesen am Stadtturm wurde nicht nur das alte Fachwerk wieder freigelegt. Im Inneren kommen die alten Holzbalkendecken wieder zur Geltung. Die Dielenböden wurden freigelegt und abgeschliffen, die Wände bekamen einen neuen Lehmputz auf Strohunterlage, ganz so, wie es einmal war.

"Das Haus war eines der ersten in Höchstadt nach dem Dreißigjährigen Krieg", vermutet Architekt Leyh. An dieser Stelle hat aber vorher ein anderes Anwesen gestanden, meint Leyh, "weil der Keller nicht zur Hausgeometrie passt".

Ruheständler und Bauherr Reinhard Grasse ist begeistert von dem alten Gebäude. Über die Summe, die die aufwendige Sanierung verschlingt, möchte er nicht reden. Glück hat er, dass bei allen Holzarbeiten sein Sohn, ein gelernter Schreiner, aktiv zupackt. Er war sieben Jahre auf der Walz und hat dabei Freunde gewonnen. Die sind inzwischen gewerbetreibende Handwerker und haben Spaß daran, das denkmalgeschützte Objekt in Höchstadt mit alten Techniken zu sanieren.

Ziel war es für Grasse von Anfang an, in dem Haus eine Weinstube einzurichten und selbst zu betreiben. Dafür wurde das Erdgeschoss hergerichtet. Die Fliesen sind gelegt, die Küche kommt in der nächsten Woche.

Die massiven Tische im Gastraum hat Grasses Sohn aus dem Altholz eines Scheunenabbruchs in der Gegend gefertigt. Georg Schockel aus Sterpersdorf wird den Gastraum noch mit einer Bordüre verzieren, wie sie in fränkischen Häusern früher üblich war. Manfred Welker, Kreisheimatpfleger, promovierter Historiker und gelernter Schmied, hat bereits einen Ausleger geschmiedet, der an der Fassade angebracht wird.

Das Obergeschoss soll eine Wohnung werden. Unterm Dach entsteht ein Tagungs- und Veranstaltungsraum für geschlossene Gesellschaften. Grasse ist zuversichtlich, dass sein Angebot Höchstadt belebt: "Ich kann mich schon jetzt vor Anfragen nicht retten."

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