Bösenbechhofen
Wald

Eichen sollst du suchen...

Eichen unter Föhrenbestände gemischt sind eine Klimachance für Wälder auf trockenen Aischgründer Standorten. Weshalb das so ist, erläuterte Astrid Fischer den Waldbauern aus dem Landkreis Erlange-Höchstadt.
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Die Eiche könnte dem Wald im Aischgrund viel Gutes tun.
Die Eiche könnte dem Wald im Aischgrund viel Gutes tun.
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Am Waldrand unter blühenden Eichen parkt ein silberfarbener Pkw. Eine junge Frau klebt Schaubilder an. Astrid Fischer begrüßt mit eindeutig bayerischem Tonfall gut 20 Personen, die alle etwas mit Wald zu tun haben und zumeist auch Eigentümer von Flächen sind. Fischer ist Forstanwärterin bei Förster Stefan Stirnweiß im Röttenbacher Revier.

"Nach oberbayerischen Fichtenbeständen wollte ich den fränkischen Misch/Föhrenwald kennen lernen", begründet sie ihre Ortswahl und das Thema der Exkursion. Um die Eiche geht es.

Sie will Waldbauern Quercus robur nahe bringen, ein Baum, der nach Meinung der Fachleute gute Chancen hat, den Klimawandel zu verkraften. Dazu macht sie ihr Auto zur Schautafel. Um die "Lastenverteilung" auf unterschiedliche Baumarten zu verdeutlichen. Die tiefreichende Wurzel lässt sie auch auf trockenen Standorten wachsen. Dabei ist sie aber nicht empfindlich auf Staunässe, wie alte Eichen um Weiher beweisen.

Allerdings, so macht Fischer bei den Rundgängen zu jungen und älteren Mischbeständen klar, stellt die Eiche doch ihre Bedingungen. Die wichtigste ist: Der Baum braucht Licht für die Krone, verträgt aber gut niedrigen Unterwuchs wie junge Eichen oder Buchenschösslinge. Die zwei Baumarten vertragen sich wegen ihrer unterschiedlichen Lebensansprüche gut miteinander und stehen deshalb oft eng beieinander. Da klappt es dann mit dem Sprichwort für Gewitter nicht, nach dem man den Eichen ausweichen und die Buchen suchen soll. Ob die Regel zutrifft? Es könnte eine uralte Erfahrung dahinterstecken. Denn die Eiche treibt ihre Wurzeln in größere Tiefen als die Buche und ist deshalb trockenheitsresistenter. Das wiederum ist der Hauptgrund, weshalb Fischer für die mageren Sandböden zur Eiche als Beimischung rät.

"Unterholz hält den Boden kühl und schützt vor Schädlingsbefall wie dem Eichen- oder den Kiefernprozessionsspinner", erläutert Fischer. Letztgenannter ist derzeit noch nicht bei uns heimisch, aber eindeutig bei wärmeren Temperaturen auf dem Vormarsch.

Die Waldbauern sind skeptisch. Langsameres Wachstum mache die Eiche wenig lukrativ. Das versucht Fabian Cziba, der Förster der Waldbauernvereinigung, mit den Erlösen de r letzten Jahre zu widerlegen. 20 Prozent mehr werde bei Stamm- und bei Brennholz für die Eiche gezahlt. Bei Submissionen erzielte Aischgründer Eiche sogar Werte von bis zu 890 Euro je Festmeter.

Die Feinheiten des Untermischens unter einen älteren Föhrenbestand zeigte Fischer an der Eichensaatfläche der Familie Firnkäs. Dreimal in etwa 15 Jahren wurde der Bestand durchforstet, um den jungen Eichen genügend Lichtraum zu geben.

In großer Konsequenz setzt das auch die Schönborn'sche Forstverwaltung am Uttsberg bei Aisch um. Dort wurden sogar "mittlere" Eichen zum Verkauf geschlagen. Im Vordergrund dieses Hieb stand, so Fischer, aber nicht die Holz-, sondern die Lichtgewinnung für bewährte Sameneichen. Am Fortstweg stapeln sich Stämme um Stämme: Föhren, Buchen und Eichen, sortiert und kategorisiert. Der Laie könnte glauben, dass die eingeschlagenen Festmeter einen Kahlschlag hinterlassen hätten.

Weit gefehlt! Dahinter steht Wald mit dunklen Föhrenwipfeln, gerade treibenden Buchen und hochaufragenden Eichen. Für sie wurde Raum geschaffen, damit sie ihre Kronen hoch, hoch oben ausbilden können. Zarte, lichtgrüne Schirme bilden sie, während das andere Laubgehölz erst seine Blattknospen öffnet. Die Eiche ist heuer offenbar die erste. "Das wird kein schöner Sommer", schwenkt Fischer auf ein ganz anderes Thema, auf Bäume als Witterungsanzeiger. Nach alter Förstererfahrung deutet frühe Eichenblüte auf einen niederschlagsreichen Sommer hin. Blüht die Esche zuerst, rechnen sie mit heißen und trockenen Monaten.




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