Oberreichenbach
Gottesdienst

Egidienkirche in Oberreichenbach: Ein Gottesdienst in vertrauter Runde

Evangelische Gottesdienste in Oberreichenbach finden nur alle zwei Wochen statt. Die Gemeindemitglieder sind sich gut bekannt.
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Die Egidienkirche in Oberreichenbach ist vermutlich im Zusammenhang mit dem Aufbau des Klosters Münchaurach zwischen 1123 und 1139 entstanden. Foto: Manfred Welker/Archiv
Die Egidienkirche in Oberreichenbach ist vermutlich im Zusammenhang mit dem Aufbau des Klosters Münchaurach zwischen 1123 und 1139 entstanden. Foto: Manfred Welker/Archiv

Das Urteil unseres Testers:

Die Kirche stellt in Oberreichenbach nach wie vor den Mittelpunkt des Dorfes dar" - so steht es zumindest auf der Internetseite. Insgesamt gestaltete sich der Gottesdienst als kompakt und harmonisch. Die Kirche als fester Bestandteil in der Woche, als Treffpunkt zum Austausch - die Wichtigkeit dessen wird trotz der Gottesdienstzeiten nur im zweiwöchentlichen Rhythmus in Oberreichenbach deutlich. Dass hier die Gemeindemitglieder regelmäßig zusammen kommen, zeigt nicht nur der kräftige Gesang bei allen Liedern. Dazu ist es außerdem passend, dass Prädikant Alfred Padur in seiner Predigt auf die steigende Zahl der Kirchenaustritte eingeht. Dem zum Trotz bestärkt er die Anwesenden in ihrem Glauben und im Glauben an einen Zusammenhalt. Deutlich zeigt sich in seiner Predigt auch die Auslegung der Bibel durch seine Worte und die Übertragung in die heutige Zeit.

Die Gläubigen sind alle schon älter und man fühlt eine Verbundenheit. Sehr angenehm waren die - auch im übertragenen Sinne - weit offen stehende Kirchentür sowie die persönliche Verabschiedung am Ende, die in größeren Kirchengemeinden so sicherlich nicht möglich ist.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg

Gottesdienste in Oberreichenbach finden im zweiwöchentlichen Wechsel mit denen im nahegelegenen Münchaurach statt. Prädikant Alfred Padur begrüßte die Anwesenden herzlich und kam auf die Einordnung des Gottesdienstes in den Jahreskreis zu sprechen. Die Kirche ist nur spärlich besetzt, lediglich acht Leute haben den Weg in das Gotteshaus gefunden. Alfred Padur geht darauf ein, dass auch in kleiner Runde ein schöner Gottesdienst gefeiert werden kann.

2. Musik

Der Organist läuft kurz vor Beginn des Gottesdienstes durch den Kirchenraum zur Orgelempore. Er spielt laut, größtenteils sicher. Trotz geringer Besucherzahl sind die Lieder den Anwesenden alle sehr gut vertraut. Sie singen kräftig mit, sodass der ganze Kirchenraum ausgefüllt ist. Es werden viele Lieder gesungen, allerdings meist nur die ersten ein bis zwei Strophen. Genau die richtige Länge!

3. Lesung

Die Lesung übernimmt eine Messdienerin. Sie ist an diesem Sonntag auch die einzige, die am Gottesdienst mitwirkt. Sowohl sie als auch Prädikant Alfred Padur sprechen über ein Mikrofon und sind so auch für ein volles Haus bestens gerüstet. Auch wenn das Mikrofon ab und an rauscht, sind sie gut und deutlich hörbar.

4. Predigt

Für die Predigt begibt sich Prädikant Alfred Padur auf die Kanzel. Er verliest erst das Evangelium für den entsprechenden Sonntag. Anschließend geht er in die sich darauf beziehende Predigt über. In dieser ging er besonders auf die Frage ein, wer die Gläubigen als Kirche und als Christen seien. Er plädierte trotz Kirchenaustritten für einen Zusammenhalt im Glauben. "Für manche sind wir Anstößige, für andere Denkanstöße." Man kann dem Predigttext gut folgen, er gerät nur gegen Ende ein wenig zu lang.

5. Kommunion/Abendmahl

In diesem Gottesdienst wurde kein Abendmahl gefeiert.

6. Segen

Am Ende des Gottesdienstes spricht Alfred Padur die kommenden Termine an und nennt das Datum des nächsten Gottesdienstes in Oberreichenbach. Er bedankt sich bei der Gemeinde, bei der Mesnerin und dem Organisten. Anschließend spricht er den Segen, der Organist begleitet die Besucher mit Musik nach draußen. An der Tür verabschiedet Alfred Padur jeden einzelnen mit Handschlag und wünscht einen gesegneten Sonntag.

7. Ambiente

Die Kirche liegt mitten im Ort, der sie umgebende Zaun lässt das Gelände wie einen kleinen Garten wirken. Die Kirchentür steht bis kurz vor Gottesdienstbeginn weit offen. Das ist sehr einladend. Der Altar ist rundherum mit frischen Blumen geschmückt. Trotz der Sommerhitze der vorangegangenen Tage ist die Kirche angenehm kühl. Viele der Besucher, die kurz vor dem Gottesdienst eintrudeln, kennen sich und setzen sich in kleinen Gruppen zusammen. Vor Beginn der Messe tauschen sie sich noch rege aus.

8. Kirchenbänke

Auf den beiden Seiten der kleinen Kirche sind die Bänke angeordnet, dazwischen führt ein Mittelgang zum Altar. Die Kirchenbänke sind klassisch aus Holz, ein braunes Polster liegt auf der Sitzfläche. Für das bequeme Sitzen ist eine abgeschrägte Fußbank an jeder einzelnen Holzbank mit angebracht.

9. Beleuchtung

Im kleinen Altarraum stehen einige Kerzen auf dem Altar. Buntglasfenster auf der rechten Seite der Kirche lassen aber ohnehin genug Licht einfallen, sodass die Kirche gut ausgeleuchtet ist. Das Licht reicht auf jeden Fall, um die Lieder im Gesangbuch gut mitlesen zu können. Schlichte, kegelförmige Deckenleuchten unterstützen mit gezielt eingesetztem elektrischen Licht. In der Mitte hängt ein Kronleuchter, dessen Kerzen an diesem Sonntag allerdings nicht an sind.

10. Sinne

Die Glocken läuten pünktlich den Beginn der Messe ein. Die Kirche ist sehr klein, aber gemütlich: Farbe erhalten die grauen Steinwände durch dezente, kunstvoll gemalte Muster, die die Mauerbögen zieren. Auch die Kirchenfenster leuchten mit dem einfallenden Licht in gedeckter Farbe. Der Raum ist vom Orgelklang gut ausgefüllt.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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