Lonnerstadt
Gericht

Drogenrausch oder Freiheitsberaubung?

Hat er seine Freundin mehr als zwei Tage in der Wohnung eingesperrt? Oder wollte sie wegen exzessiven Drogenkonsums einfach nicht vor die Tür gehen?
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Zur Beantwortung dieser Fragen waren gestern ein 40-Jähriger aus Lonnerstadt und seine 34-jährige Ex-Freundin vor dem Erlanger Amtsgericht geladen. Als Zeugin sagte zudem die Mutter des Angeklagten aus.

Zwischen den beiden Partnern war es Ende April - wieder einmal - zu einem Streit gekommen. Alkohol war laut Aussage der Frau im Spiel, Drogen laut Aussage des Mannes. Schließlich soll er während sie schlief die Türen der Kellerwohnung verschlossen und alle Schlüssel und Handys an sich genommen haben. Als sie am nächsten Tag zur Arbeit gehen wollte, habe er sie nicht gelassen, berichtete die 34-Jährige. Erst noch einen weiteren Tag später habe sie ihm einen Schlüssel abnehmen und fliehen können.

Zeugin räumt "Übertreibung" ein

Im Zeugenstand relativierte die Frau ihre Aussage, er habe sie noch zurückgehalten und erst gehen lassen, nachdem sie sich nackt ausgezogen habe. "Das war übertrieben. Ich war nur für das Wetter recht dünn angezogen und habe mir daher noch einen Pulli von der Wäscheleine genommen." Sonst habe aber alles gestimmt, was sie nach der Flucht bei der Polizei ausgesagt habe. Auch, dass ihr Partner sie so heftig am Arm packte, dass sie blaue Flecken davontrug. Bilder davon lagen Richter Wolfgang Förster vor.

"Sie hatte die ganze Zeit ihren Schlüssel", widersprach der Angeklagte. Sie habe Drogen genommen und konnte oder wollte deshalb nicht zur Arbeit. "Darum wollte sie ja auch nicht raus, als die Kollegen vor der Tür standen." Diese waren nämlich vorbeigekommen, um einen Schlüssel abzuholen, nachdem die Frau unentschuldigt der Arbeit fern geblieben war.

"Dass sie nicht beim Arbeitgeber angerufen hat, macht mich stutzig", erklärte der Richter. Das deute darauf hin, dass sie tatsächlich kein Telefon zur Verfügung hatte. Denn zum einen hätten Kollegen sie als sehr zuverlässig beschrieben. Zum anderen hätte sie sich doch krank gemeldet, selbst wenn sie einfach hätte blau machen wollen.

Ein weiterer Punkt: Die Aussagen der Mutter widersprachen zum Teil denen des Sohnes. Er meinte, er habe seine Freundin "lautstark rausgeschmissen", von Flucht könne daher keine Rede sein. Die Mutter berichtete, sie habe sich gemeinsam mit ihrem Sohn Sorgen gemacht, als sie nicht wieder gekommen sei.

Kein Belastungseifer

"Außerdem konnte ich bei der Zeugin keinerlei Belastungseifer erkennen. Sie wollte die Anzeige ja sogar zurückziehen", so Förster. Sie habe seiner Überzeugung nach einfach nur berichtet, was passiert ist.

Dagegen spräche die Polizei-Aussage des Mannes Bände, dass seine Ex oft blaue Flecken habe "weil sie sich permanent irgendwo anstoße" oder auf ihn losgehe und er sie sich dann vom Leib halten müsse. "Da pulsiert bei mir die Halsschlagader. Sowas hören wir immer wieder", schimpfte Förster aufgebracht.

In Anbetracht einiger Vorstrafen, die aber schon längere Zeit zurückliegen, verurteilte Förster den 40-Jährigen wegen Freiheitsberaubung in Tateinheit mit Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die er aber auf Bewährung aussetzte. Als Auflage muss er eine Geldbuße von 900 Euro an den Weißen Ring zahlen.

Der 40-Jährige meinte in seinem letzten Wort nur. "Ich habe nicht gelogen. Es hat sich so nicht zugetragen."

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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