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Erlangen
Medizin

Drama um den kleinen Lukas: 10 Monate alter Junge aus Franken braucht ein Spenderherz

Der gerade mal zehn Monate alte Lukas hat einen schweren Herzfehler und ist an der Erlanger Uniklinik der weltweit jüngste Patient mit einem Kunstherzantrieb. Er wartet dringend auf eine Transplantation.
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Lukas (10 Monate) ist der weltweit jüngste Patient mit einem Kunstherzantrieb. Im Klinikum Erlangen wartet er auf ein passendes Spenderorgan. Foto: Männel/Klinikum Erlangen
Lukas (10 Monate) ist der weltweit jüngste Patient mit einem Kunstherzantrieb. Im Klinikum Erlangen wartet er auf ein passendes Spenderorgan. Foto: Männel/Klinikum Erlangen
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Von der Geburt direkt auf die Intensivstation - der Start ins Leben verlief für den kleinen Lukas alles andere als glücklich. Kurz nach seiner Geburt in Nürnberg stellten die Ärzte nach der Ultraschalluntersuchung fest, dass irgendwas mit dem Herzen nicht stimmt.

Die Eltern aus der Nähe von Neumarkt mussten deshalb mit Lukas immer wieder zur Kontrolle nach Nürnberg.

Seltene Spontanmutation: Lukas Herz ist zu schwach, um ihn am Leben zu erhalten

Der Vater Konrad H. berichtet: "Bei der Hochzeit meines Bruders ist Lukas blau angelaufen. Wir haben ihn sofort nach Nürnberg gebracht. Von dort kam er per Kinderintensivtransport ins Uni-Klinikum nach Erlangen. Damals wäre er fast gestorben". Dort stellten die Ärzte fest, dass Lukas' Herz zu schwach ist, um ihn aus eigener Kraft am Leben zu halten. Er leidet an einer Kardiomyopathie, ein Herzmuskel ist krank, die Herzfunktion stark eingeschränkt.

"Die Erkrankung ist genetisch bedingt - durch eine Spontanmutation, die bisher weltweit nur bei neun Patienten beschrieben wurde", so Professor Sven Dittrich, Leiter der Kinderkardiologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen.

Was hieß das für Lukas? Der Kleine bekam selbst nach längerer intensivmedizinischer Behandlung auch in Ruhephasen nicht mehr ausreichend Luft. Lukas brauchte ein Kunstherz zur Unterstützung seiner linken Herzkammer. Das wurde von Professor Robert Cesnjevar, dem Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung des Uniklinikums, implantiert. Dabei sind über Kanülen im Körper die Schläuche der Pumpe mit Lukas Herzen und mit den Blutgefäßen verbunden.

Ein Leben in der Kardiologie: Familie aus der Oberpfalz verbringt fast die ganze Zeit im Krankenhaus

Von Herzschwäche ist dem Jungen seither zwar kaum mehr etwas anzumerken, die Einschränkungen sind jedoch groß. Die letzten drei Monate haben Lukas und seine Eltern, die in der Oberpfalz wohnen, mehr oder weniger die ganze Zeit in der Erlanger Kinderkardiologie verbracht. Der über 90 Kilogramm schwere stationäre Kunstherzantrieb erlaubte nur einen Bewegungsradius von wenigen Metern. "Der Antrieb ist sehr laut und heizt auch den Raum auf, in dem er steht", beschreibt der Vater die belastende Situation.

Seit wenigen Wochen hat der Junge deshalb einen neuen Antrieb bekommen. Der elektropneumatische Antrieb ist lediglich so groß wie ein Handgepäckstück, wiegt nur 15 Kilogramm und kann an einen Kinderwagen angebracht werden. Lukas ist das weltweit jüngste Kind, das bislang einen solchen Antrieb erhalten hat. Der erlaubt jetzt sogar Spaziergänge der Eltern mit dem Kleinen, denn der Akku hält fünf bis sieben Stunden. Eine riesige Erleichterung für den kleinen Patienten und seine Eltern. Nach Aussage der Erlanger Experten könnte der Junge theoretisch unbegrenzt lange mit dem System leben, aber: "Ein Kunstherz birgt auch Risiken - zum Beispiel für einen Schlaganfall oder Infektionen", so Professor Cesnjevar.

Das heißt, die Erlanger Kinderkardiologie bleibt bis auf weiteres das Zuhause von Lukas. Hier muss er die Zeit überbrücken bis zu einer lebensrettenden Herztransplantation. Auf der Warteliste steht Lukas ganz oben.

Lukas wartet auf ein Spenderherz - das richtige zu finden, ist nicht einfach

Das richtige Herz zu finden wird schwierig. Er braucht ein sehr kleines Herz. Erschwerend kommt hinzu, "dass derzeit wegen der Corona-Pandemie auch große logistische Hürden zu überwinden sind, was Spenderherzen aus dem Ausland betrifft", erläutert Michael Weyand, Direktor der Erlanger Herzchirurgie und Sprecher des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg.

Das heißt: Lukas und seine Eltern werden noch viel Geduld und Kraft aufbringen müssen, ehe der Kleine einmal unbeschwert mit anderen Kindern herumtollen kann.

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