"Der digitale Wandel erreicht auch die Büchereien mit voller Wucht", erklärte Gabriele Lechner, Leiterin der Stadtbücherei Herzogenaurach, in ihrem Jahresbericht während der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses. "Das zeigt sich nicht nur an der gestiegenen Nutzung von E-Medien über die Onleihe, sondern auch an neuen Angeboten", so die Leiterin.

Am 9. Februar 1981 wurde die Stadtbücherei in den Räumen des Schlossgebäudes mit einem Bestand von 10 000 Bänden eröffnet und galt mit der modernen Mediothek als mustergültige Vorzeigebibliothek. "Als ich in der Stadtbücherei anfing, erklärte mir meine Vorgängerin, dass die Bücherei bald umziehen werde. Daraus sind nun fast 38 Jahre geworden", erzählte die Leiterin schmunzelnd.

In den nahezu 38 Jahren habe sich viel getan, denn der mediale Wandel sei eine der großen Herausforderungen der Gegenwart. Er verändere auch die Arbeitsbedingungen von Bibliotheken, nicht aber deren Zweck, im Gegenteil. Denn auch im digitalen Zeitalter stünden Bibliotheken für das Grundrecht auf Information, für Teilhabe und Chancengerechtigkeit, für Leseförderung, Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz und auch für sinnvolle Freizeitgestaltung.

Jährliche Zukäufe

Noch dominieren in den historischen Räumen Bücher in den Regalen, die Stadtbücherei hat inzwischen über 25 000 ausleihbare Medien. Dieses Angebot wird ständig erweitert und jährlich werden rund 2000 Neuerscheinungen erworben. Der Buchbestand umfasst rund 20 Kategorien wie Romane, Bilderbücher, Erstlesebücher, Kinder- und Jugendbücher sowie Comics und Sachbücher. Dazu gehört auch Fremdsprachiges, das ebenfalls von den gut 2500 Lesern genutzt wird.

Wie Gabriele Lechner erläuterte, gingen der Medienbestand und die Entleihungen der realen Medien zwar etwas zurück, dafür stiegen aber die Downloadzahlen der Onleihe auf über 19 000 bis Ende November des vergangenen Jahres, und auch der neue Musikdienst "Freegal" sei gut angenommen worden. Im ersten halben Jahr streamten 140 Nutzer über 9000 Titel und luden über 9000 Titel dauerhaft herunter.

Da sich die Stadtbücherei in den nächsten Räumen räumlich nicht vergrößern wird, seien die virtuellen Zweigbibliotheken mit Onleihe und "Freegal-Music" die einzige Möglichkeit, den viel zu kleinen Medienbestand (Sollbestand 50 000 Medien) zu ergänzen und kulturelle, soziale und digitale Teilhabe für alle Bürger generationenübergreifend möglich zu machen.

Besonderen Wert legen Gabriele Lechner und ihr Team auf junge und jüngste Leser. So gab es 70 Besuche von Klassen oder Kindergartengruppen sowie zwei Lesenächte für Grundschulklassen, 23 Vorlesestunden oder Bilderbuchkinos, die Bücherrallye "Magische Welten" und zehn Bücherbärchen-Stunden für Krabbel- und Kleinkinder sowie das Kamishibai-Theater "Dank des Kranich" und natürlich die beliebten Bücherkisten und Leserucksäcke.

Zum Spielen in der Bücherei und zur Ausleihe für Kindertagesstätten und Grundschulen wurde ein "Bee-Bot" angeschafft. Der Bee-Bot ist ein kleiner Bodenroboter, der sich mit Tasten programmieren lässt und das analytische und vorausschauende Denken sowie die Problemlösekompetenz von Kindern spielerisch fördert. Mit der kleinen Roboter-Biene erhalten die Kinder einen Einblick in die Robotik und lernen, dass Roboter bzw. Computer nicht selbstständig denken, sondern Befehle befolgen, die wir Menschen ihnen in Form von Codes geben.

Seit November werden auch "Tonie-Figuren" und "Tonie-Boxen" verliehen. Die Box ist digital, gepolstert und kinderleicht mit Figuren - auch Tonies genannt - zu bedienen. Einfach drücken, klapsen, kippen und sie macht genau das, was das Kind möchte. Um die Audiodatei zu starten, muss die entsprechende Figur nur auf die eingeschaltete Box gestellt werden und schon geht der Hörspaß los.

Selbstbuchung für Nutzer

Wie Gabriele Lechner weiter erläuterte, werden sich für die Stadtbücherei durch den vorübergehenden Umzug in die frühere Puma-Verwaltung während des Rathaus-Neubaus einige Änderungen ergeben. So werden alle Medien an einer eingangsnahen Theke verbucht. Mehrmaliges Anstellen für Ausleihe und Rückgabe verschiedener Medienarten sei damit nicht mehr nötig. Eine separate Infotheke erlaube ausführliche Beratungen, vor allem bei Neuanmeldungen oder Problemen mit der Onleihe.

Sobald eine Selbstbuchungsstation und Sicherungsgates installiert sind, können die Nutzer ihre Medien auch selbst verbuchen. Zur Vorbereitung der Selbstbuchung wurde von den Mitarbeiterinnen vom April 2017 bis April 2018 bereits der Medienbestand konvertiert. Dazu erhielt jedes Medium ein zusätzliches Etikett, dessen Code mit den Katalogdaten verknüpft wurde. Und zu guter Letzt soll laut Lechner die Möglichkeit geschaffen werden, Entgelte unbar zu bezahlen.

Es finden weiterhin regelmäßig Veranstaltungen in der Bibliothek statt: Vorlesestunden, Lesenächte, Ferienaktionen wie die Ausgabe von Leserucksäcken, Bücherrallyes für Kinder oder englische Buchclubs für Erwachsene. Die Stadtbücherei öffnet, nach der Schließung am 12. Januar wieder am 22. Januar um 14 Uhr in den neuen Räumlichkeiten im Rathaus-Interimsquartier im ehemaligen Puma-Gebäude.