Herzogenaurach
Bilanzen

Die Stadt schreibt Kultur groß

Städtische Einrichtungen wie Volkshochschule, Stadtmuseum oder Bücherei blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück und haben auch heuer viel vor.
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Die Stadtbücherei hat auch Veranstaltungen für Kleinkinder im Angebot. Richard Sänger (Archiv)
Die Stadtbücherei hat auch Veranstaltungen für Kleinkinder im Angebot. Richard Sänger (Archiv)
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Die Jahresberichte der städtischen Einrichtungen in der Sitzung des Herzogenauracher Kulturausschusses bewiesen einmal mehr, dass in Herzogenaurach kulturell sehr viel geboten wird. Zu den Berichten des Sachgebietes Kultur, von Volkshochschule, Stadtbücherei, Stadtmuseum und Generationenzentrum sowie der Käthe-Zang-Musikschule gab es wenige Fragen und auch keine Kritik, stattdessen viel Lob und Anerkennung für die einzelnen Einrichtungen, zum einen für durchgeführte Aktionen und Programme und zum anderen für die sehr detaillierten und ausführlichen Berichte.


Sachgebiet Kultur

Der Jahresbericht für das Sachgebiet Kultur wurde von Helmut Biehler vorgetragen, und er konnte durchwegs von gut besuchten Veranstaltungen berichten. Die Ausgaben seien unterhalb des Haushaltsansatzes geblieben, obwohl bei den Großveranstaltungen wie Altstadt- und Mittelalterfest sowie der Sommerkirchweih die Kosten für das Sicherheitskonzept zu Buche schlugen. "Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen werden auch in den kommenden Jahren umgesetzt und erhebliche Auswirkungen auf die Haushaltsansätze und Ausgaben haben", erklärte Biehler.
Wie er weiter erläuterte, waren nicht nur die Großveranstaltungen sehr gut besucht, sondern auch die Einzelveranstaltungen im Rahmen der Kulturtage unter dem Thema "schräg/strich ... ". Dies seien die letzten Kulturtage in der alten Form gewesen, bereits im Februar werde der Ticketverkauf für die Höhepunkte des diesjährigen Kulturfestivals "hin & herzo" beginnen. Biehler erinnerte daran, dass das Thema des Festivals "Revolution" auch ein Jahresthema sein wird. "Bis zum Sommer wartet jetzt noch viel Arbeit, vor allem was das Organisatorische betrifft. ,Hin & herzo‘ ist diesbezüglich eine für Herzogenaurach neue und auch große Hausnummer", sagte Biehler.


Gedenken an NS-Opfer

Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wird es am 27. Januar einen Vortrag im Sitzungssaal des Rathauses geben. Das Thema habe einen sehr engen Bezug zu Herzogenaurach und Mark Devin wird unter dem Titel "Ermordet und vergessen" an zehn Herzogenauracher Bürger erinnern. Sie waren Opfer des nationalsozialistischen Euthanasie-Tötungsprogramms. Der Vortrag entstand aus den Recherchen, die der Herzogenauracher Historiker erst im vergangenen Jahr zu diesem Thema gemacht hat. Wie der Bürgermeister, auch auf Nachfrage von Stadtrat Peter Simon (Grüne) erklärte, soll den Opfern auch eine Straße gewidmet werden, außerdem seien ein Gedenkstein oder Stolpersteine vorstellbar.
Das Open-Air-Kino ist vorgesehen vom 14. bis 23. Juni und wird vorerst zum letzten Mal im Schlosshof nach dem Altstadtfest vom 1. bis 3. Juni stattfinden. Die Sommerkirchweih startet am 7. und geht bis zum 15. Juli. Am Montag, 9. Juli, werden in diesem Jahr Ehrenamtliche geehrt, die sich in den Feuerwehren und Rettungsvereinen engagieren. Parallel zum Open-Air-Kino und zur Sommerkirchweih findet in diesem Jahr die Fußball WM statt - dies müsse erfahrungsgemäß immer berücksichtigt werden. Das Mittelalterfest am 28. und 29. Juli wird wie schon im letzten Jahr wieder von der Stadt, also ohne Beteiligung der Förder- und Werbegemeinschaft organisiert.


Das Stadtmuseum

Sichtbar stolz zeigten sich Irene Lederer und Christian Hoyer bei ihrem Bericht zum Stadtmuseum und Stadtarchiv. So brachte die Sonderausstellung "70 Jahre Schaeffler" einen Besucheransturm, auch Ausstellungen während des Jahres wie "Die Welt des Michael Prechtl" mit der Privatsammlung von Bernd Wüstner seien ein Anziehungspunkt gewesen. Zu den Projekten "Nachts im Museum" und dem Projekttag "Museumskoffer am Gymnasium" sowie "Schüler führen Schüler" regte CSU-Stadtrat Franz-Josef Lang an, verstärkt auf Museumspädagogik zu setzen, was ihm Christian Hoyer auch zusichern konnte. So startete bereits im September das Schüler-Projekt, und eine Schülerin aus der fünften sowie ein Schüler aus der vierten Klasse werden vorbereitet, Führungen im Museum selbstständig durchzuführen. Zielgruppen seien zunächst ihre Altersgenossen.
Im Februar startet die Ausstellung "Wir scheuen keine Konflikte", in der mit Texten und Bildern auf die Methoden und die praktische Arbeit in Konfliktregionen hingewiesen wird. Im Mai wird die Zeit von Flowerpower und Weltraumdesign im Museum Einzug halten. Auch das Stadtmuseum greift im Herbst mit der Ausstellung "Ermordet und vergessen" das Thema der Tötungsanstalten in der NS-Zeit auf.
Irene Lederer wies zum wiederholten Mal auf die Platzprobleme sowohl im Museum wie auch im Depot hin, zumal sie eine Reihe von neuen Exponaten von Privatpersonen entgegennehmen konnte. Der Vorschlag von Siegbert Sendner (SPD), doch das "Alte Spital" dem Museum zuzuschlagen, lief ins Leere, denn Bürgermeister German Hacker (SPD) wies darauf hin, dass der Stadtrat beschlossen habe, das Gebäude einer Wohnnutzung zuzuführen.


Die Stadtbücherei

Die Stadtbücherei rechnet beim Auszug aus dem sanierungsbedürftigen Schlossgebäude mit Einschränkungen für die Nutzer, erklärte Leiterin Gabriele Lechner in ihrem Jahresbericht. Deshalb will die Bücherei ihr digitales Angebot weiter ausbauen. Bereits seit September sind die Mitarbeiterinnen mit der Konvertierung der Medien beschäftigt. So muss jedes Medium aus dem Regal genommen und innen mit einem Transponder-Etikett beklebt und ins Büchereisystem eingegeben werden. "Gleichzeitig wird der Bestand gründlich kontrolliert und beschädigte Exemplare aussortiert", erläuterte die Leiterin. Lechner berichtete auch von einem Besuch der Landesfachstelle für das Öffentliche Bibliothekswesen in Herzogenaurach. Im Abschlussbericht der Fachstelle werde die Atmosphäre der jetzigen Räumlichkeiten mit Stuckdecken und Kronleuchtern gelobt, es werde aber auch auf die Enge und Sanierungsbedürftigkeit der Räumlichkeiten hingewiesen.
Die Büchereileiterin wies insbesondere auch auf die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten hin. Die Schlagzeile "Fast jeder fünfte Viertklässler kann nicht richtig lesen" treffe auf die Herzogenauracher Schüler ganz sicher nicht zu, erklärte Lechner. So besuchten 64 Klassen oder Kindergartengruppen die Bücherei, drei Klassen erlebten Lesenächte in der Bücherei und sieben Klassen kamen regelmäßig zur Ausleihe. Auch die Nachfrage nach Bücherkisten steige stetig an und Themen wie "Wald" werden ständig nachgefragt. Gabriele Lechner erinnerte auch an gemeinsame Aktionen mit der Musikschule, zwei Vorlesestunden und Bilderbuchkinos.


Die Volkshochschule

Zufriedenheit und Zustimmung gab es auch beim Bericht der Volkshochschule (VHS), den Leiter Oliver Kundler und seine Stellvertreterin Fabienne Geißdörfer vortrugen. So gab es im letzten Jahr 652 Veranstaltungen mit 7120 Teilnehmern. Wie Fabienne Geißdörfer erläuterte, gab es auch im Jahr 2017 eine steigende Zahl an Sprachkursen. Seit September werde auch das Sprachniveau B2 unterrichtet ab März werde auch Sprachniveau C1 ins Programm aufgenommen. Den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Integrationskurs bezeichnete Geißdörfer als Erfolg. So bestanden 47 Prozent der Teilnehmer den Integrationskurs 1 und 2 und lagen damit über dem regionalen Durchschnitt von 40 Prozent.
Dem Vorschlag von Peter Simon, kleinere Gruppen zu bilden, um damit den Kurs zu intensiveren, konnte Geißdörfer nicht zustimmen. Dazu gebe Vorgaben des Bundesamtes, und letztendlich hänge es auch von den Teilnehmern ab. Den erfolgreichen Teilnehmern zollte Geißdörfer hohes Lob. "Es ist nicht leicht, als Erwachsener in einem dreiviertel Jahr Sprache und Schrift zu lernen. Betrachten wir es mal umgekehrt und lernen in neun Monaten arabisch zu sprechen und zu schreiben."
Oliver Kundler berichtete von den Vorbereitungen zum Qualifizierten Mittelschulabschluss/Abitur. Dort würden die Teilnehmer-Buchungen alle Erwartungen übertreffen. Auch die Vorträge seien meist überfüllt gewesen. Kundler wies auf vier Vorträge in diesem Jahr hin und lud zum 65-jährigen Jubiläum der VHS am 9. Juni ein.
Letztmalig wird es in diesem Jahr "Kultur grenzenlos" geben, der Arbeitskreis beendet nach 22 Sommern seine Tätigkeit. Am 12. Mai geht es mit "Friedland" und Markus Milian Müller los, gefolgt von "Harp & harb" am 16. Juni. Das "Machado Quartett" gastiert am 30. Juni im Hof der Familie Lang und mit einem Jazz-Frühschoppen endet "Kultur grenzenlos". Oliver Kundler feilt aber schon an einer neuen Veranstaltungsreihe.
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