Kleinweisach
Nutzpflanze

Die Sonnenblumen-Idee aus Kleinweisach

Ach, herrlich blühten die Sonnenblumen bei Frimmersdorf. Jetzt sind sie erntereif. Doch was passiert dann damit?
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Im Juli schmückten üppige Sonnenblumen Frimmersdorf.   Mittlerweile sind die Pflanzen verblüht und  erntereif.  Wenn das Wetter mitspielt, wird kommende Woche gedroschen. Dann kommen die  Kerne in belüftete Silos.  Foto: Christian Bauriedel
Im Juli schmückten üppige Sonnenblumen Frimmersdorf. Mittlerweile sind die Pflanzen verblüht und erntereif. Wenn das Wetter mitspielt, wird kommende Woche gedroschen. Dann kommen die Kerne in belüftete Silos. Foto: Christian Bauriedel
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Van Gogh hätte sich wohl glatt sein zweites Ohr auch noch abgeschnitten, wäre er im Juli an Frimmersdorf vorbeigekommen. Denn die Sonnenblume, die Lieblingsblume des niederländischen Malers, stand hier in voller Blüte.

Vor dem Ort, rechts drin: ein Meer aus Gelb. Und nicht nur dort, auch an anderen Flecken waren die Sonnenblumen ein Hingucker.

Für die Farbtupfer hat Alfred Winkler gesorgt. "Schön, gell?", sagt der Landwirt aus Kleinweisach. "Das Optische spielt schon auch mit." Zum anderen wollte er etwas für die Insekten tun. Das Bestäubersterben sei ja ein großes Thema. Da wollte er ein Zeichen setzen. Dass Landwirte eben nicht immer die Bösen sind.

Eine zwitschernde Geschäftsidee

Sowieso pflanze er so ziemlich an jedem seiner Maisfelder eine Reihe Sonnenblumen. Aber er betont: Es heiße nicht umsonst Landwirtschaft. Es gehe natürlich auch ums Geldverdienen. Vor 15 Jahren habe er schon einmal Sonnenblumen angebaut. Damals gingen die Kerne in die Lackfarbenproduktion. Jetzt hat er etwas anderes vor.

"Ich will eigenes Vogelfutter daraus machen", verrät der 50-Jährige. Winkler will aber nicht seine Hühner damit füttern, wie man denken könnte. Denn die Eierproduktion mit rund 15 000 Hühnern ist sein Hauptgeschäft. "Für Hühnerfutter sind die Kerne zu fett", sagt Winkler.

Nein, die Körner sind zur Fütterung von Wintervögeln gedacht. Vermutlich als "Winklers Vogelpick" will er seine Mischung ab Oktober in den Handel bringen. An einer Groß-Handelskette sei er schon dran. Abgepackt wird das Vogelfutter auf seinem Hof. Die Mischung soll nicht nur Sonnenblumenkerne, sondern auch Phacelia, Buchweizen, Sorghum (Körnerhirse) und eventuell gebrochenen Mais enthalten. "Da sind wir momentan noch am austüfteln". In fünf Schälchen habe er Amsel, Blaumeise und Co. verschiedene Körner angeboten. Die Gewinner: Hirse und Sonnenblume. Den Weizen hätten die Vögel eher links liegen lassen.

In seinem Hofladen kann man schon länger Sonnenblumenkerne in Eimern kaufen. Bald sollen Säcke der neuen Mischung zu 1 und 2,5 Kilo in Regalen von Einkaufsmärkten stehen.

Das meiste ist Importware

Als er anfänglich den Großhandel belieferte, erfuhr er: die meisten Sonnenblumenkerne werden aus Slowenien, Ungarn und Argentinien importiert. Das ist jedem heimischen Landwirt natürlich ein Graus. Winkler baut seit acht Jahren auch Soja, das Futter für seine Hühner, selbst an. Genmanipulierte Importware komme ihm nicht in den Stall. "Ich möchte, was geht, regional produzieren." Bald also auch Vogelfutter.

Vincent van Gogh übrigens wusste auch schon um den Appetit der Gefiederten. 1890 malte er das Bild "Getreidefeld mit Raben". Ein "Vogelpick" kannten sie bestimmt nicht.

Informationen zum Anbau der Ölfrucht Sonnenblume:

Die Sonnenblume führt in Deutschland ein Nischendasein. Laut Agrarbericht wird sie auf 1300 Hektar bayernweit angebaut. 1998 waren es noch fast zehn mal so viel. Schwerpunkt ist Unterfranken, wo etwa zwei Drittel der bayerischen Sonnenblumen stehen. Drei bis vier Tonnen pro Hektar erntet Alfred Winkler auf seinen Sonnenblumenfeldern. Heuer ist die Ernte mau, da seien es nur um die zwei Tonnen.



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