Lonnerstadt
Kommentar

Die Sektenkinder könnten noch gerettet werden

Weniger Oberflächlichkeit und mehr Miteinander, weniger Geschwindigkeit und mehr Verzicht - danach sehnen wir uns doch alle in diesen Wahnsinnszeiten. In solchen Phasen haben Seelenfänger wie der Guru von Ailsbach ein leichteres Spiel, findet inFranken.de-Redakteur Michael Schulbert.
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Der Guru glaubt an die Heilkraft der Sonnenstrahlen statt an Ärzte. Kinder in seiner Gemeinschaft bräuchten keine Krankenversicherung. Foto: WDR
Der Guru glaubt an die Heilkraft der Sonnenstrahlen statt an Ärzte. Kinder in seiner Gemeinschaft bräuchten keine Krankenversicherung. Foto: WDR
Peter und Bärbel wollen ihr Heil bei den "Weltdienern" finden. Aber wenn sie im WDR-Film "Sektenkinder" ihre Ansichten formulieren, dann klingt das wie auswendig gelernt. Fremdbestimmt. In einer Szene steht der Guru breit und mächtig neben dem zusammengesunkenen Familienvater und spricht vor, was der andere zu sagen und zu denken hat. Peter ist ganz in der Gewalt des "Meisters". Er verdient unser Mitleid.

Er verdient aber auch unseren Zorn, denn er setzt für seine Weltanschauung Schutzbefohlene einem grausamen Martyrium aus. Seine Kinder müssen hungern, frieren, schuften für eine Ideologie, die krank ist und krank macht.

Vor zehn Jahren sind drei andere Kinder ausgebrochen. Barbara, heute berufstätig und verheiratet, kann nur unter Tränen von ihrer Mutter erzählen, die sie den Qualen ausgesetzt hat. Kilian ist nach jahrelanger Medikamenten-Verweigerung schwer krank und braucht eine Spenderlunge. Konrad muss Psychopharmaka nehmen. Das Jugendamt sah damals keine Rechtfertigung für eingreifende Maßnahmen. Ich hoffe, dass die Beamten und unser Landrat am Donnerstag den Film "Sektenkinder" sehen. Und dass sie sich am Freitag zusammensetzen und überlegen, wie sie hier einschreiten können, um Schlimmeres zu verhindern.

Die Sektenkinder von Lonnerstadt dürfen nicht verspottet, sondern sie müssen gerettet werden. Schnell. So lange man ihre Seelen unter unseren Augen missbraucht, dürfen keine Lichter angezündet werden, wenn wieder einmal ein Kind verhungert oder zu Tode geprügelt worden ist. Die Sektenkinder von Lonnerstadt sind noch am Leben!
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