Höchstadt a. d. Aisch
Stammtisch

Die Liebe zum Automobil verbindet

In Höchstadt organisieren sich Oldtimer-Freunde. Sie schätzen die klassischen Formen ihrer "Brot-und-Butter-Autos" und planen gemeinsame Ausfahrten.
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Olli Häusler, Tiffany Geier, Jens Harder, Harald Hoffmann und Uwe Götz (von links) vor ihren Oldtimern. Foto: Andreas Dorsch
Olli Häusler, Tiffany Geier, Jens Harder, Harald Hoffmann und Uwe Götz (von links) vor ihren Oldtimern. Foto: Andreas Dorsch
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ABS, ESP, elektronischer Brems- und Spurhalteassistent, Reifendruckkontrollsystem und natürlich die Zentralverriegelung sind Features, die heute in fast jedem neuen Mittelklassewagen zu finden sind. In Höchstadt hat sich jetzt eine Gruppe von Menschen zusammengetan, die zwar großen Spaß am Autofahren hat, auf all dies aber auch gut verzichten kann.

Oldtimer-Freunde Höchstadt nennt sich der neue Freundeskreis, in dem jeder herzlich willkommen ist, der ein Auto oder Motorrad sein Eigen nennt, das älter als 20 Jahre ist. "Die Liebe zum Automobil verbindet", sagt Olli Häusler. Er traf beim Gassigehen mit seinem Hund zufällig auf Jens Harder. Die beiden kamen ins Gespräch, outeten sich als Oldtimer-Besitzer und fassten spontan den Entschluss, einen Oldtimer-Stammtisch in Höchstadt zu gründen.


Schon 20 Leute auf der Liste

Am kommenden Dienstag, 8. August, trifft sich der Stammtisch nun zum zweiten Mal. Obwohl bisher nur Mund-zu-Mund-Propaganda betrieben wurde, "haben wir schon 20 Leute auf der Liste", sagt Jens Harder.

Ihnen allen gemein ist die Liebe für alte Dinge und speziell für Formen, die nur klassische Autos haben. Olli Häusler ist es bisher leicht gefallen, Leute zum Mitmachen zu animieren: "Es gibt hier in Höchstadt viele Oldtimer, die auch auf den Straßen zu sehen sind." Deren Lenker wollen die Oldtimer-Freunde für ihren Freundeskreis gewinnen, der bewusst kein Verein werden soll, weil man sich die Bürokratie sparen möchte. "Wir sind aber auch kein reiner Schrauber-Stammtisch", sagen die Initiatoren.

Alle sind willkommen, deren Oldtimer ein ERH-, oder besser noch HÖS-Kennzeichen hat. Natürlich sind auch Frauen in dem illustren Kreis von Autoliebhabern gerne gesehen. Die ersten sind bereits dabei. Angesprochen werden auch junge Menschen, die den alten Benz vom Opa geerbt haben.

Besonders betonen möchten die Initiatoren, dass ihr Stammtisch "nicht typgebunden" ist. Häusler spricht von "Brot- und Butter-Autos, die auch noch bezahlbar sind". Dazu zählt er seinen Ford Taunus 20 M aus dem Jahr 1965 mit 85 PS. Er entdeckte den Wagen - mit 20 hatte er schon mal einen solchen gefahren - in der Oberpfalz, taufte ihn Marilyn und versprach: "Marilyn, ich werde dich retten". Häusler: "Auch wenn Marilyn meine ganzen Ersparnisse aufgefressen hat, ein solches Versprechen hält man."

Ebenfalls als 20-Jähriger kaufte Jens Harder seinen ersten Puma do Brasil aus der Konkursmasse einer Firma, die die kleinen Sportwagen aus Brasilien hier in Deutschland fertigen wollte. Sein aktueller Puma stammt aus dem Jahr 1979 und hat 68 PS. Nur ganze 200 Pumas wurden in Europa verkauft.


18 000 Euro geboten

Tiffany Geier wollte eigentlich einen älteren Buick. Nachdem der aber nicht in die Garage passte, verliebte sie sich in einen orangen Opel Kadett B aus dem Jahr 1972. Wie damals üblich, sitzt auf der Hutablage auch heute noch der Wackel-Dackel neben der Klorolle unter gehäkelter Haube.

Vor drei Jahren holte sich Harald Hoffmann seinen Alfa Giulia Super 1300 von einem älteren Herren aus Bologna. Als Zehnjähriger war er in einem solchen Auto seines Bruders mitgefahren, jetzt hat er seinen eigenen 89-PS-Alfa. 18 000 Euro hat man ihm dafür schon geboten.

Nur drei Räder hat das Velorex 350 von Uwe Götz. Er hatte einmal einen solchen 16-PS-Zweitakter aus der Tschechei zur Reparatur bekommen und wollte auch einen. Sein Exemplar aus dem Jahr 1968 wird heute noch ebenso regelmäßig bewegt wie die Oldtimer der anderen vier Höchstadter.

Sie alle schätzen den Stammtisch bereits. Dort wird auch darüber diskutiert, wo es eine gute Werkstatt gibt, "die noch einen Doppelvergaser einstellen oder ein Blechteil anfertigen kann", sagt Olli Häusler.

Was macht den besonderen Reiz alter Autos aus? Da sind sich die fünf einig: der für jedes Auto typische Geruch, die nicht ganz perfekte Technik, die immer nachgebessert werden muss, und natürlich das Fahrfeeling hinter einem großen Lenkrad - manchmal auch noch auf einer durchgängigen Sitzbank.

Spritverbrauch ist bei den Oldtimer-Freunden kein Thema. Der 45-PS-Kadett B von Tiffany Geier kam übrigens damals schon mit acht Litern aus. Wenn schon Benzin verbrannt wird, will es Olli Häusler wenigstens mit Stil tun.


Stammtisch am Dienstag

Zum nächsten Stammtisch laden die Oldtimer-Freunde Höchstadt am Dienstag, 8. August, ein. Treffpunkt ist auf dem Parkplatz des ehemaligen E-Centers in Höchstadt-Süd um 18.30 Uhr. Nach einer kurzen Rundfahrt ist das Ziel der Lauberberg. Wer teilnehmen möchte, kann sich per E-Mail unter oldtimerfreunde-hoechstadt@gmx.de anmelden.
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