Herzogenaurach
Ausverkauf

Die letzten Wochen im Camping-Bahnhof

Der Camping-Bahnhof hat eine Verlängerung bis Jahresende bekommen. Dann endet eine 33-jährige Ära.
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Der Ausverkauf im Campingbahnhof dauert noch spätestens bis Weihnachten an: Dietmar (links) und Brigitte Marscholik mit einem Kunden.  Fotos: Bernhard Panzer
Der Ausverkauf im Campingbahnhof dauert noch spätestens bis Weihnachten an: Dietmar (links) und Brigitte Marscholik mit einem Kunden. Fotos: Bernhard Panzer
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Es ist schon viel weggegangen, seit Brigitte und Dietmar Marscholik den Ausverkauf im Campingbahnhof gestartet haben. Aber noch immer ist eine große Stückzahl der vielen tausend unterschiedlichen Artikel vorhanden. Nur dass sich das Sortiment jetzt nicht mehr in allen Ecken des ehemaligen Güterbahnhofs bis zur Decke stapelt. Die Einrichtung ist luftiger geworden, aber noch immer so viel, dass sich das Ehepaar jetzt nach Lagermöglichkeiten umschaut.

Immerhin haben die Beiden, die den Campingbahnhof in Herzogenaurach seit gut 33 Jahren betreiben und in der ganzen Region zu einer beliebten Adresse geworden sind, jetzt noch ein paar Wochen länger Luft. Denn ursprünglich hätte, trotz einer zwischenzeitlichen Verlängerung, Ende September Schluss sein müssen. Jetzt wurde der Mietvertrag noch einmal verlängert: Bis zum Jahresende dürfen die Marscholiks das Gebäude weiter nutzen. Abverkauf bis spätestens Weihnachten, dann Ausräumen und Ende. So sieht es der Zeitplan des 63-Jährigen jetzt vor.

"Abruptes Ende eines Abenteuers" lautete der Titel eines Berichts, mit dem der FT vor knapp einem Jahr auf das bevorstehende Aus des Campingbahnhofs hingewiesen hatte. Dietmar Marscholiks Lebenswerk stand und steht nämlich der städtischen Entwicklung im Wege. Schaeffler benötigt das Gelände nördlich des Firmenareals für eigene Planungen, und die Stadt muss sich für die Stadt-Umland-Bahn Flächen sichern. So ist es auch später vom Stadtrat beschlossen worden. Das Gebiet zwischen Schaeffler-Werksgelände und der Hans-Maier-Straße gehört inzwischen nur noch Stadt oder Schaeffler. Und wenn der Bedarf konkret wird, können die Flächen entsprechend angepasst werden.

Keine konkrete Aussage

Ein konkreter Bedarf für Schaeffler besteht demnach, wenn das Unternehmen auf das Areal zugreifen wird. Was man genau beabsichtigt, und wann es soweit ist, wurde nicht verraten. Damals hieß es nur: "Wir sind derzeit in einem Planungsprozess zu den Nutzungsmöglichkeiten der Flächen nördlich unserer Werksgrenzen." Unterdessen sind elf Monate vergangen, bei Schaeffler hat sich einiges getan, und nicht nur positives. Wir fragten erneut nach, eine konkrete Aussage gibt es aber immer noch nicht. Jetzt lautete die Antwort: "Wir sind immer noch im Planungsprozess und entwickeln Machbarkeitsstudien zu den Nutzungsmöglichkeiten der Flächen und können zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht konkreter werden."

Trotzdem ist Marscholik nicht undankbar. Bis zum Jahresende kann es erst mal weitergehen, immerhin. Das hat ihm Vorstandsvorsitzender Klaus Rosenfeld auf seine schriftliche Anfrage hin mitgeteilt. Eigentümer des Grundstücks ist nach wie vor die Stadt, die den Mietvertrag entsprechend verlängert hat.

Dankbar ist das Ehepaar vor allem aber auch seinen Kunden. Man habe nach dem Zeitungsbericht eine "klasse Resonanz" gespürt, "viele haben gefragt, wie sie helfen können", sagt Brigitte. Und ein paar Schüler und Studenten haben von sich aus einen Flyer entworfen und verteilt. Darin stand unter anderem: "Wir sagen Auf Wiedersehen Camping Bahnhof. 30 Jahre sind schnell vergangen - doch wir lassen euch nicht im Stich".

Und so nutzen die Beiden den Abverkauf auch noch zu Gesprächen übers Campen und über Gott und die Welt. Wie dieser Tage, als ein Kunde aus Erlangen vorbei kam und gezielt nach einer Ausstattung suchte. Da wurden Erinnerungen wach - an Zeiten, als fünfköpfige Familien im VW-Bus in den Urlaub fuhren. Als man noch gern ins Zwei-Personen-Zelt kroch, egal ob es nun stürmte oder schneite.

Mehrere Geschäfte in einem

Das klassische Equipment, wie Zelte oder Schlafsäcke, sind beim Abverkauf bisher ganz gut weggegangen, sagt Brigitte Marscholik. Aber vieles ist eben auch noch da, "wir sind ja eigentlich mehrere Fachgeschäfte in einem", sagt sie. Ihr Mann hat vor mehr als dreißig Jahren den Laden selbst eingerichtet und baut ihn auch mit eigener Hand wieder ab. Auch die Regale und Bretter aus Fichtenholz will er nun verkaufen.

Und dann gibt's noch ein "Kriseneck", das die Beiden eingerichtet haben. Sie geben Denkanstöße für zuhause, "wenn mal der Strom ausfällt". Vom Kurbelradio bis zum Lampenset, vom Spirituskocher bis zum Ofen reichen die Ideen und Angebote. Denn irgendwann könnte es ja mal einen Totalausfall beispielsweise bei der Stromversorgung geben, sinniert der Camper. "Dann ist man froh, wenn man eine Kerze im Haus hat."

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