Herzogenaurach
Tierwelt

Die Gänse an der Aurach schnattern weiter

Das Federvieh an der Aurach ist widerspenstig. Nach der gescheiterten Einfangaktion soll nun eine Geburtenkontrolle folgen. Und der Rest der Herde wird vertrieben, wenn das klappt.
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Auch an Weihnachten blieben die Gänse an der Aurach unbehelligt. Im neuen Jahr sollen neue Versuche unternommen werden, die Zahl der Tiere zu kontrollieren. Fotos: Bernhard Panzer
Auch an Weihnachten blieben die Gänse an der Aurach unbehelligt. Im neuen Jahr sollen neue Versuche unternommen werden, die Zahl der Tiere zu kontrollieren. Fotos: Bernhard Panzer
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Als im Mai verkündet wurde, dass die Gänse an der Aurach verschwinden, also eingefangen und getötet werden sollen, hat sich auf der Facebookseite des FT bereits eine Debatte entwickelt. "Wildtiere haben in Deutschland keinen Platz mehr. Nicht mal die Gänse. Schämt Euch" oder "Kneipen tot, Innenstadt tot, Gänse tot" lauteten nur zwei aus einer Reihe von sehr persönlichen Kommentaren.

Genutzt hat der Protest nichts, es wurde dennoch eine Einfangaktion gestartet. Die allerdings scheiterte, die Gänse waren zu schlau. Eine Wiederholung zum Jahresende ließ die Stadt platzen. Mangels Erfolgsaussichten. So konnten die Grau- und Kanadagänse an der Aurach ihren Weihnachtsfrieden genießen. 2014 soll aber ein erneuter Versuch unternommen werden, die Zahl der Gänse zu dezimieren.
Allerdings anders, schonender.
Notwendig ist für die Stadt eine Reduzierung des Federviehs, weil es an der Aurach in zu großen Herden auftritt. "Weil die großen Vögel den Bolzplatz verdrecken, die Fußwege an den Seniorenheimen ebenso und auch am Aurachufer Schäden hinterlassen, sollen sie eingefangen werden." So berichtete der FT im August. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Noch in der Bürgerversammlung im November hatte Bürgermeister German Hacker (SPD) den Bürgern die Gänse quasi feilgeboten. Wer sich ein Haustier oder einen Weihnachtsbraten sichern möchte, dürfe das ruhig tun, sagte das Stadtoberhaupt, mit einem gewissen Schmunzeln.

Bastardisiert

In der Vergangenheit hatte es offenbar auch noch vermehrt Beschwerden aus der Bevölkerung gegeben, wie die städtische Umweltbeauftragte Monika Preinl damals erklärte. Die bezogen sich auch auf verdreckte Fußwege entlang der Seniorenheime. Davon wollte Uschi Schmidt, die Vorsitzende der Grünen, im September allerdings nichts erkennen, als sie sich selber auf die Pirsch machte. "Ich habe versucht, Gänsedreck auf dem Weg hinter dem Altenheim zu fotographieren. Es gab keinen, der Weg war wie geleckt. Ein großes Schild 'Hier ist Gänsefüttern verboten' scheint seinen Dienst getan zu haben", schrieb die jetzige Spitzenkandidatin der grünen Stadtratsliste damals in einem Brief an den FT.

Nichtsdestotrotz sollen im neuen Jahr erneute Versuche unternommen werden, die Anzahl der Tiere in den Griff zu bekommen. Im Januar soll versucht werden, die Graugänse zu vertreiben. Da handelt es sich um so genanntes bastardisiertes Federvieh, wie Preinl erläutert. Also Tiere, die sich mit Hausgänsen gepaart haben. Die sollen nun verscheucht werden; auf welche Weise, sagte die Rathaus-Mitarbeiterin aber noch nicht. Da will sie sich mit dem Jagdpächter besprechen, der die Tiere dann außerhalb des Stadtgebiets schießen könne.

Eier aus dem Nest

Und bei den Kanadagänsen will Preinl einen Versuch der Geburtenkontrolle erneuern. Sie hatte schon einmal einen Antrag an die Regierung gestellt, die Eier aus den Nestern entnehmen zu dürfen. Das ist für die Umweltbeauftragte die schonendste Art, die Zahl der Tiere zu begrenzen. Die echten Eier werden dann gegen Exemplare aus Gips ausgetauscht, ähnlich wie das auch bei Tauben gemacht werde.

Der erste Antrag sei damals mit der Begründung abgelehnt worden, dass Kanadagänse unter Artenschutz stehen und Eingriffe in das Brutgeschäft daher nicht zulässig seien. "Wir bleiben hartnäckig", sagt Preinl. Vielleicht könne sich die schonende Art der Reduzierung ja diesmal durchsetzen.

Und damit könnte sich auch der Wunsch von Uschi Schmidt erfüllen. "Man sollte nicht gleich mit Flinten auf Gänse schießen", hatte sie im September geschrieben.

Im alten Jahr ist jedenfalls nichts mehr geschehen. Auch die Gänse an der Aurach hatten ihren Weihnachtsfrieden. Der Name "Weihnachtsgans" hat da eine ganz andere Bedeutung bekommen.

Kommentare (1)

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