Schnaid
80er Jahre

Die Disco in Schnaid hat eine Generation geprägt

Das Disco Studio Schnaid war einst der Treffpunkt der Jugend. Hier lernten sich Paare fürs Leben kennen und "Doppeldecker" wurde zum geflügelten Wort.
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So sieht die ehemalige Disco in Schnaid heute aus.Foto: Waltraud Enkert
So sieht die ehemalige Disco in Schnaid heute aus.Foto: Waltraud Enkert
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Kaum zu glauben, dass hinter dieser Fassade einst das Leben pulsierte: Disco-Fieber. Mit "Doppeldecker" und Stars der Musikszene. Die Disco in Schnaid hat Geschichte geschrieben. Bei Schnaid grenzen die Landkreise Forchheim, Erlangen-Höchstadt und Bamberg aneinander.

Ursprünglich war die Diskothek als Kuhstall konzipiert. Vielleicht sollten die Kuhfelle, die an den mit Holz getäfelten Wänden hingen, noch daran erinnern. Der Erbauer, ein gebürtiger Schnaider, hatte das Gebäude im Jahr 1975 als Maschinenhalle verkauft. Der Käufer wiederum baute es zur Diskothek um. Er betrieb die Disco selbst einige Jahre, bevor er sie an "Hardy" Hartmut Wiemes verpachtete. Das war im Jahr 1979.

Hardy wusste, was das junge Volk liebte. "Er war einer der ersten Discjockeys überhaupt", sagt Frank Wagner, sein Neffe. In der Musikszene war Hardy daheim, war bekannt. Nicht zuletzt durch seine Arbeit als Single-Tester. So hatte er Kontakt zu jungen Talenten der Branche, die sich zu Stars mauserten oder auch abstürzten. Und so kam es auch, dass Jennifer Rush, Peter Schilling, die Scorpions, die Puhdys, Wolfgang Petry, Nicki, Peter Maffay, Karat und viele andere die Disco füllten. Dem ein oder anderen verhalf der Auftritt im Disco Studio Schnaid sicher zum Aufstieg. Nicht zu vergessen: die regelmäßigen Gastspiele von Motion Sound.

Reinhard Mönius war im Nachbarort Jungenhofen daheim. Klar, dass er oft in Schnaid war und dort die jungen Stars erlebt hat. Er erinnert sich: "Einmal war Juliane Werding da. Nach dem Auftritt hat sie mir ein Autogramm gegeben und wir haben gemeinsam einen Jacky getrunken." Zu Karat aus der DDR sagt er: "Da war voll was los. Aber der Eintritt war mir damals zu teuer - ich war noch Stift. Also habe ich von außen zugehört."

Frank Wagner, der Neffe von Disco-Pächter Hardy, war 1981 aus Berlin nach Franken gekommen und fand schnell in der Disco des Onkels seinen Platz. Als Kellner hat er, "der Preuß", angefangen, bald hat er als Betriebsleiter den Laden geschmissen. "Ja, Karat. Das war der Wahnsinn. Über 1600 Gäste", erinnert sich Wagner.

Hardy hatte damals eine geniale Idee: die Erfindung des "Doppeldeckers". Das hieß nichts anderes, als ein Getränk bestellen und bezahlen, aber zwei bekommen. Gabi Menze hat über sieben Jahre an der langen Bar ausgeschenkt. "Das war die Zeit der Gaßmoß und der Schlusslicht-Moß", sagt sie. Aber auch Bier sei immer gegangen und der "Disco Studio Spezial" - ein Cocktail mit Giraffe aus Kunststoff, "durch die Füße der Giraffe konnte man die Cocktail-Kirsche aufspießen". Andere Diskotheken sprangen auf das Pferd "Doppeldecker" auf. Schnaid warb für seine Erfindung in den Zeitungsannouncen am Wochenende mit dem Slogan "Oft kopiert, doch nie erreicht".

Sozusagen zum Inventar gehörte der Imbisswagen von Franz und Elisabeth Schwank vor der Tür. "Wir waren damals junge Leute, hatten uns gerade selbstständig gemacht und dann die Genehmigung bekommen." Freitags und samstags immer, zeitenweise auch am Sonntagnachmittag boten die Schwanks Bratwürste, Currywurst, Fleischspieß und Fischbrötchen an. "Wir haben gute Geschäfte gemacht", sagt Franz Schwank heute. Die 18 Jahre möchte er nicht missen. An die Disco in Schnaid erinnert sich auch seine Frau Elisabeth gerne zurück. Schließlich hat sie hier ihren Mann kennengelernt.

Frank Wagner ist 1991 aus dem Geschäft ausgestiegen. "Ich bin Vater geworden und wollte für meine Familie da sein", sagt er. Beides hätte sich schwer vereinbaren lassen. Sein Onkel Hartmut Wiemes hat 1992 auch aufgehört. Im Jahr 2000 ist er in Spanien plötzlich verstorben. Als Hardy ausgestiegen ist, waren gerade andere Diskotheken dabei, beliebt zu werden. In Burgebrach zum Beispiel, oder in Hirschaid. Das Zusammenspiel mit den Anwohnern in Schnaid war zunehmend schwieriger geworden, weiß Frank Wagner. Unter dem Namen "United dance hall" hatte sich danach noch einmal eine Pächterfamilie versucht. "Aber es lief nicht mehr. Nach vielleicht einem halben Jahr oder einem Jahr war endgültig Schluss." Dass die Schnaider Disco nochmal laufen könnte, daran zweifelt Frank Wagner. "Man müsste viel investieren." Die Tochter der heutigen Besitzerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, könnte sich auch einen andere Verwendungszweck statt einer Disco vorstellen. Sie möchte das Gebäude verpachten, wie an der Wand zu lesen ist (Kontakt: 0172 670 55 16).

Torsten Gunselmann (Freie Wählergemeinschaft Schnaid-Stiebarlimbach), Bürgermeister von Hallerndorf, erläutert auf Anfrage, dass die Gemeinde Interesse für Wohnbebauung bekundet habe. Allerdings habe man mit der Besitzerin bislang keinen gemeinsamen Nenner gefunden.

Revival-Partys:

Frank Wagners Herz hängt noch heute am Schnaider Disco Studio. Auf die große Nachfrage hin hat er zweimal eine Revival-Party organisiert: im Mai 2016 in der Fortuna Kulturfabrik in Höchstadt und wenige Monate später im Schwarzen Amboss in Hausen. "Ich krieg' Gänsehaut, wenn ich daran denke. Die Partys waren wie ein großes Familienfest. Alle haben sich umarmt, haben - wie früher - Fox getanzt ohne Ende, es war einfach nur schön." Ob es noch einmal eine Revival-Party für eingefleischte Fans, Mitarbeiter und Freunde der Schnaider Disco geben wird? Frank Wagner sagt jedenfalls nicht endgültig nein.

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