Gerhardshofen
Gottesdiensttest

Die Botschaft kommt an in Gerhardshofen

Die Stelle des Pfarrers in der evangelischen Kirchengemeinde Gerhardshofen war lange Zeit vakant. Gottesdienste fanden trotzdem statt.
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Die Kirche St. Peter und Paul in GerhardshofenFoto: Waltraud Enkert
Die Kirche St. Peter und Paul in GerhardshofenFoto: Waltraud Enkert

Das Urteil unseres Testers: Es gelingt dem Prädikanten Jens Detzel, einen ehrwürdigen und informativen Gottesdienst zu gestalten. Ein Abendmahl gibt es an diesem Sonntag nicht. Insgesamt macht der Gottesdienst Lust, öfter zu kommen. Hervorzuheben sind noch die Hinweise am Ende des Gottesdienstes. Da erfährt der Besucher, welcher Senior in der bevorstehenden Woche Geburtstag feiert. Die Beurteilung im Einzelnen:

1. Einstieg

Der Prädikant Jens Detzel sitzt bereits in der ersten Bank, als der Zeiger der Uhr auf 9.30 Uhr springt. Er steht auf, geht nach vorne und begrüßt alle zu diesem Gottesdienst. Klänge des Posaunenchores stimmen auf die bevorstehenden 45 Minuten ein. 2. Musik Der Organist ist an diesem Sonntag ausgefallen. Deshalb hat der Posaunenchor die musikalische Gestaltung übernommen. Die Musik klingt äußerst festlich. Allerdings entfallen aufgrund des fehlenden Organisten ein paar musikalische Teile der Liturgie. Die wenigen Kirchenbesucher beteiligen sich eifrig am Gesang.

3. Lesung Der Prädikant trägt die Botschaft laut und deutlich vor. Er liest aus dem ersten Brief Paulus an Timotheus: "Christus ist in die Welt gekommen, um die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin."

4. Predigt Gott ist barmherzig - das ist die Kernbotschaft der Predigt, die Jens Detzel von der Kanzel aus vorträgt. Er erinnert an Paulus, der mit Schuld beladen, vom Saulus zum Paulus wird. Gott nimmt uns trotz unserer Fehler an, Gott nimmt die Sünder an. Diese Aussagen fügen sich auch ins Evangelium ein, in dem es um den verlorenen Sohn geht, der nach einem Leben in Saus und Braus reumütig zu seinem Vater zurückkehrt. Bei den Gläubigen kommt an, was der Prediger mitteilen will.

5. Abendmahl Die Stelle des Pfarrers ist seit rund einem halben Jahr vakant. Abwechselnd gestalten Lektoren und Prädikant Detzel den Gottesdienst. Ein Abendmahl findet nicht statt. Inzwischen wurde der neue Pfarrer Johannes Kestler in sein Amt eingeführt.

6. Segen Der Prädikant bittet um Gottes Segen für die Kirchenbesucher. Auch bittet er um Segen für jene, die in der Woche zuvor für den Klingelbeutel gespendet haben und für ein weiteres Hilfsprojekt. Auch für die unterstützten Projekte bittet Jens Detzel um den Segen des Herrn. Zur Verabschiedung schreitet er voran an die Seitentür des Gotteshauses, gibt jedem Besucher die Hand und wünscht einen schönen Sonntag.

7. Ambiente Schon von außen macht die evangelische Kirche Peter und Paul einen einladenden Eindruck. Gewiss haben daran auch die vielen Störche ihren Anteil, die sich das Gotteshaus als Heimat auserkoren haben. Mehrere Horste sind auf Turm und Dach zu sehen, von Störchen bewohnt. Doch auch von Innen macht die Kirche Lust zu bleiben. Der Innenraum strahlt Ruhe aus und ist durchaus schlicht eingerichtet. Der Altar dagegen ist aufwendig gestaltet und mit Gold verziert. Er erinnert an die üppige Ausstattung katholischer Gotteshäuser.

8. Kirchenbänke Die Holzbänke sind in dem Grau gehalten, das sich in der ganzen Kirche wiederholt. Auf den Bänken sorgt eine stabile Auflage in leuchtendem Rot für einen angenehmen Kontrast zum Grau, aber auch für mehr Bequemlichkeit beim Sitzen und Wärme im Winter. Man kann hier mit genügend Freiraum angenehm sitzen. Eine Ablage für das aufgeschlagene Gebet- und Gesangbuch gibt es nicht, geschlossen kann es gut abgelegt werden.

9. Beleuchtung Die Beleuchtung beschränkt sich am Altar auf einige brennende Kerzen. An den Seitenwänden sind elektrische Lichter angebracht. Mitten in der Kirche führt von der Decke ein Kerzenleuchter herunter. Eine ausreichende, aber nicht ausufernde Beleuchtung.

10. Sinne Der erste Eindruck des Gotteshauses: Harmonie. Grund dafür geben die farbliche Gestaltung der Einrichtung, in der grau gestrichenes Holz dominiert. Aber auch der Geruchssinn wird angesprochen. Es riecht nach einer Mischung aus Antike, Holz und Kerzenduft - auf jeden Fall sehr angenehm. Dazu kommt die festliche Stimmung, die die Blasmusiker auf der Empore verbreiten.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten.

Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Tests werden auf unserem Internetportal unter www.infranken.de/gottesdiensttest gesammelt.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest unter www.infranken.de/gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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