Bubenreuth
Instrumentenbau

Die Asiaten lieben Geigen aus Bubenreuth

Bubenreuth gilt als Zentrum deutscher Geigenbaukunst. Hier arbeitet Innungsobermeister Günter Lobe. Seine Geigen haben ihren Preis, doch die Kunden aus Fernost würden am liebsten alle kaufen.
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Günter Lobe in seiner kleinen Werkstatt in Bubenreuth: Der Geigenbaumeister hat sich mit seinen Instrumenten in der Fachwelt einen Namen gemacht. Foto: Ronald Rinklef
Günter Lobe in seiner kleinen Werkstatt in Bubenreuth: Der Geigenbaumeister hat sich mit seinen Instrumenten in der Fachwelt einen Namen gemacht. Foto: Ronald Rinklef
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Eine lange Werkbank, Holzteile, Schraubzwingen, ein paar Stemmeisen und kleine Hobel. Vor 300 Jahren muss es in Cremona ähnlich ausgesehen haben wie heute in der Werkstatt von Günter Lobe in Bubenreuth (Landkreis Erlangen-Höchstadt). "Es hat sich in der Arbeitsweise nichts geändert. Wir arbeiten wie vor Jahrhunderten. Mit denselben Werkzeugen", sagt Lobe.

Maschinen, Industrialisierung, Fließband - all dies spielt keine Rolle in der Welt der Geigenbauer. Warum auch? Die besten Instrumente wurden seit jeher von Hand gefertigt, vor allem in Cremona, der Heimat des italienischen Meisters Antonio Stradivari. Seine Geigen werden für viele Millionen gehandelt.

Günter Lobes Klangkörper sind ab 6000 Euro zu haben, Preis nach oben offen. Im Schnitt kostet ein Instrument des Bubenreuther Geigenbaumeisters zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Für Interessenten gibt es eine Warteliste. Lobe steckt rund 150 Arbeitsstunden in so eine Geige. Bis Leim und Lackarbeiten vollständig ausgeführt sind, ist ein Vierteljahr vorbei. Zehn Instrumente im Jahr - das ist seine Produktionsmenge. Hauptsächlich Geigen, hin und wieder mal eine Bratsche oder auch ein Cello. "Ich muss nicht kalkulieren wie ein Maurer oder Maler", sagt Lobe. "In dieser Preiskategorie ist es uninteressant, wie lange man braucht. Hier zählt nur das Ergebnis."

Zwei Geigen für den Sultan
Lobes Kunden sind vom Ergebnis oft begeistert. Vor allem die Japaner. "Da gibt es Leute, die würden am liebsten meine komplette Jahresproduktion kaufen", erzählt er. Es sind Händler, die laut Lobe dann in ihrer Heimat für die Instrumente das Dreifache verlangen. Seit ein paar Jahren sind auch die Chinesen auf ihn aufmerksam geworden. Auf einer Weltkarte in seiner Werkstatt stecken Fähnchen mit den bisherigen Geschäftsbeziehungen. In Asien und Amerika häufen sie sich. 70 Prozent der Instrumente gehen inzwischen nach Asien. Auch dem Sultan von Oman hat Lobe schon zwei seiner Meisterstücke geliefert.

In der Fachwelt gilt die 4500-Einwohner-Gemeinde Bubenreuth in der Nähe von Erlangen als Zentrum des Streich- und Zupfinstrumentenbaus in Deutschland. Nur das oberbayerische Mittenwald hat einen ähnlich klangvollen Namen. Es waren Flüchtlinge aus dem Egerland, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren diese Tradition begründeten. Mehr als 2000 Musikinstrumentenbauer, darunter Spezialisten wie Wirbeldreher, Bogenmacher oder Stegschnitzer, ließen sich mit ihren Familien in Bubenreuth nieder.



Eine Größenordnung, die längst Vergangenheit ist. Die Zahl der Geigenbauer hat abgenommen. Deutlich. Günter Lobe ist Obermeister der Innung Erlangen, der größten in Deutschland. 55 Betriebe zählt er noch in seiner Zunft, darunter auch Gitarrenbauer oder Bogenmacher. Wie viele Geigenbauer es überhaupt noch in Deutschland gibt, darüber existiert keine genaue Statistik. Rund 240 Betriebe seien freiwillig im Verband Deutscher Geigenbauer und Bogenmacher (VDG) organisiert, berichtet der Mannheimer Thomas Uphoff, Vorstandsmitglied im VDG.
"Es hat sich rauskristallisiert, dass sich nur Qualität halten kann", meint Lobe. Der 51-Jährige spricht von "ehrlichem Geigenbau". Ob alle Kollegen davon leben können? Lobe wiegt den Kopf. "Schon schwierig", sagt er. "Man muss einen Namen haben."

Erfolgreich bei Wettbewerben
Er selbst hat dies geschafft. Mit einer Mischung aus Können und einem Quäntchen Glück gewann Lobe schon zwei Jahre nach seiner Meisterprüfung auf Anhieb eine Silbermedaille bei einem internationalen Wettbewerb 1989 in Mittenwald. Auch bei der "Weltmeisterschaft der Geigenbauer" im italienischen Cremona schafften es schon zwei von ihm eingereichte Instrumente auf die vordersten Plätze. "Wenn jemand neu ist, dann wird er nicht beachtet, wenn er sich nicht durch irgendetwas auszeichnet", so Lobes Erfahrung.

Es seien kleine Feinheiten, Nuancen, die am Ende zu einem Spitzeninstrument führten. Wichtig sei der Gedankenaustausch mit den Musikern. "Ich muss auf Wünsche, Sorgen und Nöte gezielt eingehen", sagt Lobe. Groß ist mittlerweile die Nachfrage nach Kopien von bedeutenden Geigen. Und so baut der Bubenreuther Meister auch die Instrumente der italienischen Vorbilder nach. Stradivari oder Guarneri - unter 15.000 Euro ist auch eine Kopie der Altmeister nicht zu haben.

Neu ist dabei nicht unbedingt ein Qualitätskriterium. "Eine Geige wird mit zunehmendem Alter besser, vorausgesetzt, sie wird gespielt", sagt Lobe.


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