Weppersdorf
Gesundheit

Diabetikerwarnhunde: Lebensretter ohne Anerkennung

Diabetikerwarnhunde leisten ihren Besitzern vielfältige und vor allem wichtige Dienste. Ihre Besitzer haben dafür aber hohe Ausgaben.
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Pia Schuhmann berichtet Tim Scheppe (l.) und Günter Münch von ihren Sorgen. Foto: Johanna Blum
Pia Schuhmann berichtet Tim Scheppe (l.) und Günter Münch von ihren Sorgen. Foto: Johanna Blum
Ein Assistenzhund, auch Rehabilitationshund genannt, ist ein Hund, der so ausgebildet wird, dass er in der Lage ist, einem Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen ausgefallene oder fehlende Sinnes- oder Körperfunktionen so gut wie möglich zu ersetzen. Die häufigste und bekannteste Form von Assistenzhunden sind Blindenführhunde. Daneben gibt es auch Signalhunde, Epilepsiehunde, Kombinationshunde und Diabetikerwarnhunde.
Einer der letztgenannten Art ist die Hündin Kira, die seit gut eineinhalb Jahren ständige Begleiterin der 28-jährigen Weppersdorferin Pia Schuhmann ist. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet die junge Frau, eine gelernte Bäckerin und Konditorin unter anderem, wie wichtig Kira für sie ist und wie groß der finanzielle Aufwand ist, den sie betreiben muss, um die vierbeinige Lebensretterin an ihrer Seite zu haben.


Seit wann sind Sie Diabetikerin?
Pia Schuhmann: Ich bin seit dem Jahr 1999 Typ-3-Diabetikerin.

Was kann ich mir unter Typ 3 vorstellen?
Typ 3 wird behandelt wie Typ 1 und entsteht zum Beispiel durch Krankheit, Unfall oder andere Ereignisse. Bereits im Alter von sechs Wochen wurden mir 90 Prozent der Bauchspeicheldrüse entfernt. Die restlichen zehn Prozent habe ich bis heute.

Wie verlief Ihre Schulzeit?
Schon in der Schule war es nicht immer ganz leicht für mich, aber vor allem die Klassenkameraden haben sich stets sehr viel Mühe gegeben und haben versucht , mir bei Bedarf zu helfen.

Gab es in einem bestimmten Alter eine Verschlechterung?
Durch die zehn Prozent meiner Bauchspeicheldrüse, die ich nur noch habe, war ich schon immer schlecht einzustellen. Eine Verschlechterung als solche kann man so nicht sagen. Jedoch war die Teenagerzeit für mich nicht leicht.

Wurde Ihnen dieser "Zuckerhund" ärztlich verordnet und seit wann haben Sie Kira?
Leider nein, Kira musste ich mir selber kaufen und auf meine Kosten ausbilden. Die Krankenkasse übernimmt da leider gar nichts. Ich habe Kira im Januar 2016 mit acht Wochen zu mir geholt. Sie soll mir dabei helfen, Schwankungen besser in den Griff zu bekommen.
Sie soll vor allem nachts Unterzucker erkennen und verhindern. In der Zeit ohne Kira bin ich nämlich viel zu oft ins Koma gefallen und da brauche ich ja immer als letzte Rettung die Notfallspritze. Wenn niemand da ist, um mir diese Spritze zu geben, kann ich auch sterben - was leider die wenigsten Menschen wissen.

War die Erziehung des Hundes schwierig und ist sie schon beendet?
Kira hab ich ja als Welpen zu mir geholt. Bis sie neun Monate alt war, durchlief sie mit mir die normale Hundeschule und Erziehung. Erst anschließend begann die zusätzliche Ausbildung - natürlich durch eine speziell dafür ausgebildete Trainerin. Nun ist Kira fertige Assistenzhündin, hat erfolgreich ihre Prüfung abgelegt und trägt ein Geschirr zur Erkennung ihres besonderen Status'. Für solch eine Ausbildung braucht man nicht nur relativ viel Zeit, Geduld und Liebe, sondern auch Geld.
Man muss auch wissen, was man da für einen Hund bekommt. Kira ist nicht einfach ein Hund, sondern zählt als vollwertiges Familienmitglied. Die Länge der Ausbildung ist von Hund zu Hund allerdings unterschiedlich. Kira konnte nach fünf Monaten Ausbildung alles und nach sieben Monaten haben wir zusammen die Prüfung abgelegt. Ein fertiger Assistenzhund muss bei der Prüfung mindestens 15 Monate alt sein.

Hat Kira schon öfter einen Notfalleinsatz gehabt?
Sie warnt mich fast täglich - auch nachts. Sie spürt meine Probleme über den Atem und die Schweißabsonderung. Sie merkt vor allem auch, wenn der Zucker enorm ansteigt, das können nicht viele. Dies hat sie sich allerdings selbst angeeignet und ich fand das super.

Kira ist praktisch immer an Ihrer Seite - Tag und Nacht?
Ja, sie schläft mit im Schlafzimmer und ist auch ansonsten fast immer bei mir bzw. sollte es sein. Manchmal geht es leider nicht oder einige Leute verstehen einfach nicht, wie wichtig sie für mich ist und akzeptieren absolut nicht, dass sie dabei ist. Schade!

Wie viel Geld haben Sie bis jetzt in Ihren Lebensretter investiert (Anschaffung, Steuer, Ausbildung)?
Alles in allem habe ich bis jetzt etwa 6000 Euro investiert.

Das Gespräch führte
Johanna Blum.


Unterstützung bekommt Pia Schuhmann von Tim Scheppe, dem Ortssprecher von Weppersdorf und Lauf. Nachdem er auf einem Fest von den Problemen der Diabetikerin erfahren habe, sei er "etwas erschüttert", dass ein Diabetikerwarnhund nicht denselben rechtlichen Status wie ein Blindenhund hat, dass die Krankenkassen die Kosten für seine Ausbildung nicht übernehmen und dass es bis jetzt keine Steuerbefreiung für diesen Assistenzhund gibt.
Deshalb habe er dieses Problem an Günter Münch, den Fraktionssprecher der Freien Wähler im Adelsdorfer Gemeinderat, weitergegeben. Nun stellt die FW-Fraktion den Antrag im Gemeinderat, die Hundesteuersatzung zu ändern und in § 2 eine Steuerfreiheit für Assistenzhunde mit aufzunehmen. Des Weiteren sollte man sich überregional dafür stark machen, dass sich die Krankenkassen an den Kosten der Ausbildung für solche Hunde beteiligen oder sie sogar übernehmen.
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