Herzogenaurach
Zirkus

Der Zirkus hat weiter keine Erlaubnis

Die Stadt bleibt dabei: Es gibt keine Genehmigung für den Auftritt. Der Pächter des privaten Grundstücks untersagte die Nutzung seines Geländes.
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Andre Kaiser (links) empfing gestern Besucher von Behörden und Polizei.  Fotos: Bernhard Panzer
Andre Kaiser (links) empfing gestern Besucher von Behörden und Polizei. Fotos: Bernhard Panzer
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Dem Circus Alessio Kaiser scheint im Moment nur eines übrigzubleiben: Er muss die Stadt wohl verlassen. Denn der Familienbetrieb hat keinerlei Genehmigung, weder für die Vorstellungen noch für das Verbleiben auf dem Gelände im Norden der Stadt.
Die Stadtverwaltung hatte für einen Streifen im eigenen Besitz schon die Anwesenheit der Zirkusleute untersagt (der FT berichtete), und jetzt folgte auch der Pächter des anliegenden privaten Grundstücks. Es sei für die beabsichtigte Nutzung in dieser Form nie eine Genehmigung ausgesprochen worden.
Zirkuschef Andre Kaiser hatte am Mittwoch Besuch. Mitarbeiter des Rathauses, Landratsamts und der Polizei stellten sich ein, um die offenen Fragen zu klären. Wie berichtet, hatte sich der Zirkus auf dem Reihenzach-Gelände an der Flughafenstraße niedergelassen, ohne eine Genehmigung hierfür eingeholt zu haben.


Offenbar keine Zusage

Der Leiter des Ordnungsamts der Stadt, Gerd Lorenz, war mit zwei Rathaus-Mitarbeiterinnnen vor Ort und sprach mit dem Zirkusbetreiber. Gleichzeitig untersuchte eine Ärztin vom Veterinäramt des Landratsamts die Tiere. Und auch ein Vertreter des Pächters des privaten Grundstücks war zugegen.
Fakt scheint, dass die mündliche Zusage der Grundstückseigentümer so nicht zutrifft. Wie der Pächter des Grundstücks gegenüber dem FT erläuterte, habe der Zirkusbetreiber angegeben, lediglich drei Pflocken auf dem genannten Grundstück schlagen zu wollen und er hierfür die Erlaubnis des Besitzers habe. Beides, so der Pächter, sei falsch: "Er hat uns angelogen." Dass der Zirkus die gesamte Fläche nun in Beschlag nahm, das kommt für den Pächter nicht in Frage. Die Stadt selbst hat für ihre eigenen Grundstücke schon seit Jahren festgelegt, übrigens ähnlich wie andere Kommunen auch, keine Zirkusse mehr zu erlauben. Man habe schlichtweg zu schlechte Erfahrungen gemacht, sagte Bürgermeister German Hacker (SPD) bereits am Dienstag (der FT berichtete). Auch der städtische Streifen ist betroffen, wenn auch nur am Rande. Kaiser habe zugesichert, sich hiervon zu entfernen, hieß es aus dem Rathaus. Er erklärte das dann auch vor Ort.


Der Sicherheit verpflichtet

Gerd Lorenz blieb offensichtlich nichts anderes übrig, als die Aufführungs-Erlaubnis zu untersagen. Sein Amt sei der öffentlichen Sicherheit und Ordnung verpflichtet. Schon allein wegen der Tatsache, dass es keinen Pachtnachweis gebe, müsse man bei der Untersagung bleiben. Dabei sei auch die Haftung ein nicht unwichtiges Detail. Wer komme für Schäden auf dem Grundstück auf, wenn die Stadt den Aufenthalt genehmigen würde, obwohl es keinen Nachweis der Erlaubnis gibt? Auch hatte Lorenz Zweifel, dass die Erschließung gesichert sei. Kaiser verwies bei der Ortsbegehung auf ein Notstromaggregat.
Freilich gebe es auch Notsituationen, in die Wanderzirkusse geraten können, sagte Lorenz weiter. Aber er wollte nicht verstehen, dass der Zirkus in mehreren Monaten Winterquartier nicht in der Lage gewesen sei, für den anschließend beabsichtigten Herzogenauracher Aufenthalt die Grundstücksfrage zu klären und eine ordentliche Genehmigung einzuholen. Die Stadt sei durch die Vorgehensweise des Betriebs schlicht überfahren worden. Man dürfe sich aber nicht erpressen lassen, sagte Lorenz.
Andre Kaiser äußerte am Mittwoch gegenüber dem FT, dass er sich nicht in der Lage sehe, das Gelände zu verlassen. Der Familienbetrieb sei während des Aufenthalts in Stadeln in Konkurs gegangen, er habe kein Geld. Damit er das Winterquartier verlassen konnte, habe ihm die Stadt Fürth sogar einen Lkw reparieren lassen.
Immerhin war die Tierhaltung, von ein paar Mängeln abgesehen, wohl in Ordnung. Das habe die Veterinärin festgestellt, hieß es aus der Pressestelle des Landratsamtes.


Peta notiert genau

Ein Zirkus namens Kaiser steht seit längerer Zeit immer wieder mal in der Öffentlichkeit. Mal geht es in Presseberichten um ein ausgebüxtes Känguru und ausgerissene Kamele, mal um Ordnungswidrigkeiten. Allein die Tierschutzorganisation Peta hat zwischen 2011 und 2017 an die 30 Einträge gesammelt. Ein Beispiel: "Die Stadt München gab bekannt, dass der Zirkus Kaiser ... nicht mehr auf städtischen Flächen in München gastieren darf. Als Grund wurden erhebliche Schäden in Grünanlagen, Verstöße gegen Auflagen, Probleme mit der Tierhaltung, wiederholte Tierausbrüche, Anwohnerbeschwerden und ärgerliche Hinterlassenschaften angegeben (Quelle: TZ) ".
Andre Kaiser verwies im FT-Gespräch darauf, dass sich die Zirkusfamilie getrennt habe. Das ausgebüxte Känguru stamme vielleicht vom anderen Betrieb. Die beiden Brüder Arthur und Andre Kaiser hatten den Traditionszirkus, den es immerhin schon seit 270 Jahren gibt, in neunter Generation vor drei Jahren nach dem Tod des Vaters übernommen.


25 Tiere dabei

Der Betrieb von Andre Kaiser ist mit 25 Tieren unterwegs, darunter Kamele, Kängurus, Ponys, Bisons und Wasserbüffel.
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