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Herzogenaurach
Sakrament

Der Rockkeller erlebt seine erste Taufe

Kurz vor dem Auftakt zur Herzogenauracher Sommerkirchweih lässt ein Schaustellerpaar seine sechs Wochen alte Tochter mitten auf dem Festgelände taufen. In der ungewöhnlichen Umgebung waren Eltern und Verwandte aufgeregter als die kleine Vanessa.
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Pfarrer Martin Fuchs taufte Vanessa, die ihr Vater Freddie Buch hielt. Fotos: Richard Sänger
Pfarrer Martin Fuchs taufte Vanessa, die ihr Vater Freddie Buch hielt. Fotos: Richard Sänger
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Für Pfarrer Martin Fuchs aus Neumarkt, Leiter der katholischen Circus- und Schaustellerseelsorge in Deutschland, war es nichts Außergewöhnliches, als er auf dem Rockkeller in den Weihersbach-Anlagen der kleinen Vanessa das heilige Sakrament der Taufe spendete.

Für alle anderen Beteiligten galt das aber ganz sicher nicht. Bei der Herzogenauracher Sommerkirchweih dürfte es die erste Schausteller-Taufe gewesen sein, zumindest konnte sich keiner der Anwesenden an eine solche Zeremonie erinnern.

Am 13. Mai wurde das Mädchen geboren und war natürlich der absolute Mittelpunkt an den festlich gedeckten Tischen auf dem Rockkeller. Tanten und Omas konnten von der kleinen Vanessa überhaupt nicht genug bekommen, und das kleine Mädchen wanderte von Arm zu Arm, manchmal unter etwas Protest, ein anderes Mal aber auch mit stoischer Ruhe.


Ein Ölfass als Altar

"Eine Taufe ist etwas Besonderes, aber der Ort ist für mich mittlerweile vollkommen normal. Ob es nun ein Autoscooter, ein Riesenrad, ein Bierkeller oder eine Kirche ist, für mich macht das keinen Unterschied. Es sind die Gläubigen, die einen Raum zur Kirche machen können", erklärte dazu der Schaustellerpfarrer. Da spielte es auch keine Rolle, dass als Altar ein als Stehtisch umfunktioniertes Ölfass diente.

Eine Taufe sei das erste Sakrament zur Aufnahme in die Kirche, "eigentlich ist es deshalb auch das wichtigste Sakrament", erklärte Pfarrer Fuchs zu Beginn der Zeremonie. Die Worte aus dem Matthäus-Evangelium, "Du sollst Gott deinen Herrn lieben - du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst", gab der Pfarrer der kleinen Vanessa, den Eltern Susanne Hubmann und Freddie Buch sowie der Patin Katharina Friedrich mit auf den Weg. Das Menschenbild und das Gottesbild würden eng zusammenhängen, "denn wir tun alles im Namen dieses Gottes und seines Sohnes". Aus der Kraft von Vater und Sohn werde das, was uns Menschen verbindet. Das Leben verglich Pfarrer Fuchs mit Wellen, ein stetiges Auf und Ab ähnlich wie im Schaustellergewerbe. Auch auf den Festplätzen gebe es immer einen Auf- und einen Abbau.

Die kleine Vanessa, die ihr Papa Freddie Buch in den Armen hielt, verfolgte die Zeremonie mit großen Augen und verzog auch keine Miene, als ihr der Pfarrer Wasser aufs Köpfchen träufelte und sie salbte. "Wasser ist ein Lebenselixier und ein wichtiges Element der Taufe", erklärte Martin Fuchs und hing der kleinen Vanessa das Taufkleid um. Mit dem Segen für die Familie, Verwandten, Freunden und Kollegen und dass Gott sie auf ihrem Weg von einem Ort zum anderen begleiten möge, endete die feierliche Zeremonie.

Während der feierlichen Handlung stellten auch die Holzfäller im vorderen Teil des Rockkellers ihre Arbeit ein. An einem wuchtigen Ahornbaum wurde ein massiver Pilzbefall festgestellt, und aus Sicherheitsgründen musste der Baum noch vor Eröffnung der Sommerkirchweih gefällt werden. Da in den letzten Tagen bereits Buden, Tische und Bänke aufgestellt worden waren, musste der Baum von oben Stück um Stück abgetragen werden. Die beiden Baumspezialisten verfolgten in 30 Metern Höhe am Seil hängend die Zeremonie, und die Motorsägen wurden erst nach der Taufe wieder angeworfen.
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