Herzogenaurach
Lesevergnügen

Der Postplatz: Ein idealer Platz zum Schmökern

Der Bücherschrank am Postplatz ist eröffnet. Jeder Bürger kann sich bedienen und auch eigene Bücher dort unterbringen.
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Sie war die Erste: Irmgard Steinel vor dem neuen Bücherschrank am Postplatz. Der erhält an der Seite noch eine Hinweistafel, damit die Nutzer genau wissen, wie es funktioniert.
Sie war die Erste: Irmgard Steinel vor dem neuen Bücherschrank am Postplatz. Der erhält an der Seite noch eine Hinweistafel, damit die Nutzer genau wissen, wie es funktioniert.
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Er ist hübsch anzusehen, steht an einem offenbar idealen Platz und hat schon nach wenigen Minuten die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich gezogen: der Bücherschrank am Postplatz-Kreisel. Es ist der zweite, den die Stadt inzwischen anbietet, und weitere könnten durchaus folgen.

Bisher steht schon ein Exemplar im Generationen.Zentrum in der Erlanger Straße, dem ehemaligen Freizeitheim. Auch wenn das dort eher ein Regal ist, wie Robert Weigl, einer der Paten der Aktion Bücherschrank, bei der Inbetriebnahme feststellte. "Schön wäre ein zweiter Schrank in der Hauptstraße", überlegte sich Zweite Bürgermeisterin Renate Schroff (SPD). Denn wenn das Interesse so anhält wie bisher, dann braucht es bald Verstärkung. "Wir haben darüber in der Gruppe schon diskutiert", sagte Evi Bauer, die Leiterin des Generationen.Zentrums.

Schmökern, nehmen, tauschen

Das Prinzip des Angebots ist einfach. Jeder Bürger kann dorthin kommen, sich ein Buch aus dem Schrank mit nach Hause nehmen oder vor Ort mit dem Lesen beginnen. Dazu laden ja auch die Ruhebänke in der benachbarten Grünanlage des Postplatzes trefflich ein. Außerdem kann man den Schrank auch mit eigenen Büchern füllen. Das Prinzip lautet schlicht und einfach: "Schmökern, nehmen, tauschen".

Schon das Bücherregal im Generationen.Zentrum, das dort seit Juni im Erdgeschoss steht, erfreut sich großer Beliebtheit. Das Interesse, neuen Lesestoff mitzubringen und die Fächer zu füllen, war derart groß, dass die Bücher dort schon in zweiter Reihe standen. Das sagte Evi Bauer am Freitagvormittag beim Ortstermin auf dem Postplatz. "An Büchern wird's nicht mangeln", ergänzte sie. Auch Jürgen Jansen bestätigte, dass die Zahl der Zugänge an neuen Büchern drüben in der Erlanger Straße größer sei als die der Abgänge.

Also haben die Paten kurzerhand Exemplare mitgebracht und den neuen Bücherschrank damit bestückt. Gut zur Hälfte ist er nun gefüllt, es ist also noch genügend Platz für Mitbringsel, Denn im Grunde soll sich der Schrank von selbst füllen, die Erstbestückung war gewissermaßen nur Geburtshilfe.

Bei den Bücherschrank-Paten handelt es sich um eine Gruppe ehrenamtlich aktiver Bürger, die fürs Lesen und ein gutes Buch etwas übrig haben. Die Helfer haben ein Auge darauf und kontrollieren auch schon mal den Inhalt. Denn weder darf in dem öffentlichen Schrank, der ja auch für Kinder zugänglich ist, Gewalt verherrlicht werden, noch haben rassistische oder religiös fanatische Veröffentlichungen dort etwas verloren. Auch wenn etwas anstößig, jugendgefährdend oder in sonst einer Art und Weise auffällig ist, kann es vom Team entfernt werden.

Bisher ist das, zum Glück, reine Theorie. Etwas von dieser verbotenen Liste ist noch nicht aufgetaucht, sagte Hans Heinzel, einer der Helfer. Er und seine Kollegen werfen immer mal einen Blick auf den Schrank, beim Spaziergang durch die Stadt oder auch beim bewussten Gang dorthin. Mindestens zweimal die Woche soll nachgeschaut werden.

Freudige Reaktionen

"Ich wusste gar nicht, dass der Schrank schon steht!" Freudig überrascht war Margot Pfannenmüller, als sie gestern am Standort vorbeikam. Die Herzogenauracherin ist bereits begeisterte Kundin des Regals im Generationen.Zentrum. "Ich hab schon viele Bücher mitgebracht", sagte sie. Auf die Idee gebracht worden ist sie von ihrer Tochter, die in der Nähe von Neumarkt lebt. Dort gibt es solche Schränke schon. So wie die lesefreudige Frau wird es sicher auch Irmgard Steinel öfter mal zu dem schmucken Schrank ziehen. Die Geschäftsfrau hat es schließlich nicht weit, ihr Laden "Zapfino" ist nur ein paar Meter entfernt. Sie war die erste Kundin nach der offiziellen Eröffnung und hat sich gleich einen Roman über Katharina II. zum Lesen mitgenommen.

"Lesen ist wie Fernsehen im Kopf", stellte Zweite Bürgermeisterin Renate Schroff fest. Das habe der frühere Landrat Eberhard Irlinger immer gesagt. Genug Stoff für die Phantasie ist im Schrank enthalten. Von Dan Browns Dauerbrenner "Sakrileg" über George Orwells Klassiker "1984" bis zum Bestseller "Der Schakal" von Frederick Forsythe gab's gestern einiges an Romanen zu finden. Aber auch Sachbücher dürfen da rein, oder Veröffentlichungen für Kinder. So warteten am Vormittag zum Beispiel Bücher über die Vollwertkost oder den menschlichen Körper auf Leser, aber auch eine Autobiographie über das Leben von Charlie Chaplin oder eine Exkursion in das Reich der Inka.

Vielfältig ist das Angebot. Was sonst noch zu finden ist, kann jeder selbst erkunden.

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