Herzogenaurach
Antrag

Der Landkreis soll ein "Sicherer Hafen" für Flüchtlinge werden

Deutliche Forderungen an die Politik und an den Landkreis standen im Mittelpunkt der Versammlung der Flüchtlingsinitiativen im Landkreis Erlangen-Höchstadt.
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Stephan Keßler wurde aus dem Sprecherteam der Flüchtlingsinitiativen verabschiedet, dem künftig Katharina Haack, Jitka Hogan, Petra Kleineisel und Konrad Eitel (v. l.) angehören.    Foto: privat
Stephan Keßler wurde aus dem Sprecherteam der Flüchtlingsinitiativen verabschiedet, dem künftig Katharina Haack, Jitka Hogan, Petra Kleineisel und Konrad Eitel (v. l.) angehören. Foto: privat

Die Vertreter von 14 Helferkreisen von Eckental bis Wachenroth erörterten die Situation von Geflüchteten in ihren Gemeinden und die Veränderungen, die sich in den letzten Jahren ergeben haben: Rückläufige Zahlen von Asylsuchenden bedeutet nicht weniger Arbeit für die Aktiven, sondern andere Schwerpunkte, insbesondere für die anerkannten Flüchtlinge, heißt es in einem Pressebericht. Zum Schluss des Treffens wählten die Delegierten noch ein neues Sprecherteam.

Eingangs referierte Gertrud Hahm vom Gesundheitsamt über die Arbeit der Schwangerenberatung. Cornelia Schmidt, Bildungskoordinatorin für Migranten beim Landratsamt, stellte neue Entwicklungen und Hilfen für die Arbeit mit Geflüchteten vor.

Ausführlich berichteten dann die Vertreter aus den Gemeinden von ihrer Arbeit und den aktuellen Problemen. Trotz des Rückgangs der Asylbewerber - im Landkreis sind aktuell noch gut 500 Personen gemeldet - hat sich der Arbeitsaufwand der Unterstützer nicht verringert, da die Integration der anerkannten Flüchtlinge, darunter viele Familien mit kleinen Kindern, oft einen zeitraubenden Aufwand erfordert von der persönlichen Zuwendung bis hin zur Erledigung des großen bürokratischen Aufwands. Die Suche nach Wohnraum nimmt dabei weiterhin einen breiten Raum ein, heißt es im Bericht über die Versammlung.

Kritik am Ausländeramt

Bemängelt wurde durchgehend die Qualität der Unterkünfte, in denen die Betroffenen oft jahrelang leben müssten. Weiterer großer Kritikpunkt war die Verweigerung von Arbeitserlaubnissen für viele Migranten, besonders aus Äthiopien, die trotz guter Perspektiven keiner Beschäftigung nachgehen dürfen, während Handwerk und Altenheime händeringend nach Mitarbeitern suchen. Hervorgehoben wurde, dass das Ausländeramt Erlangen-Höchstadt hier offenbar besonders rigide vorgeht.

Viele Beiträge forderten die politisch Verantwortlichen, insbesondere die Bundesregierung und die bayerische Staatsregierung auf, im Umgang mit Geflüchteten mehr Menschlichkeit zu zeigen und auf die ständige Verschärfung von Gesetzen zu verzichten, die auch nur zu weiteren Ressentiments in der Bevölkerung führten. Auch die jüngsten Abschiebungen aus Herzogenaurach wurden kritisiert.

Um ein positives Zeichen zu setzen und der Willkommenskultur vor Ort einen neuen Anschub zu verleihen, beschloss die Versammlung einmütig, den Antrag an den Kreistag zu stellen, den Landkreis Erlangen-Höchstadt zum "Sicheren Hafen" zu erklären. Damit soll dokumentiert werden, dass Geflüchtete willkommen sind und der Landkreis bereit ist, auf freien Plätze in den Unterkünften - derzeit etwa 180 - zum Beispiel Menschen aufzunehmen, die akut aus Seenot gerettet worden sind und deren Verteilung auf europäischer Ebene oft schwierig ist. In der Begründung heißt es unter anderem: "Menschen auf dem Mittelmeer sterben zu lassen, um die Abschottung Europas weiter voranzubringen und politische Machtkämpfe auszutragen, ist unerträglich und spricht gegen jegliche Humanität. Migration ist und war schon immer Teil unserer Gesellschaft! Statt dass die Grenzen dicht gemacht werden, brauchen wir ein offenes Europa, solidarische Städte und sichere Häfen." Die Stadt Erlangen hat sich bereits im Oktober vergangenen Jahres zu "Sicheren Hafen" erklärt.

Zwei Neue im Sprecherteam

Zum Abschluss des Treffens wurde ein neues Leitungsteam gewählt. Neben Petra Kleineisel (Wachenroth) und Konrad Eitel (Herzogenaurach), die dem Gremium schon bisher angehörten, wurden neu Jitka Hogan (Adelsdorf) und Katharina Haack (Heroldsberg) dazu gewählt. Stephan Keßler aus Heroldsberg, der bislang im Leitungskreis vor allem für Arbeit und Existenzgründungen zuständig war, wurde mit Beifall verschiedet, bleibt aber bei den Aktivsenioren Mittelfranken weiterhin für diesen Bereich ansprechbar.

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