LKR Erlangen-Höchstadt
Kreistag

Der Landkreis ERH erstickt im Verkehr

Auf den Hauptverkehrsadern in Erlangen-Höchstadt prägen weiterhin Baustellen das Bild.
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Die A3 wartet Höchstadt und dem Kreuz Fürth/Erlangen auf den dreispurigen Ausbau.  Foto: Andreas Dorsch (Archiv)
Die A3 wartet Höchstadt und dem Kreuz Fürth/Erlangen auf den dreispurigen Ausbau. Foto: Andreas Dorsch (Archiv)

"Wir stehen am Anfang des A-3-Ausbaus und haben jetzt schon chaotische Verkehrsverhältnisse." So fasste SPD-Kreisrätin und Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich am Montag im Kreistag die aktuelle Situation auf den Straßen zwischen Wachenroth und dem Autobahnkreuz Fürth/Erlangen zusammen - und weiter: "Wir brauchen Strategien."

Die erwarteten die Kreisräte von Stephan Ried, verantwortlicher Planer der Autobahndirektion Nordbayern, vom Chef des Staatlichen Bauamts Nürnberg, Andreas Eisgruber, und von der für Erlangen-Höchstadt zuständigen Abteilungsleiterin Lisa Bauernsachs. Die drei waren zu ihrem jährlichen Termin ins Landratsamt gekommen, um über die anstehenden Bauvorhaben auf den Autobahnen, Bundes- und Landstraßen im Landkreis zu informieren.

Stephan Ried von der Autobahndirektion konnte auch gleich einen Fragenkatalog der Grünen zum anstehenden A3-Ausbau beantworten, musste sich aber auch scharfe Kritik anhören.

Die bezog sich auf die Pläne, die A3 zwischen Biebelried und Fürth/Erlangen von einem privaten Betreiber im Zuge eines ÖPP-Projektes (öffentlich-private Partnerschaft) ausbauen zu lassen. Wie Ried erklärte, mit 76 Kilometern das größte ÖPP-Projekt in Deutschland.

Eigentlich sollte heuer schon gebaut werden, doch musste das Vergabeverfahren wieder zurückgesetzt werden, da die beiden einzigen Angebote Mängel aufwiesen.

Weil beide Konsortien die Aufträge wollen, zeigt sich Ried "hoch optimistisch", dass sie erneut anbieten und diese Mängel nicht mehr machen. Jetzt wolle man im Frühjahr 2020 mit dem Ausbau starten.

Auf die Frage, wo dann wie begonnen wird, konnte Ried noch keine Antwort geben. Erst wenn der Zuschlag erteilt sei, könne man über den Bauablauf reden. Den könnten die Firmen dann nach eigenen Stärken festlegen.

ÖPP-Projekt kein Allheilmittel

Für Landrat Alexander Tritthart (CSU) ist die einjährige Verzögerung sehr bedauerlich, werde der Ausbau vor allem von Unternehmen doch schon seit 40 bis 50 Jahren gefordert. Der Kreistag habe bereits sämtliche Mittel für den Ausbau zweier Brücken und einer Unterführung freigegeben. Hier zeige sich, dass ÖPP-Projekte keine Allheilmittel seien. Tritthart: "Gott sei Dank haben wir uns beim Bau des Landratsamtes nicht darauf eingelassen."

Unterstützung bekam Tritthart von Manfred Bachmayer (Grüne): "Wenn sich nichts tut, muss man fragen, ob ÖPP-Projekte noch Sinn machen." Keine Hoffnung machte Ried den Grünen hinsichtlich einer Zwischenlösung in Sachen Lärmschutz, nachdem schon viel Wald, der auch als Schutz diente, abgeholzt wurde. Das Baufeld soll so sein, dass die Firmen loslegen können, sagte Ried, dafür räume man alle Stolpersteine aus dem Weg.

Mit solchen hat das Staatliche Bauamt auf der B 470 und einigen Staatsstraßen noch zu kämpfen. Einer ist die Kreuzung der B 470 mit der Staatsstraße bei Lonnerstadt. Hier soll eine weitere Ampelanlage einen Unfallschwerpunkt entschärfen. Für Eisgruber eine schnelle und mit rund 700 000 Euro günstige Lösung. Andreas Galster (CSU) monierte, dass hier wieder Ampeln aufgestellt werden sollen. Er sähe lieber einen Kreisverkehr und erinnerte auch an die Einmündungen der ERH 16 in die B 470 bei Adelsdorf, wo der Kreistag weiter auf einen Kreisverkehr drängt. Aufgeschoben sei nicht aufgehoben, entgegnete Eisgruber. Galster hielt dem Bauamt vor, "nur dann Kreisverkehre zu bauen, wenn Kommunalpolitiker richtig Dampf machen".

Vollsperrung der B 470

An diesem Knotenpunkt bei Adelsdorf habe man die Ampelanlage nachsteuern müssen, sagte Lisa Bauersachs. Der Grund: Durch die täglichen Staus auf der A3 Richtung Nürnberg fahren immer weniger bei Höchstadt-Ost auf die Autobahn, sondern weichen Richtung Forchheim aus und fahren dann über Hemhofen und Röttenbach, was dessen Bürgermeister Ludwig Wahl (FW) beklagte. Dafür seien aber Umleitungsstrecken da, entgegnete Eisgruber, die Belastungen würden sich immer wieder wandeln.

Die nächste Vollsperrung mit weiträumigen Umleitungen steht schon an. Ab 12. August wird die B 470 zwischen Höchstadt und Gremsdorf für voraussichtlich drei Wochen dicht gemacht und der Belag erneuert. Alexander Schulz (CSU) sähe hier eher Bedarf an den Fahrbahnen am Karpfenkreisel in Höchstadt. Den habe man in den nächsten Jahren im Blick, entgegnete Lisa Bauersachs.

Im Blick hat das Staatliche Bauamt auch die Pläne für die Ortsumgehung Gremsdorf. Hier untersuche man die drei Varianten Südumgehung, Nordumgehung und Untertunnelung, wobei laut Eisgruber der Umweltgedanke im Vordergrund stehe. Für Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (FW) komme hier nur die Nordumgehung durchs Aischtal in Frage, denn man müsse auch "das Schutzgut Mensch" berücksichtigen.

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