Höchstadt a. d. Aisch
Beruf

Der Hauswirtschaftliche Fachservice Höchstadt ist eine große Hilfe für Haus und Hof

Die Frauen vom Hauswirtschaftlichen Fachservice Höchstadt helfen im Haushalt, wenn Not am Mann ist. Doch mit der Zeit fehlt ihnen der Nachwuchs.
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Die Kinderbetreuung ist der Teil der Arbeit, der Gerda Schmiedel (hinten) besonders gefällt. Foto: Mirjam Stumpf
Die Kinderbetreuung ist der Teil der Arbeit, der Gerda Schmiedel (hinten) besonders gefällt. Foto: Mirjam Stumpf
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Für viele Menschen sind sie Gold wert: Sie helfen bei großen Familienfesten, unterstützen bei der Kinderbetreuung, oder kümmern sich um Garten, Küche und Wäsche. Acht Frauen zwischen 38 und 63 Jahren bilden den Hauswirtschaftlichen Fachservice (HWF) Höchstadt.

Dieser ist ein nicht eingetragener Verein, deren Mitglieder Einzelpersonen oder Familien im gesamten Raum Erlangen-Höchstadt rund um den Haushalt unterstützen. Die Frauen sind allesamt ausgebildete Hauswirtschaftskräfte - eine Voraussetzung, um als selbstständige Hauswirtschafterin im Verein zu arbeiten.

Gerda Schmiedel ist Vorsitzende des HWF im Landkreis. "Bei mir laufen die Fäden zusammen", sagt sie. Die 56-Jährige nimmt Aufträge an und organisiert deren Verteilung. Früher seien sie im Team zu zehnt gewesen. Inzwischen sei es aber immer schwieriger, Nachwuchs zu finden, erzählt sie. Deshalb müsse sie in letzter Zeit oft umfangreiche Anfragen ablehnen.

Vereinsgründung 1998

Denn an denen mangele es nicht. Einige der Kunden seien "Dauerkunden", die schon seit mehreren Jahren regelmäßig die Dienste des HWF in Anspruch nehmen. Bei anderen ist unerwartet Not am Mann. "Viele rufen erst an, wenn sie keinen Ausweg mehr sehen", berichtet sie. In vielen Fällen, beispielsweise bei Krankheit oder Kuraufenthalten, ist eine Abrechnung mit der Krankenkasse möglich. Der zeitliche Umfang solcher Einsätze lässt sich mit dem jetzigen Personal aber nicht stemmen.

Der Hauswirtschaftliche Fachservice wurde 1998 gegründet. Ursprünglich sollte er Frauen in der Landwirtschaft ein zweites Standbein sichern, erzählt Gerda Schmiedel, selbst Gründungsmitglied in Höchstadt.

Das bestätigt auch Edeltraud Buchner, Bildungsberaterin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Fürth. Der HWF sollte Frauen eine neue Einkommensmöglichkeit bieten, so die Bildungsberaterin. Zumal es Bedarf auf beiden Seiten gegeben habe. Immer wieder seien in dieser Zeit am AELF in Fürth viele Anfragen nach Unterstützung im Haushalt eingegangen. Aus diesem Grund haben die damaligen Kollegen "gezielt Bäuerinnen mit einer hauswirtschaftlichen Ausbildung angesprochen", sagt Buchner. Wenig später ging daraus der Verein hervor.

Organisation über den Verband

Die Bedingung, um Teil des Fachservices zu werden, ist eine abgeschlossene hauswirtschaftliche Ausbildung. Organisiert ist der Verein über den Verband Hauswirtschaftlicher Fachservice-Organisationen in Bayern.

Die Mitglieder sind in die einzelnen Bezirke Bayerns aufgeteilt, diese wiederum in Landkreise. So finde eine Vernetzung und auch Vereinheitlichung statt, erklärt Bildungsberaterin Buchner. Auch, um eine gewisse Qualität des Angebots zu sichern.

Deshalb gebe es viele Weiterbildungsmöglichkeiten, sagt Buchner. "Zwei Weiterbildungen im Jahr sind bei uns Pflicht", erklärt auch Schmiedel. Dabei orientiere man sich am Wandel der Zeit: Ein neu aufkommendes Thema in den letzten Jahren sei beispielsweise die umweltschonende Reinigung. Einmal im Jahr finde überdies ein Treffen aller Vorstände statt.

In der freiberuflichen Tätigkeit sieht Schmiedel ein mögliches Hindernis für die ein oder andere Hauswirtschafterin. Viele Berufseinsteiger wollen eher in einem festen Anstellungsverhältnis stehen, vermutet sie. Für Gerda Schmiedel hat die Art ihrer Arbeit aber viele Vorteile, die überwiegen. "Ich kann die Arbeit gut mit meiner Familie vereinbaren", nennt sie einen der Gründe. Ihre Termine unter der Woche kann sie stets variabel legen. Jede Frau kann genau so viele Wochenstunden leisten, wie sie zeitlich schafft, auch wenn es nur zwei pro Woche sind.

Wichtige Kontaktpersonen

Außerdem sei die Arbeit vielfältig. Schmiedel findet, die Tätigkeit sei im allgemeinen Verständnis leider oft negativ behaftet. Denn es gehe schließlich nicht nur ums Reinigen. Vielmehr baue sich oft eine Bindung zu den Kunden auf. "Für viele ältere Menschen ist man eine wichtige Kontaktperson", sagt sie, von denen auch viel zurückkomme.

Sie betont außerdem, wie wichtig der Stellenwert der Hauswirtschaft nach wie vor ist, besonders im Hinblick darauf, Kinder früh mit einzubeziehen. Das beginne schon beim täglichen Essen. "Man sollte den Kindern vermitteln, sich Zeit für die Nahrungszubereitung zu nehmen." Diese Einstellung gehe zunehmend verloren.

Schmiedel hat in Bezug auf ihre langjährige Tätigkeit noch ein weiteres Anliegen. Viele junge Frauen und Männer wüssten heute oft nicht mehr, wie ein Haushalt funktioniert. "Wenn plötzlich Familie und Kinder da sind und man noch arbeitet, sind viele schnell überfordert." Ein "Grundkurs Hauswirtschaft" könne ihrer Meinung nach durchaus wieder zum Pflichtfach in allen Schulformen werden, sagt Schmiedel. "Das klingt jetzt altmodisch, aber ein schön geführter Haushalt macht schon was her."

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