Herzogenaurach
Serie Erster Weltkrieg (2)

Der erste Herzogenauracher fällt nach zwei Wochen

Nur kurze Zeit nach Kriegsausbruch häuften sich die Todesnachrichten, die Herzogenaurach erreichten. Der Euphorie sowohl bei den Soldaten als auch den Daheimgebliebenen tat das zunächst keinen Abbruch.
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Dieses Fenster aus dem alten Rathaus, das die eingezogenen Männer auf dem Weg in den Krieg zeigt, ist heute im Herzogenauracher Stadtmuseum zu sehen. Foto: Manfred Welker
Dieses Fenster aus dem alten Rathaus, das die eingezogenen Männer auf dem Weg in den Krieg zeigt, ist heute im Herzogenauracher Stadtmuseum zu sehen. Foto: Manfred Welker
Über 300 Herzogenauracher wurden schon kurz nach Kriegsausbruch eingezogen. Am 4. August 1914 zogen sie vom Marktplatz zum Bahnhof. Die letzten Rufe bei der Abfahrt des Zuges waren diese: "Also ade! Wenn's Christkindla kommt, kommen wir auch wieder." Und ein anderer rief: "Und dann muss alles rot werden."

Zuvor machte noch das Gerücht die Runde, dass beim Galgenhof die Verschraubungen der Schienen von einem fremden Mann gelöst worden seien, um damit den Zug zum Entgleisen zu bringen. Daher fuhr die leere Lokomotive die Strecke ab und kam unbeschadet wieder zurück. Wie sich herausstellte, war der fremde Mann am Bahnkörper nur ein Eisenbahner, der zur Fahrkartenkontrolle gekommen war.

Angst vor Spionage

Die Spionagefurcht war sehr groß, Teile der Bevölkerung glaubten fremde Flieger oder Autos beobachtet zu haben, Zerstörungsversuche gegen die Eisenbahn und Brücken
wurden vermutet.

Ein deutsch-polnischer Geistlicher, der in Erlangen an der Universität seine Dissertation über die Herzogenauracher Stadtpfarrkirche schreiben wollte, war seiner Studien wegen in Herzogenaurach und wurde für einen Spion gehalten, obwohl der Pfarrer und die Gendarmerie seine Papiere geprüft hatten; man vertrieb ihn aus Herzogenaurach und am nächsten Tag wurde er in Erlangen noch im Bett verhaftet.

Der Wiener Künstler H. Kastner, der mit seinem Neffen die Liebfrauenhauskirche ausmalte, wurden für einen Spion gehalten, als er in die Pfarrkirche kam, um sich das Marienbild und den alten Jochum genauer betrachten zu können. "Es scheint, dass auch die Nähe der großen Eisenbahnbrücke bei Emskirchen, die sofort militärisch bewacht wurde, die Leute nervös machte", notierte der damalige Pfarrer Müller.

In der Schlacht bei Luig in Lothringen fiel am 20. August 1914 Christoph Spieß, Sohn von Alban und Anna Spieß, geborene Körner. Christoph Spieß war am 23. Mai 1891 geboren worden. Er diente in der achten Kompanie des Königlich-Bayerischen 19. Infanterieregiments. Sein Name findet sich als erster auf der Gedenktafel der Gefallenen Herzogenaurachs in der Krypta.

Am 25. August 1914 zog Benefiziat Ferdinand Sponsel als Feldgeistlicher mit in den Krieg. Für Kaplan Georg Heinlein wurde die Unabkömmlichkeit beantragt. Es wurden auch einige Lehrer eingezogen. Am 6. September wurde bekannt, dass zwei Pfarrkinder, August Lorenz und Friedrich Mehler, gefallen waren. Zu den ersten Kriegstoten gehörte auch Friedrich Brandel aus Hauptendorf. In den ersten Kriegswochen begleiteten entweder der Pfarrer oder der Kaplan die Ausziehenden.

"Die Todesnachrichten aus dem Felde mehrten sich. Es wurden weiter als tot gemeldet: Christoph Güßregen, Adam Geinzer von Welkenbach und Johann Krämer von Niederndorf. Johann Wölfel von Niederndorf wurde im hiesigen Friedhof beerdigt." Pfarrer Müller ließ daher in der Kirche eine provisorische Kriegergedächtnistafel anbringen.

Gebete für den Sieg

In der Dreifaltigkeitskapelle der Familie Zimmerer in der Würzburger Straße wurden auch private Andachten gehalten, wie sich Ursula Ploner, verheiratete Sieber, erinnerte, die als Kind mit einer brennenden Kerze auf den Altarstufen kniete. Gesungen wurde dabei das Lied: "Gerecht ist unsere Sache, und heilig unser Krieg. Du achtest auf das Schwache, und gibst uns Mut zum Sieg." Frau Zimmerer gab die neuesten Nachrichten weiter, etwa, dass die Soldaten an der Festung von Belfort vorbei auf Paris marschieren würden.

Als die Männer einrückten, war die größte Sorge, wer im Herbst die Ernte einbringen sollte. Aber alles half zusammen. "Respekt vor unsern wackeren Bauersfrauen, die ihren Mann stellen, und die guten alten Leute, die sich wieder tüchtig ins Zeug legten!" Der Ernteertrag war in diesem Jahr gut.

"Immer mehr Einberufungen! Es ist aber auch nötig. Die Feinde werden immer mehr", waren viele der Überzeugung. Am Allerseelentag war die Feier besonders beeindruckend.

Durch den Stadtrat wurde die Kriegsfürsorge gegründet. An Weihnachten wurden allen Kriegern der Stadt reichliche Pakete ins Feld geschickt. "Der Krieg singt das Hohe Lied der hilfstätigen Liebe auch hier", heißt es in Pfarrer Müllers Aufzeichnungen. Bereits im September 1914 wurde im Exerzitienhaus des Liebfrauenhauses ein Vereinslazarett eingerichtet. 1914 fielen aus der Pfarrei Herzogenaurach 24 Soldaten.

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