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Erlangen
Porträt

Der Erlanger Student Lukas Eitel kandidiert für die Linke

Für die Linke geht Lukas Eitel bei der Landtagswahl im Stimmkreis Erlangen-Höchstadt an den Start. Der 19-jährige Student aus Erlangen sieht in seinem Alter einen Vorteil, vermisst aber den Respekt der politischen Gegner.
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Mit 19 Jahren ist Lukas Eitel von der Linken der mit Abstand jüngste Direktkandidat im Stimmkreis Erlangen-Höchstadt. Foto: Jann Weckel
Mit 19 Jahren ist Lukas Eitel von der Linken der mit Abstand jüngste Direktkandidat im Stimmkreis Erlangen-Höchstadt. Foto: Jann Weckel

Am 15. Oktober beginnt an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen das Wintersemester 2018. Für die Studenten - wenn sie denn ihre Klausuren bereits hinter sich haben - ist bis dahin noch Schonfrist. Ganz anders ist das beim 19-jährigen Lukas Eitel. Er muss nicht nur noch Klausuren schreiben - er steckt mitten im Wahlkampf.

"Wir wollten jemanden, der nicht der klassische Kandidat ist: Über 50, seit Jahren in der Politik aktiv und so weiter. Ein Informatikstudent ist da schon eher ungewöhnlich", sagt Eitel. Ungewöhnlich, noch dazu, wenn er erst im Vorjahr sein Abitur gemacht hat. "Ich habe gesagt, ich wäre bereit es zu tun" , blickt er zurück - und wurde prompt gewählt. Seitdem steckt er im Wahlkampf und im Prüfungsstress gleichzeitig. "Ich schreibe meine letzte Klausur am 11. Oktober. Das wird spannend, wie ich da abschneide. Es bleibt einfach wenig Zeit. Das muss jedem bewusst sein, der sich für eine Kandidatur entscheidet."

"Politik für die Mehrheit"

Sein politisches Interesse begann bei der Bundestagswahl 2013: "Da habe ich mich sehr gefreut, dass die FDP rausgeflogen ist. Es war aber noch nicht klar, in welche politische Richtung meine Reise geht." Das kam erst später: "Ich habe bei den Linken gemerkt: Die sind oft meiner Meinung." Der Parteieintritt folgte mit der Volljährigkeit. Von linker Politik hat er eine klare Vorstellung: "Das bedeutet für mich, Politik für die große Mehrheit der Gesellschaft zu machen. Für die, die täglich für ihr Geld arbeiten müssen", sagt Eitel. Aber: "Wir machen nicht Politik für alle. Ein sehr reicher Mensch wird von unserer Steuerpolitik nicht profitieren."

Als mit Abstand jüngster Direktkandidat im Stimmkreis Erlangen-Höchstadt ist sein Alter immer wieder ein Thema: "In der Partei nicht, aber mir ist schon aufgefallen, dass die politischen Gegner einen nicht ernst nehmen." So habe ihn vor Kurzem sogar der Erlanger Landtagsabgeordnete und bayerische Innenminister, Joachim Herrmann (CSU), namentlich in einer Rede zitiert. "Da war ich plötzlich der Vorstand der Linksjugend. Bin ich aber gar nicht. Aber jemand, der so jung ist, der kann natürlich nur in der Jugendgruppierung aktiv sein."

Stattdessen kandidiert er für den Landtag - nicht gegen Herrmann im Stimmkreis Stadt Erlangen, sondern im Landkreis, wo es die Linke immer schwerer habe: "Wir sind eher eine urbane Partei." Allzu groß waren seine Berührungspunkte mit dem Landkreis bisher nicht, daraus macht Eitel kein Geheimnis. "Aber ich habe bei der letzten Bundestagswahl schon viel Wahlkampf im Landkreis gemacht." Damals als Unterstützer des Kandidaten Anton Salzbrunn. "Der Kreis hat ein Problem, das viele haben", sagt Eitel. "Es werden immer die Zentren gestärkt. Erlangen hat die Uni und Siemens. Was der Kreis hat, ist nur ein bisschen Schaeffler." Sein Anliegen: Mehr Ausbildungsplätze und andere attraktive Angebote in die Fläche, damit die Landflucht aufhört.

Hoffen auf den Einzug

Eitel sieht sein Alter als Vorteil. Er sei quasi immun gegen die klassischen Vorurteile gegenüber linken Politikern. "Wenn zu mir jemand sagt, ich wäre ein Mauerschütze, dann kommt das nicht sehr glaubwürdig rüber." Die Bürger seien ihm gegenüber sehr aufgeschlossen: "Mir hören die Leute erst einmal eher zu."

Eitels Wunschergebnis bei der Wahl sei der Einzug der Linken in den Landtag. "Das ist realistisch. Super wäre es, wenn es nicht genau fünf Prozent wären, sondern vielleicht noch ein kleiner Puffer da ist." Doch sein Blick geht auch zu den anderen Parteien. "Eine Hoffnung wäre, dass die AfD klein gehalten wird. Dass der Rechtsruck gestoppt wird, das ist im Moment die größte Aufgabe der Linken. Aber es wird eine konservative Mehrheit geben."

Mit Listenplatz acht hält er einen eigenen Einzug in den Landtag für unrealistisch: "Ich würde das Mandat aber annehmen." Lebenslang Berufspolitiker zu sein, das könne er sich nicht vorstellen: "Ich mag dieses Berufspolitikertum nicht. Ich bin auch für eine Mandatszeitbegrenzung", erklärt er. "Ich würde schon gerne für einige Jahre in ein Parlament einziehen. Mein Berufswunsch ist aber nicht Politiker." Stattdessen sehe er sich im Bereich Design: "Ich könnte mir vorstellen, in eine große Firma zu gehen und einfach meine Arbeit zu machen."

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