Herzogenaurach
Nahverkehr

Der Bus ist abgefahren: Ernüchterung über gescheiterten Ticket-Vorstoß

Ein kostenloses Stadtbusticket ist nicht zu machen, aber Vergünstigungen für das Jahresabo soll es geben. Für Antragstellerin Schroff bleibt ein ernüchterndes Ergebnis.
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Der Herzobus war wieder einmal Thema.  Foto: Archiv
Der Herzobus war wieder einmal Thema. Foto: Archiv

Der Öffentliche Personennahverkehr ist komplex. Kompliziert sind auch die Verknüpfungen in den Verbünden. So kann eine Stadt selbst über ihre eigenen Busse nicht nach Belieben bestimmen. Möchte Herzogenaurach beispielsweise ein Zeichen setzen und seine Bustickets kostenlos anbieten, dann ist das faktisch unmöglich. Selbst Verbilligungen erscheinen schwierig.

Diese "relativ ernüchternde" Erfahrung hat SPD-Stadträtin Renate Schroff gemacht, die für die SPD-Fraktion die Einführung eines kostenlosen Stadtbustickets prüfen ließ. Ergebnis: Geht nicht, wie Bürgermeister German Hacker (SPD) in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstagabend wiederholte. Schon vor der Sitzung hatte er die ablehnende Stellungnahme des Kämmerers erläutert, woraufhin Schroff ihren Antrag abschwächte (der FT berichtete).

Verdeutlicht wurde in der Sitzung, dass ein eigenes kostenloses Ticket nicht nur den Austritt aus dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) nach sich zöge, sondern noch weitreichendere Folgen haben könnte. "Die Regierung hat uns angedroht, dass wir die Konzession verlieren könnten", stellte Martin Meßmer von der Herzo Bäder- und Verkehr GmbH fest, die den Stadtbusverkehr betreibt. Und letztlich wäre ein solches Unterfangen ohnehin finanziell nicht machbar: Der Betriebszuschuss würde sich vervierfachen, die Stadt müsste jährlich 2,6 Millionen Euro dafür berappen. "Unbezahlbar", hatte es Hacker im Vorfeld der Sitzung bezeichnet. Und wegen der Verknüpfung mit dem VGN auch gar nicht machbar, wie vor dem Ausschuss verdeutlicht wurde.

Keinesfalls austreten

Antragstellerin Schroff schluckte die bittere Pille. "Wir wollen auf keinen Fall aus dem VGN austreten", sagte sie. Schon deshalb nicht, weil das erhebliche Konsequenzen durch steuerliche Nachteile für die Stadt hätte. Und dennoch wolle man nicht untätig bleiben, weshalb die SPD nun auf zwei Vergünstigungen bei den Jahresabos setzt.

Für das bestehende normale Jahresabo soll die Stadt einen Zuschuss von 100 Euro geben, was den Preis auf 186 Euro senken würde. Das rechnet sich für den Käufer schon bei drei Fahrten in der Woche, rechnete Schroff aus. Des Weiteren solle die Stadt beim 9-Uhr-Ticket auf den Zug respektive Bus aufspringen. Wenn der Landkreis das einführt, soll das auch Herzogenaurach tun. Die Antragstellerin schlug auch hier einen Zuschuss vor, und zwar von 50 Euro. Dann würde das Abo nur noch 128 Euro kosten.

50 000 Euro sollten hierfür in den Haushalt 2020 eingestellt werden, schlug sie vor. Das würde für jeweils 300 Abos reichen. Zu den 2000 Fahrten, die der Stadtbus täglich zählt, kämen dann noch einmal 600 Fahrten hinzu - für Schroff ein gutes Etappenziel. Denn die SPD wolle ja möglichst viele Fahrgäste in die Herzobusse kriegen.

Herzo-Werke-Vertreter Martin Meßmer allerdings dämpfte die Euphorie. Denn das bestehende Jahresabo sei heuer nur 15 Mal gekauft worden, sagte er. Und auch ein extra Sozialticket, das die Stadt bereits bezuschusst, interessiert kaum einen. Laut Kämmerer Manfred Hofmann wurde das lediglich zweimal angefragt. Auch German Hacker bezeichnete eine Steigerung von 15 auf 300 als Riesensprung, an den wohl keiner so recht glauben mag.

Drebinger findet es ungerecht

Walter Drebinger (CSU) fand es gar ungerecht, dass man nur das Stadtbusticket bezuschussen wolle. Wenn er als Herzogenauracher mit dem VGN-Ticket der Stufe 3 (geht auch nach Erlangen) im Stadtgebiet von Herzo fahren wolle, gelte der Zuschuss nicht. Für Drebinger unverständlich.

Schroffs Vorschlag kommt nun in der Haushaltberatung erneut auf den Tisch. "Wir sind ja nicht die ersten, die da drauf kommen", sagte sie und schielte auf aktuelle überregionale Bestrebungen und das 365-Euro-Ticket. Für Herzogenaurach habe sich gezeigt, dass das Thema zu komplex sei und finanziell nicht zu machen. Deshalb habe sie "jetzt versucht, eine überschaubare Lösung zu finden."

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